Corona-Krise

Vereinssterben durch Corona-Lockdown: LSB-Präsident besorgt

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Thomas Härtel, Präsident des Landessportbunds Berlin (LSB), zeigt sich angesichts eines möglichen zweiten Lockdowns besorgt über die Zukunft der  Berliner Sportlandschaft.  Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Thomas Härtel, Präsident des Landessportbunds Berlin (LSB), zeigt sich angesichts eines möglichen zweiten Lockdowns besorgt über die Zukunft der Berliner Sportlandschaft. Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Soeren Stache / dpa

LSB-Präsident Thomas Härtel fürchtet bei einem zweiten Corona-Lockdown um das Überleben vieler Berliner Sportvereine und Verbände.

Berlin. Der Präsident des Landessportbundes Berlin (LSB), Thomas Härtel, befürchtet bei einem drohenden zweiten Lockdown neue Notlagen bei den Berliner Sportvereinen und -verbänden. „Ein zweiter Lockdown hätte auf den Berliner Sport katastrophale Auswirkungen, sowohl für den gemeinnützigen Sport, wie auch für den Profisport“, sagte Härtel.

Berlin lebe als Sportmetropole natürlich auch von „Leuchttürmen wie den Volleys und den Füchsen und Eisbären, Alba oder unseren Fußball-Bundesligisten. Aber der gemeinnützige Sport lebt von seinen Angeboten für die Mitglieder. Und wenn dann die entsprechenden Angebote wieder so zurückgefahren werden müssen wie im ersten Lockdown, wäre das eine sehr bittere Entwicklung für den gemeinnützigen Sport.“

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Härtel befürchtet bei weiterem Corona-Lockdown eine Austrittswelle

Härtel, der seit 2018 dem LSB vorsteht, befürchtet bei einem weiteren Lockdown eine Austrittswelle, die nach dem ersten Lockdown ausgeblieben war, und neue finanzielle Notlagen der Vereine nach sich ziehen könnte. Bisher ist von den im Rettungsschirm Sport zur Verfügung gestellten acht Millionen Euro – sechs Millionen für die gemeinnützigen Vereine, zwei Millionen für die Profivereine – ein Gesamtschaden von fünf Millionen Euro eingereicht worden.

„Allerdings geben die Vereine genau an, was sie selbst leisten können“, sagte Härtel, „so ergibt sich bisher eine bewilligte Förderung von 1,5 Millionen Euro“. Insgesamt hat der LSB von 300 bisher eingereichten Anträgen 150 bewilligt.

Auch einer möglichen Aufstockung sähe Härtel positiv entgegen: „Das Vertrauen der Senatsverwaltung und des Parlaments in den Landessportbund ist sehr groß. Sportsenator Andreas Geisel hat uns auch angeboten, dass wir Anfang/Mitte November in die Bewertung des Rettungsschirms einsteigen und dann schauen, wie es weitergeht. Sollte ein weiterer Lockdown kommen, könnte man auch über eine Aufstockung reden.“

Nicht alle Vereine werden zweiten Corona-Lockdown überleben

Der ehemalige Staatssekretär der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport rechnet aber damit, dass nicht alle Vereine einen zweiten Lockdown überleben würden: „In Krisen wird es immer Verlierer geben und es wird Gewinner geben. In solchen Krisen liegt die Chance, nach vorne zu schauen und der Sport kann zeigen, dass er lebt.“ Als Beispiel nennt Härtel die digitalen Angebote mancher Vereine: „Die Vereine, die sich da auf den Weg gemacht haben, die haben auch eine Zukunft.“

Neben den Vereinen und Verbänden setzt sich Härtel auch für eine finanzielle Unterstützung der Veranstalter von Großereignissen in Berlin ein. „Ich habe wiederholt auch in der Diskussion mit dem Bund deutlich gemacht, der zusätzlich 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen möchte, dass auch unsere Leuchttürme wie der Berlin-Marathon oder das Istaf auch gefördert werden müssen, die Gewinne für die Stadt sind“, sagte Härtel: „Es ist nicht nur der Sportler, der da läuft, sondern wir tun auch etwas für die Menschen und die Familien, die sich freuen. Diese Freude fehlt derzeit.“

An eine neue Normalität mag Härtel noch nicht denken: „Die Normalität wird künftig anders aussehen – im Bereich der Hygieneregeln, der Fitnessangebote, in der Reha, in den Sporthallen, in den Angeboten, die wir machen.“ Dazu gehöre auch die Infrastruktur: „Da, wo jahrelang nicht saniert wurde, wo Sportstätten verfallen, wo nicht regelmäßig saniert wird, da bekommen wir ein Problem – auch ohne Pandemie.“

( dpa )