TV-Kritik

Thomas Broich: Weniger Fachgequatsche, mehr Drama. Bitte.

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Jürgen Polzin

Foto: Funke Foto Services

Die EM erlebt Dramen und grandiose Spiele - und versinkt in der emotionslosen Fußball-Fachsprache der Experten. Eine TV-Kritik.

Essen. Es soll ja EM-Zuschauer geben, die auf ihrem TV-Bildschirm immer noch diese ominöse Box suchen. Irgendwo da muss wohl auch dieser Zentrums-Iglu stehen, von dem ZDF-Taktikexperte Peter Hyballa nach dem Viertelfinale Schweiz-Spanien gesprochen hatte. Und davon, wie wichtig es ist, dass die Spieler "Raum ziehen".

Die Fußball-EM als TV-Event kommt offenbar ohne Experten nicht so richtig rüber, dachten sich wohl Marketing-Strategen. Was bei diesem EM-Turnier jedenfalls auffällt, ist die Hingabe, mit der jedes noch so schöne Tor solange seziert und erklärt wird, bis auch der letzte Zuschauer den Spaß am Sport verloren hat. Kein Spiel ohne diese furztrockene Fußball-Fachsprache, die bislang vornehmlich jene DFB-Lehrgangsteilnehmer nervte, die beim Theorie-Abend für die C-Lizenz mit dem Einschlafen kämpften.

Auch Thomas Broich hat inzwischen diese Sprache drauf. Am Samstag assistierte der 40 Jahre alte Ex-Profi ARD-Kommentator Tom Bartels beim Viertelfinale Dänemark gegen Tschechien. Mit sanft sonorer Stimme bügelte er die Sensationsflanke glatt, die Dänemarks Joakim Maehle mit dem rechten Außenrist schlug und so das 2:0 vorbereitete. Broich sprach von "physischen Voraussetzungen", von der Qualität dieser Spieler, die solche Aktionen "antizipieren" könnten. "Ein perfekter Spielzug", sagte Broich nach der vierten Wiederholung. Dem konnte Bartels nur zustimmen.

ARD-Kommentator Bartels nicht immer auf Ballhöhe

Keine Frage, Thomas Broich ist mit seiner sympathischen Art durchaus ein Gewinn - für Zuschauer wie für den übertragenden Sender. Jemand, der blitzschnell erfassen kann, was da gerade auf dem Rasen vor sich geht und der es zudem noch verständlich in Worte fassen kann. ARD-Kommentator Bartels jedenfalls musste sich am Samstag mächtig anstrengen, mit Broich auf Ballhöhe zu bleiben.

Was aber bei so vielen Experten am Mikro auf der Strecke bleibt, ist Empathie. Ausgerechnet der feinfühlige Thomas Broich, der früher mal gerne von der Poesie des entscheidenden Passes schwärmte, der Philosophie studierte, Klavier spielte und zur Rettung der "Fußball-Kunst" aufrief - ausgerechnet er lobte Dänemark in einem emotionalen Ausbruch für die "gute Gesamtbalance im Spiel".

Weniger Fachgequatsche. Mehr Drama. Bitte.