Kommentar

Ein gutes Derby braucht Übung

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Union Berlin (l. Robert Andrich) und Hertha BSC (r. Jhon Córdoba) lieferten sich ein nicht sonderlich hochklassiges, aber intensives Duell.

Union Berlin (l. Robert Andrich) und Hertha BSC (r. Jhon Córdoba) lieferten sich ein nicht sonderlich hochklassiges, aber intensives Duell.

Foto: Reto Klar/dpa/BM Montage

Auch wenn das 1:1 zwischen Union und Hertha nicht berauschend war: Die Entwicklung des Derbys lässt hoffen, meint Jörn Lange.

Berlin. Vielleicht waren die Erwartungen schlicht zu hoch. Mit dem Aufstieg des 1. FC Union in die Bundesliga keimte in Berlin 2019 die Hoffnung auf ein elektrisierendes Bundesliga-Derby, in dem sich die Köpenicker und Hertha BSC fortan epische Schlachten liefern. Emporkömmling gegen Platzhirsch, Rot gegen Blau – diese Story hat natürlich Potenzial. Nur war von rauschenden Fußball-Festen bislang wenig zu sehen.

Beim ersten Mal schlugen die Fans über die Stränge, zudem erwischte Hertha einen rabenschwarzen Tag. Beim zweiten Mal schien Union für den gerade erfolgten Liga-Re-Start noch nicht gerüstet, ehe Hertha beim dritten Duell erneut auf einen geschwächten Gegner traf, weil sich Robert Andrich eine frühe Rote Karte einhandelte.

Nun, im vierten Versuch am Sonntag (Endstand 1:1), deutete zunächst vieles auf ein spannendes Duell auf Augenhöhe hin. Rassige Zweikämpfe, ein frühes Union-Tor, Emotionen, Rudelbildung und ein stark aufkommendes Hertha-Team – die ersten 45 Minuten waren eines Derbys würdig.

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Das Hauptstadt-Derby tut der Liga gut

Dass die intensive Partie nach dem Seitenwechsel stark verflachte? War ohne Zweifel bedauerlich. Vor allem die plötzlich defensiv agierenden Gäste aus Westend enttäuschten, wirkten zunehmend mut- und kraftlos. Ein Rückfall, der zeigt, dass die Derby-Festigkeit noch ausbaufähig ist.

Nicht vergessen sollte man dabei jedoch das Fehlen der Fans. Wer schon mal ein Stadion von innen gesehen hat, weiß, welch gewaltige Energie von den Rängen auf den Rasen überspringen kann. Ein Extra-Antrieb, der die Protagonisten zu Höchstleistungen treiben kann – und ohne Stadion-Publikum nicht zündet.

Dennoch: Das Hauptstadt-Derby tut der Liga gut, allein schon deshalb, weil Derbys ein rares Gut werden. Bayern München gegen 1860 ist längst Geschichte, und durch den bevorstehenden Abstieg von Schalke 04 wird das Fußball-Oberhaus im kommenden Jahr ein weiteres Prestige-Duell verlieren. Sollte auch Köln die Liga verlassen, würde zudem noch ein rheinisches Derby fehlen. Umso wichtiger ist es, dass Hertha die Klasse hält. Damit Berlin ein weiteres, (hoffentlich) noch besseres Kräftemessen erlebt. Und die Liga den nötigen Derby-Faktor behält.

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