Eisschnelllauf

Berlinerin Wolf ist Bundestrainerin der Eisschnellläufer

DESG-Präsident Große ordnet die sportlichen Verantwortlichkeiten neu. Wolf lenkt ein siebenköpfiges Trainerteam.

Jenny Wolf ist jetzt Cheftrainerin bei der DESG.

Jenny Wolf ist jetzt Cheftrainerin bei der DESG.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Berlin. Die Plätze wurden knapp. Sieben Trainer stellte der neue Präsident vor, dazu hatte sich das neue Präsidium eingefunden zur Verkündung der sportlichen Neuausrichtung im Eisschnelllauf, ein paar Sponsoren waren da, Kameras drängten sich – kurzum, es war eng, als Matthias Große nach der Wahl zum Kopf der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) am vergangenen Sonnabend nun den Blick auf die sportliche Entwicklung des Verbandes lenkte.

Sie beginnt mit einigen Veränderungen. Von denen die erste allerdings noch etwas braucht, um zu greifen. Die Umbenennung des Verbandes in Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) wird erst in einigen Wochen offiziell. Aber am Donnerstag ging es ohnehin nur um das Eisschnelllaufen. Die jüngere sportliche Vergangenheit der DESG mit zwei Olympischen Spielen ohne Medaille dokumentiert den Sanierungsstau.

Stützpunkttrainer werden zu Assistenten von Bundestrainerin Wolf

Behoben werden soll dieser in Zukunft mit Jenny Wolf als neuer Bundestrainerin. „Ich weiß, es ist eine Riesen-Herausforderung, aber wir haben eine große Chance“, sagte die Berlinerin bei ihrer Vorstellung. Bislang war die 41-Jährige im Rang einer Bundestrainerin für Technik und Wissenschaft verantwortlich, nun leitet sie als Chefin eine Trainerkommission mit sechs Assistenten. „Ich freue mich, dass wir einen Schnitt in der sportfachlichen Ausrichtung der DESG machen können“, sagte Große, dem es dabei vor allem auf eines ankam, und zwar, „dass wir auf unsere Ressourcen zurückgreifen“.

Die letzten beiden Bundestrainer kamen jeweils aus den Niederlanden, Vorgänger Erik Bouwman wurde erst vor wenigen Wochen von Große freigestellt. Der Berliner wies noch einmal darauf hin, dass Bouwman lediglich zwei Wochen im Monat zur Verfügung stand. Man brauche aber Trainer, die ihre Aufgabe komplett ausfüllen. Das soll auch mit der neuen Struktur erreicht werden. Die Bundesstützpunkte erhalten eine klare Aufwertung, weil die Stützpunkttrainer nun als Co-Riege von Wolf agieren. Entscheidungen sollen künftig zusammen erarbeitet werden.

Wer von den Wolf-Assistenten welche Aufgaben übernehmen wird, das soll sich erst ergeben. „Das ist alles ein Prozess, wir sind in der Stunde Null“, sagte der Präsident. Wolf selbst hat bereits eine Idee. „Die werde ich auch vorstellen. Der nächste Schritt ist, sich zusammenzusetzen, einen Fahrplan zu machen, eine Struktur zu finden. Dann werden wir das mit Inhalten füllen. Die Verantwortlichkeiten müssen klar definiert werden“, sagte die fünffache Sprint-Weltmeisterin, die inzwischen in Inzell lebt.

Auch Shorttrack soll demnächst neu strukturiert werden

Zu ihrer Trainerkommission gehören Gunda Niemann-Stirnemann und Andreas Behr (beide Erfurt), Andreas Kraus (Inzell), Uwe Hüttenrauch (Berlin), André Hoffmann (Dresden) und Tony Seidenglanz (Chemnitz). Niemann-Stirnemann und Behr sind zudem als Performance-Manager für den Massenstart und die Team-Verfolgung sowie den Teamsprint zuständig. „Für mich ist heute ein Neustart. Alle wissen, wie schwer das ist, wir haben im Nachwuchs zwei Generationen verloren“, sagte Niemann-Stirnemann, die sich angetan zeigte, dass die Expertise und Arbeit der Stützpunkttrainer wieder wertgeschätzt und besser eingebunden wird. Ab Oktober soll zudem ein internationaler Supervisor die DESG sportfachlich unterstützen.

Kurzfristig erwartet Große von seiner neuen sportlichen Führung keine Wunder. „Wir messen den Erfolg der DESG 2022 nicht in Medaillen. Auf allen Strecken dabei zu sein, wäre der größte Erfolg“, sagte der Präsident bezogen auf die Olympischen Spiele. Für die folgende Ausgabe 2026 allerdings sind die Anforderungen größer: „2026 verspreche ich, dass wir vorn dabei sein werden. Sonst haben wir unsere Arbeit nicht richtig gemacht.“ Zumindest beim Eisschnelllauf. Den Shorttrack gibt es ja auch noch, dort wird demnächst auch alles neu strukturiert. Die Herausforderung dabei sei allerdings noch größer.