EM 2021

Schweiz-Held Sommer nach EM-Sensation: „Das ist unfassbar!“

| Lesedauer: 3 Minuten
Schweizer Ekstase in Bukarest: Torwart Yann Sommer bejubelt den Einzug ins EM-Viertelfinale. Hinter ihm stürmen sein Gladbacher Teamkollege Denis Zakaria (Mitte) und Dortmunds Manuel Akanji (links) heran.

Schweizer Ekstase in Bukarest: Torwart Yann Sommer bejubelt den Einzug ins EM-Viertelfinale. Hinter ihm stürmen sein Gladbacher Teamkollege Denis Zakaria (Mitte) und Dortmunds Manuel Akanji (links) heran.

Foto: AFP

Yann Sommer bestritt gegen Frankreich sein Rekordspiel. Im Elfmeter-Krimi wurde er zum Schweizer Helden. Der Torwart war überwältigt.

Essen/Bukarest. Während die Schweizer Fans auf den Rängen schon jubelten, zögerte ihr Held des Abends noch einen Augenblick. Torwart Yann Sommer blickte kurzzeitig etwas ungläubig umher. Als wollte der 32-Jährige fragen: Muss der Elfmeter von Kylian Mbappé wiederholt werden? Musste er nicht − alles regulär! Als auch Sommer Gewissheit hatte, dass die Eidgenossen durch seine Parade im Showdown dieses spektakulären Duells in Bukarest den Weltmeister Frankreich bezwungen hatten, spurtete der Schlussmann von Borussia Mönchengladbach mit ausgebreiteten Armen in Richtung Fankurve. Seine Mitspieler stürzten sich auf ihn, gemeinsam feierten sie den ersten Schweizer Viertelfinal-Einzug bei einer Fußball-EM.

„Im Moment fühle ich alles, was da drin ist. Ich bin megastolz auf die Mannschaft, wie wir das gemacht haben. Das ist traumhaft“, sagte Sommer: „Die Art und Weise war hervorragend, wir haben gegen eine unglaubliche Mannschaft gespielt, wo in zwei Minuten eigentlich alles kaputt geht. Wie wir zurückgekommen sind und daran geglaubt haben, das ist unfassbar. Unfassbar!“ Nach 120 dramatischen Minuten hatte es 3:3 (3:3, 1:0) gestanden. Ausgerechnet Superstar Mbappé von Paris Saint-Germain scheiterte beim zehnten und letztlich entscheidenden Schuss an Sommer. Außenseiter Schweiz siegte denkwürdig mit 8:7 nach Elfmeterschießen.

Auch Gladbach-Profis Elvedi und Embolo in der Startelf

Neben Sommer standen zwei weitere Gladbach-Profis gegen Frankreich in der Schweizer Startelf: Abwehrspieler Nico Elvedi und Stürmer Breel Embolo. Borussias Mittelfeldspieler Denis Zakaria gehörte zwar zum Kader, kam im Duell mit der Équipe Tricolore aber nicht zum Einsatz. In der regulären Spielzeit hatten der ehemalige Frankfurter Haris Seferovic (15./81.) und frühere Schalker Mario Gavranovic (90.) für die Schweizer getroffen, die schon 1:3 in Rückstand lagen. Der Ex-Wolfsburger Ricardo Rodriguez scheiterte zudem mit einem Foulelfmeter (55.).

Karim Benzema mit einem Blitz-Doppelpack (57./59.) und Paul Pogba (75.) hatten Frankreich scheinbar beruhigend in Führung gebracht. Am Ende zerschlug Sommer die Titelträume des Favoriten: Mbappé schoss, Sommer sprang in die rechte Ecke, griff mit der linken Hand über und wehrte den Ball ab. Pechvogel Mbappé verschwand mit gesenktem Kopf in der Kabine, Sommer genoss mit seiner Mannschaft einen historischen Coup.

Mit seinem 65. Länderspiel stieg er zudem am Montagabend zum Rekordtorhüter der Schweiz auf. Sommer löste Erich Burgener ab, der zwischen 1973 und 1986 insgesamt 64 Mal im Tor der Eidgenossen gestanden hatte. „Es ist unglaublich, Rekord-Nationaltorwart zu sein und das jetzt hier so zu zelebrieren“, sagte Sommer. Das Viertelfinale eines großen Turniers hatte die Schweiz zuletzt vor 67 Jahren erreicht − bei der WM 1954 im eigenen Land. Nächster Gegner am Freitag (18 Uhr) in St. Petersburg ist Spanien. Auch dann dürfte es für die Schweiz wieder auf Yann Sommer ankommen. (nb/sid)