Kommentar

Christ Koumadje – Alba Berlin spielt auf Zeit

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Dietmar Wenck
Christ Koumadje im Alba-Trainingszentrum.

Christ Koumadje im Alba-Trainingszentrum.

Foto: Alba Berlin

Im 2,21 Meter großen Christ Koumadje hat Alba Berlin den erwarteten Center verpflichtet. Ein Projekt - nicht nur für Alba.

Manche Experten hatten tatsächlich erwartet, Christ Koumadje im Spiel gegen Panathinaikos Athen gleich im Trikot von Alba Berlin zu sehen. Einen Tag nach seiner Verpflichtung. Nach dem Motto: Mal sehen, wie viele Blocks und Rebounds er heute so beisteuert. Ist ja ein großer Kerl. Mach uns den Walter Tavares aus dem Stand, Riese! Alba-Basketball ist schließlich Freestyle...

Aber erstens stimmt das nicht. Und mal im Ernst: Ohne jede Euroleague-Erfahrung? Selbst ein nach Engagements in Bamberg und München so erfahrener Mann wie Maodo Lo brauchte Monate, um sich im System Aito einzufinden. Außerdem hat Koumadje weder bei Estudiantes Madrid noch in Russland bei Awtodor Saratow bei seinen Kurzzeitjobs dieser Saison die Lampen von der Decke geholt. Dafür reichen allein die 2,21 Meter Körpergröße eben doch nicht. Und mit solchen Vorstellungen hat ihn Alba auch nicht bis 2023 an sich gebunden.

Länge des Vertrags zeigt, dass Alba Berlin Vertrauen hat

Die Vertragslaufzeit ist ein Vertrauensbonus. Er soll hier Schritt für Schritt reifen. Geduld sollten deshalb auch alle anderen haben. Koumadje kann in Berlin viel lernen. Das konnte er gleich in seiner ersten Partie als Alba-Profi aus der Position des Zuschauers. Da sind Center wie Johannes Thiemann nicht nur für die klassischen Aufgaben da, sie dürfen auch Dreier werfen. Da sind Talente aus dem eigenen Nachwuchs wie Jonas Mattisseck, Tim Schneider und Malte Delow nicht nur als Stimmungskanonen gefragt, sie bekommen viel Spielzeit, dürfen sich entwickeln und sogar Fehler machen, ohne gleich den Marsch geblasen zu bekommen.

Christ Koumadjes Highlight-Video

Das hat der neue Mann in Berlin auch nicht zu befürchten. Warten wir’s mal ab, wie viele Tricks Koumadje so drauf hat. Einiges davon werden sie ihm vermutlich erst in Berlin bewusst machen, so, wie die Trainer-Crew hier arbeitet. Und die Scouting-Abteilung. Viele Fehlgriffe hat es bei der Personalwahl in den vergangenen Jahren unter Sportdirektor Himar Ojeda nicht gerade gegeben. Bleibt es dabei, wird der Mann aus dem Tschad nach gut zwei Jahren Lehrzeit anderswo höhere Ziele verfolgen.

Wie Martin Hermannsson, Landry Nnoko, Rokas Giedraitis, um nur die jüngsten Beispiele zu nennen. Ob er das Talent dafür auch mitbringt, muss Christ Koumadje in den nächsten Monaten beweisen. Die Zeit sollte man ihm gewähren.

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