Eisschnelllauf

Des Präsidenten schwierige Mission: Es knirscht beim Umbau

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Marcel Stein
Sprinter Joel Dufter ist mit den Entscheidungen von Präsident Große nicht einverstanden. 

Sprinter Joel Dufter ist mit den Entscheidungen von Präsident Große nicht einverstanden. 

Foto: Peter Dejong / dpa

Matthias Große will die DESG wieder zum Erfolg führen, doch unterschiedliche Interessen sorgen für Misstöne bei der Neustrukturierung.

Berlin. Die Technik ist im Eisschnelllauf der entscheidende Faktor, wenn sie nicht perfekt ist, nutzt selbst alle Kraft nur wenig. Am Freitagvormittag funktionierte nun die Technik nicht optimal, sodass Nadine Seidenglanz die Personalliste gleich doppelt vortragen musste auf der virtuellen Medienrunde der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG). Und diese Liste war lang, enorm lang.

Was die Generalbevollmächtigte des Präsidenten Matthias Große vortrug, zeugt vom Wandel in der DESG. Eine ganze Reihe von Positionen wird im Verband auf verschiedenen Ebenen neu besetzt. „Wenn jemand gedacht hat, wir können mit demselben Personal und in derselben Art und Weise von zwei nicht erfolgreichen Olympiazyklen weitermachen, dann hat er sich geirrt“, bekräftige Große die tiefgreifenden Maßnahmen. So kehrt etwa der einstige Berliner Weltcupsieger Samuel Schwarz als Advisor für den Sprint-Bereich zurück. Frank Dittrich, mehrfacher WM-Medaillengewinner, übernimmt die Aufgabe des Leistungssport-Koordinators.

Berliner Samuel Schwarz wird Advisor für den Sprint

Die Fülle an Veränderungen seit dem Amtsantritt des Berliners Große am 19. September 2020 hat manch einen überfordert in den vergangenen Monaten. So trat die mehrfache Weltmeisterin Jenny Wolf von ihrer neu übernommenen Aufgabe als Bundestrainerin nach nur elf Wochen zurück. Der „Weg der Neustrukturierung“ sei so hart, dass „sie ihn nicht mitgehen kann“, so Große. Zuletzt hatten vier Sprinter aus Inzell in einem offenen Brief darüber geklagt, dass der für sie zuständige Bundestrainer Danny Leger nicht weiterbeschäftigt wird. Es war von einem schwierigen Klima innerhalb des Verbandes die Rede, von Athleten, die Angst hätten, sich zu äußern. Von außen entstand der Eindruck, dass sich die DESG in großer Unruhe befindet, dass gegenläufige Interessen den Neustart behindern.

Daher ging es Große, dem Lebensgefährten der fünffachen Olympiasiegerin Claudia Pechstein, vor dem zweiten Weltcup am Wochenende in Heerenveen auch darum, seine Arbeit zu rechtfertigen, mit Halbwahrheiten aufzuräumen. „Wir haben seit dem 19.9. keinen einzigen verdienstvollen Trainer oder Funktionär entlassen. Wir haben strukturell und leistungstechnisch beraten, und wir haben Verträge, die zum 31.12. ausgelaufen sind, nicht mehr verlängert“, so Große, dem vorgeworfen wurde, nach Gutdünken unliebsame Trainer rauszuschmeißen. Dabei betonte der Berliner Immobilienunternehmer, dass alle Geldgeber hinter dem neuen Kurs stünden. Alle Maßnahmen würden vom Deutschen Olympischen Sportbund, dem Innenministerium, der Bundeswehr, der Bundespolizei und den Sponsoren mitgetragen.

Teamchef Jasch tritt vorerst Nachfolge von Jenny Wolf an

Dass derzeit vieles in Bewegung ist, sei eine Notwendigkeit nach Jahren des Misserfolgs. „Wir haben eine Leistungsanalyse gemacht und festgestellt, dass bestimmte Situationen geändert werden müssen“, sagte Große etwa zum Sprint-Bereich. Ein neuer Bundestrainer werde noch gesucht, Bewerbungen gebe es viele, auch aus dem Ausland. Die Nachfolge von Wolf tritt kommissarisch der bisherige Teamchef Helge Jasch an und soll die Mehrkämpfer zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking führen. Dazu habe man sich entschieden, weil nach Peking der Trainermarkt neu sortiert werde und die Perspektiven bei der Suche nach Kandidaten besser erscheinen.

Ausgerichtet ist die Strategie der neuen DESG-Führung ohnehin erst auf die Spiele 2026, an den Erfolgen dort will sich Große messen lassen. „Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“, so der Berliner, der sich und sein Team im Soll sieht: „Wir haben unsere Zahlen im Griff, unseren Haushalt, unsere Struktur.“ Den Verfassern des offenen Briefes will er das nach der WM noch einmal in einem persönlichen Gespräch genau erläutern. Auch, dass ihr Verhalten verbandschädigend gewesen sei und dies Konsequenzen haben könne.