Fußball

Fans in Europa: Zwischen Totentanz und Rolle rückwärts

Die Rückkehr der Fans in die Fußball-Stadien ist ein sensibles Thema. Welche Regeln gelten in Europas Top-Ligen?

In Spaniens erster Liga werden weiterhin nur die Spieler auf der Tribüne sitzen. Zuschauer können frühestens im Frühling auf eine Rückkehr hoffen.

In Spaniens erster Liga werden weiterhin nur die Spieler auf der Tribüne sitzen. Zuschauer können frühestens im Frühling auf eine Rückkehr hoffen.

Foto: Juan Manuel Serrano Arce / Getty Images

Berlin. Englands Fußball-Fans brauchen noch viel Geduld. Frühestens im März dürfen die Anhänger der Premier-League-Klubs wieder ins Stadion. Dem einen oder anderen mag mit Blick nach Deutschland das Herz bluten. Doch ein Programm zur stufenweisen Rückkehr von Zuschauern wurde wegen zu hoher Corona-Infektionszahlen in Großbritannien ausgesetzt. Sehr zum Bedauern der Liga. Eigenen Angaben zufolge gehen mit jedem Monat ohne Zuschauereinnahmen rund 110 Millionen Euro verloren. Während England die Fans weiterhin komplett ausschließt, wird in Deutschland von Spieltag zu Spieltag entschieden – auf Basis der Corona-Infektionszahlen. Aber wie sieht die Lage in Europas übrigen Top-Ligen aus? Ein Überblick.

Spanien: Lionel Messi, Toni Kroos und Co. ergeht es ähnlich wie den Kollegen in England. Die spanische Primera Division spielt seit Saisonbeginn vor eineinhalb Wochen ohne Zuschauer – und daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Bestenfalls im Frühjahr können sich die Fans Hoffnungen auf ein Ende des Totentanzes machen, sagen Experten. Zudem musste jeder Verein der 1. und 2. Liga ein Ausweichstadion benennen, in dem er bei starkem Anstieg der Infektionen spielen kann. Die fünf Spielklassen in den 3. Ligen starten sogar erst am 18. Oktober in die neue Saison.

I talien: Immerhin je 1000 Zuschauer dürfen in den Stadien der Serie A die Spiele der höchsten italienischen Liga anschauen. Das hatte die Regierung in Rom am vergangenen Sonnabend entschieden. Im Oktober soll es dann eine Überprüfung der Maßnahmen geben, eventuell dürfen sich die Tifosi sogar auf eine Erhöhung freuen. An der jetzigen Regelung gibt es allerdings schon Kritik: Mehrere Fangruppen riefen zum Boykott auf, sie kritisieren, dass die Stadien nicht wieder komplett geöffnet werden.

Frankreich: Den Franzosen ergeht es ähnlich wie den Deutschen. Offiziell sind pro Spiel in der Ligue 1 maximal 5000 Zuschauer erlaubt, doch die regionalen Behörden können die Restriktionen jederzeit verschärfen. So durfte zum Beispiel OGC Nizza an der von Corona stark betroffenen Cote d’Azur bei beiden bisherigen Heimspielen keine Fans ins Stadion lassen. Auch in Marseille durfte Olympique die Kapazität bisher nicht ausschöpfen.

Belgien: Nach sechs Monaten ohne Fans durften die belgischen Anhänger Mitte September erstmals wieder in die Stadien. Die Anzahl der erlaubten Besucher ist regional unterschiedlich. Allerdings hat die Corona-Pandemie den kleinen Benelux-Staat auch schwer getroffen. 10.000 Tote bei einer Einwohnerzahl von rund 11,5 Millionen musste Belgien bislang vermelden.

Österreich: In Deutschlands Nachbarland hat man mittlerweile schon wieder eine Rolle rückwärts gemacht. Ursprünglich war in Österreichs Stadien eine Maximalzahl von 10.000 Fans erlaubt, doch aufgrund der gestiegenen Coronazahlen verschärfte die Regierung die Maßnahmen. Mittlerweile wurde die zulässige Zuschauerkapazität auf 3000 Besucher reduziert. Weitere Kürzungen sind nicht ausgeschlossen.