Berlin-Derby

Pyro-Show beim Berlin-Derby bleibt nicht ohne Folgen

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Vom Dach der Alten Försterei waren zum Anpfiff Raketen abgefeuert worden.

Vom Dach der Alten Försterei waren zum Anpfiff Raketen abgefeuert worden.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Nach der fragwürdigen Pyro-Aktion vor dem Berlin-Derby und dem Brand einer Imbissbude ermitteln jetzt die Polizei und der DFB.

Berlin. Eigentlich waren die Kabel unübersehbar. Und doch waren sie nicht weiter aufgefallen. Bis es knallte und das Dach eines Containers in Flammen stand. Der fragwürdige Pyro-Zwischenfall beim Derby zwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC (1:1) am Sonntagabend lieferte auch einen Tag später noch Zündstoff. Wie waren die Feuerwerkskörper auf das Dach der Alten Försterei gekommen? Wer hatte den Fernzünder auf dem Imbisswagen angebracht und auf den Auslöser gedrückt?

„Wir waren da weder involviert, noch haben wir ein Feuerwerk bestellt. Wir haben nichts davon geahnt, gewusst oder ähnliches“, sagte Christian Arbeit, Unions Geschäftsführer Kommunikation: „Wir waren am Löschen beteiligt, aber an nichts anderem.“ Pünktlich zum Anpfiff waren mehrere Raketen – mit Kabeln an einen Fernzünder wenige Meter unter dem Dach verbunden – in die Luft gegangen, lieferten drei Minuten lang ein ohrenbetäubendes Knall-Konzert. Und setzten einen Lüftungskasten in Brand.

Hertha will Aktion nicht als Ausrede nutzen

Für Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC, wollte die Aktion nicht überbewerten. „Das gehört irgendwie dazu, das wissen wir“, sagte der Ungar und fügte lachend hinzu: „Das ist als Ausrede gar nicht schlecht, wir sind schockiert gewesen, deswegen sind die ersten 15 Minuten so gelaufen.“ Seine Mannschaft hatte schon in der 9. Minute das 0:1 kassiert.

Nachdem Stadionmitarbeiter die Flammen gelöscht hatten und niemand verletzt worden war, nahm die Berliner Polizei ihre Ermittlungen auf. „Wir haben bereits Beweismittel wie den Zünder und Überreste der Pyrotechnik für die laufenden Ermittlungen sichergestellt“, sagte ein Polizei-Sprecher. Die Aktion dürfte also noch Konsequenzen nach sich ziehen.

Die Vorfälle beim Berlin-Derby beschäftigen auch den Deutschen Fußball-Bund. „Der DFB-Kontrollausschuss wird nach den Pyro-Vorfällen im Berliner Bundesliga-Derby Ermittlungen einleiten“, bestätigte Anton Nachreiner, Vorsitzender des Kontrollausschusses, am Dienstag.

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Fans verfolgen das Berlin-Derby aus dem Wald

Unstrittig scheint, dass Union-Fans für die Aktion verantwortlich sind, schließlich wurde die Pyrotechnik auf dem Dach jener Tribüne gezündet, auf der die Ultras unter normalen Bedingungen die Spiele verfolgen. „Wir regen uns mit recht darüber auf, wenn Pyros hochgehen oder andere Sachen sind“, sagte Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball, der die Vorfälle nicht näher bewerten wollte. „Am Ende ist es auch ein Ausdruck dafür, dass es schwierig wird, die Menschen noch für unseren Sport zu begeistern.“

Union sei auch aufgestiegen „für die Menschen“, aber „jetzt sehen sie uns im Fernsehen“, weil wegen der Corona-Pandemie noch immer keine Zuschauer in den Stadion erlaubt sind. Man wolle die Aktionen nicht, aber man müsse etwas Verständnis haben für die Menschen, die nicht dabei sein könnten, befand Ruhnert.

Um wenigstens einen Hauch Derby-Stimmung aufzusaugen, hatten sich vor dem Anpfiff auch gut 50 Fans vor den Stadiontoren versammelt, um die Ankunft der Mannschaft zu feiern. Der Großteil zog dann weiter Richtung Waldseite, um von dort das Spiel zu verfolgen – via Livestream oder Radio. Größere Fan-Ansammlungen löste die Polizei, mit zwei Hundertschaften im Einsatz, aber immer wieder auf, um die Corona-Regeln zu wahren. Die unnötige Pyro-Aktion konnten aber auch die Einsatzkräfte nicht verhindern.

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