Helden der Hauptstadt

Auf Hockey-Olympiasieger Häner wartet das ganz große Finale

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Inga Böddeling
Martin Häner freut sich auf seine dritten Olympischen Spiele.

Martin Häner freut sich auf seine dritten Olympischen Spiele.

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Martin Häner beendet nach den Olympischen Spiele in Tokio seine lange Karriere. Wie? Das erzählt der Berliner im Podcast.

Berlin. Aufmerksame Leser werden es schon festgestellt haben. Eine Geschichte über Martin Häner? Die gab’s doch erst vor zwei Wochen. Zum Final Four der Hockey-Bundesliga und zu Häners letzten Spielen mit dem Berliner HC. Das Ligafinale in Mannheim war aber eben nicht das letzte Highlight in Häners langer Karriere. Auf den Olympiasieger von 2012 wartet bei den Sommerspielen in Tokio (23. Juli bis 8 August) noch das ganz große Finale.

„Ich war zweimal dabei, hab zwei Medaillen geholt, also soll es beim dritten Mal auch wieder eine Medaille werden“, sagt der Berliner Hockeyspieler im Podcast „Helden der Hauptstadt“ vom Olympiastützpunkt Berlin und der Berliner Morgenpost. „Wenn man da ist, will man erfolgreich sein.“ Für den 32-Jährigen sind es nach London 2012 (Gold) und Rio 2016 (Bronze) die dritten Spiele. Und die letzten.

Die ganz Folge mit Martin Häner hören Sie hier.

Häner wird nach Tokio seine Karriere beenden. Eigentlich wäre das längst passiert, wären die Sommerspiele nicht auf 2021 verlegt worden. „Die Verschiebung war ein Schlag ins Gesicht – wie für fast alle Sportler“, erzählt Häner. „Ich hatte am Anfang eher die Tendenz, aufzuhören. Nach langem Hin und Her haben wir uns zusammen entschlossen, doch noch ein Jahr weiterzumachen.“

Wir, zusammen – das sind seine Familie, seine Frau Simone und die Söhne Mats (zwei Jahre) und Linus (Ende März geboren), sein Chef Prof. Dr. Petersen am Martin Luther Krankenhaus und natürlich Häner selbst. Er, der in den vergangenen Jahren viel Zeit mit der Familie geopfert hat, um seinen Jobs als Leistungssportler und Unfallchirurg gerecht zu werden.

Als Arzt hat Häner gesehen, was Corona anrichten kann

„Irgendwo muss man Abstriche machen“, weiß der BHC-Profi, „das geht beim Sport nur geringfügig, ich kann ja nicht sagen, ich mach nur die Hälfte des Trainingslagers bei der Nationalmannschaft mit, dann würde ich nicht mehr eingeladen. Das gleiche auf der Arbeit, wenn ich da nicht komme, ist auch irgendwann die Grenze bei meinem Chef erreicht. So muss leider die Familie herhalten.“

Die profitierte allerdings von Corona und der Tatsache, dass von März bis September kaum Hockey gespielt werden konnte. „Da war es schön, sein Kind auch mal aufwachsen zu sehen und nicht erst abends nach Hause zu kommen und zu hoffen, dass es noch wach ist. Das war schön und das will ich nicht missen. Und genau darauf freue ich mich jetzt auch, dass es nach dem Sommer so sein wird.“

Vorher stehen aber die Olympischen Spiele an. Ein sportliches Großevent, das sich auch gut zwei Monate vor dem Start keiner so richtig vorstellen kann – nach über einem Jahr der sozialen Isolation. Als Arzt, der zu Beginn der Pandemie auch auf der Intensivstation ausgeholfen hat, weiß Häner um die Gefahren des Virus. „Wer mit Corona auf die Intensivstation kommt, hat 50 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass er dort versterben wird. Ich hab natürlich gesehen, was Corona anrichten kann“, sagt er.

Häner erwartet andere Olympische Spiele

Grund zur Panik sei das aber nicht, solange die Organisatoren mit verlässlichen Hygienekonzepten arbeiten. „Da kommen aus allen Ländern der Welt Sportler her, Übertragungen können passieren, wichtig ist aber, dass wir als Team Deutschland abgeschirmt sind. Das wird nicht wie bei normalen Olympischen Spielen, bei denen man in die riesengroße Mensa geht, am Tisch auch mal mit anderen Nationen sitzt und andere Stars trifft, die man aus dem Fernsehen kennt. Es werden definitiv ganz andere Olympische Spiele – leider.“

Doch obwohl das multinationale Sportevent so ganz anders werden wird, das Leben im Olympischen Dorf eher von Abstand als von Begegnung geprägt ist und die Medaillen-Partys im Deutschen Haus deutlich intimer ausfallen werden: „Es sind trotzdem Olympische Spiele, es ist das, wofür gerade die Sportarten mit eher wenig medialer Aufmerksamkeit lange trainieren. Und man muss das Beste draus machen.“

Seine Familie freut sich auf mehr Zeit mit dem Papa

Söhnchen Mats wird es gefallen, dass der Papa in Tokio hin und wieder recht früh ran muss, die Partien gegen Belgien und gegen Großbritannien werden um 2.30 Uhr und 5.15 Uhr deutscher Zeit angepfiffen. „Mats ist ein kleiner Frühaufsteher“, sagt Häner. Für Olympia in Tokio ein Vorteil, im Alltag eher anstrengend. „Langsam kommt da schon ein bisschen Schlafmangel.“

Aber so geht es wohl allen jungen Eltern, das weiß auch Häner. Trotzdem freut er sich darauf, dass er sich bald nicht mehr dreiteilen muss. „Ich bin schon froh, dass es jetzt langsam einem Ende zugeht und die langen Jahre Nationalmannschaft und Bundesliga vorbei sind. Ich genieße die Zeit natürlich, aber ich hab gemerkt, dass es langsam reicht.“ Langsam, also erst nach dem letzten ganz großen Finale.

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