Olympia 2021

Silber am Barren: Lukas Dauser turnte wie im Schlaf

| Lesedauer: 2 Minuten
Andreas Berten
Lukas Dauser holte die erste Turn-Medaille für Deutschland. Am Barren gewann der EM-Dritte aus Unterhaching mit 15,700 Punkten Silber. Gold ging an den Chinesen Zou Jingyuan.

Lukas Dauser holte die erste Turn-Medaille für Deutschland. Am Barren gewann der EM-Dritte aus Unterhaching mit 15,700 Punkten Silber. Gold ging an den Chinesen Zou Jingyuan.

Foto: dpa

500 Mal hatte Lukas Dauser seine Übung vorher durchgeturnt. Fehlerfrei glückte ihm bei Olympia der größte Erfolg seiner Karriere.

Tokio. Es mag aus turnerischer Sicht nicht das wertvollste Element gewesen ein, für Lukas Dauser jedoch war es das schönste: Nach seiner Silber-Übung am Barren kletterte der 28-Jährige noch einmal auf das Gerät. Die Haltungsnoten konnten sich sehen lassen: Mit beiden Füßen stand er auf den Holmen, seine Schultern umwehte eine Deutschland-Fahne, dann streckte der Unterhachinger beide Arme noch mal in die Höhe und begleitete den zweiten Abgang des Abends mit einem in der gesamten Halle hörbaren Schrei der Erleichterung. „Das war ganz spontan. Ich bin dahin zurückgegangen, weil ich einfach ein gutes Bild wollte“, sagte Dauser zu seiner kuriosen Zugabe auf dem Barren.

Für Lukas Dauser war Silber "das Größte auf der Welt"

Am Abschlusstag der Turnwettbewerbe im Ariake Gymnastics Centre holte der Unterhachinger damit die einzige Medaille für den Deutschen Turner-Bund. 15,700 Punkte war den Kampfrichtern seine Übung wert, besser war nur noch der Chinese Zou Jingyuan (16,233), Bronze ging an den Türken Ferhat Arican (15,633). „Dass ich diese Medaille mit nach Hause nehmen darf, ist das Größte für mich auf dieser Welt“, sagte Dauser voller Begeisterung.

Er turnte bei seinem ersten olympischen Finale die gleiche Übung wie in der Qualifikation. Den Schwierigkeitswert ob der starken Konkurrenz von 6,7 minimal nach oben anzupassen, kam für ihn nicht infrage. „In den vergangenen Tagen habe ich meine Übung bestimmt 500 Mal durchgeturnt“, erklärte Dauser seine Entscheidung. Der Drittplatzierte traute sich zwar ein schwierigeres Programm zu, zeigte sich dabei aber auch unsauber. „Alles richtig gemacht“, sagte Dauser zufrieden, „vielleicht war es ein Segen für mich, dass ich wegen der Pandemie ein Jahr länger Zeit hatte, um alles zu perfektionieren.“

Für den Erfolg und vor allem neuen Spaß am Turnen war der gebürtige Bayer im vorigen Jahr von Berlin nach Halle an der Saale umgezogen. Dort trainiert er mit den anderen Auswahlturnern Nick Klessing (Halle) und Nils Dunkel (Erfurt) bei Hubert Brylok. Seither habe er wieder diese Leidenschaft fürs Training und richtig Lust, sich zu schinden in der Turnhalle. Das war ihm in Berlin abhanden gekommen. „Das hat man in den letzten Monaten und im letzten Jahr gesehen, dass ich da wieder mit größter Leidenschaft und vollem Enthusiasmus dabei bin“, berichtete er über die Auswirkungen des Standortwechsels. In Tokio hat sich das nun voll und ganz ausgezahlt für Lukas Dauser.