Kommentar

Alba Berlins ungewöhnlicher Schütze: Marcus Eriksson

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Dietmar Wenck
Marcus Eriksson hatte in Moskau einen Sahnetag und erzielte 36 Punkte für Alba Berlin.

Marcus Eriksson hatte in Moskau einen Sahnetag und erzielte 36 Punkte für Alba Berlin.

Foto: Montage: FFS/picture alliance / Eibner-Pressefoto

Marcus Eriksson hat beim Sieg Alba Berlins in Moskau gleich mehrere Rekorde aufgestellt. Und ist folgerichtig der MVP der Euroleague.

Aus der Heimat twitterte der wegen seines Handbruchs nicht mit nach Russland gereiste Jayson Granger begeistert: „Eriksson is on fire“. Gemeint war sein Teamkollege Marcus Eriksson, der beim 100:81-Sieg Alba Berlins bei Khimki Moskau ein außergewöhnliches Spiel zeigte. 36 Punkte, zehn Dreier verwandelt, was in der 20 Jahre währenden Geschichte der Basketball-Euroleague vor ihm überhaupt erst zwei Spielern geglückt war, den Amerikanern Shane Larkin und Andrew Goudelock. Was die Leistung des Schweden noch wertvoller machte: Er benötigte dafür nur 13 Versuche und verwandelte die letzten fünf Dreier des Spiels. Anders gesagt: Er entschied es.

Zehn Dreier von Marcus Eriksson

Natürlich waren seine 36 Punkte persönlicher Karriere-Bestwert und die verwandelten zehn Dreier zugleich Alba-Rekord. Mike Penberthy hatte 2005 im Trikot der Berliner einmal neun Distanzwürfe verwandelt, aber das geschah in einem Bundesligaspiel. Folgerichtig wurde Eriksson von der Euroleague zum „MVP of the week“, zum wertvollsten Spieler der Woche, ernannt. Spieltags-MVPs waren von Alba Berlin zuvor bereits Luke Sikma (zweimal) und Martin Hermannsson, der inzwischen nach Valencia gewechselt ist.

Im Training verwandelt Eriksson 254 von 259 Versuchen

Eriksson wäre aber nicht Eriksson, würde er nicht selbst diese Leistung noch relativieren. Er sei von seinen Mitspielern halt gut in Position gebracht worden, kommentierte er bescheiden. Oder war es nur wieder einer von diesen Tagen, wo „man es einfach in seinen Fingern spürt“, wie er einmal sagte? Wie bei seinem schon absurden Trainingsrekord, den er vergangenes Jahr aufstellte? Damals verwandelte Eriksson 254 von 259 Versuchen. Zum Glück wurde er dabei gefilmt. Sonst könnte das niemand glauben.

So trainiert der Schütze Marcus Eriksson

Warum spielt so ein Mann bei Alba Berlin? Nun, zum Glück spürt der Schwede es ja nicht in jedem Spiel in seinen Fingern, sonst hätten ihn die Topklubs Europas längst zu sich geholt. Außerdem verbrachte er zwei Jahre bei CB Gran Canaria, dem Ex-Klub von Sportdirektor Himar Ojeda und nahezu des gesamten Berliner Trainerteams. Ojeda hatte sicher auch als Talentscout der Atlanta Hawks seinen Anteil daran, dass Eriksson von dem NBA-Team 2015 als dritter Schwede überhaupt ausgewählt wurde. Und so wusste der Spieler, wer und was ihn in Berlin erwartet. Er hat darum gleich einen Vierjahresvertrag bis Sommer 2023 unterschrieben.

Netzwerk macht sich bezahlt. Und der eher schüchterne Eriksson passt perfekt ins Beuteschema von Alba Berlin. Er ist ein Teamplayer, bodenständig, steht ungern im Mittelpunkt. Das passt zum Glück nicht zu seinem Sternzeichen, demzufolge er nämlich egoistisch und großspurig sein müsste. Trotzdem passt es in einer Hinsicht perfekt. Eriksson ist am 5. Dezember 27 Jahre alt geworden. Er ist Schütze.