US Open

US Open: Osaka ist die Königin von New York

Naomi Osaka gewinnt das Finale der US Open und zeigt danach, dass sie mehr ist als nur eine Sportlerin.

Naomi Osaka und der Pokal der US Open: Seit Sonnabend eine innige Beziehung.

Naomi Osaka und der Pokal der US Open: Seit Sonnabend eine innige Beziehung.

Foto: Matthew Stockman / AFP

New York. Verloren stand Naomi Osaka im Lamettaregen und umklammerte schüchtern ihren Silberpokal. Keine Fans, die ihren Sieg bei den US Open bejubelten, kein Blitzlichtgewitter im fast menschenleeren Arthur-Ashe-Stadion - doch das war ohnehin völlig egal. Viel wichtiger, viel kraftvoller war die Botschaft, die die Japanerin nach ihrem Triumph um die Welt schickte. Und die rührte sogar Boris Becker fast zu Tränen.

Sieben schwarze Masken hatte Osaka nach New York mitgebracht, für jedes Match bis zum Finale eine. Und sieben Namen standen darauf, von Breonna Taylor über George Floyd hin zu Tamir Rice. Sie alle hatten aufgrund von Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA ihr Leben gelassen. Und doch fragte der weiße Moderator Osaka im Interview vor der Pokalübergabe, welche Botschaft sie vermitteln wolle. Ihre schlagfertige und so treffende Antwort: „Nun, welche Message ist denn bei Ihnen angekommen?“

Damit verschlug Osaka sogar der deutschen Tennis-Ikone Becker kurz die Sprache. „Wow“, stammelte der Eurosport-Experte, „das war für mich der Satz des Turniers.“ Und der dreimalige Wimbledonsieger wurde richtig emotional, als er anfügte: „Sie gewinnt die US Open, hat die Gedanken woanders, und sie spricht dieses wichtigste Thema der heutigen Generation so an. Unglaublich.“

Osaka nahm an „Black lives matters“-Demonstrationen teil

Die sportliche Geschichte dieses Endspiels ist schnell erzählt. Osaka, die beste Spielerin des Turniers, bezwang die Belarussin Wiktoria Asarenka nach katastrophalem Startsatz 1:6, 6:3, 6:3 und holte ihren dritten Grand-Slam-Titel. Doch sie ist mit ihren 22 Jahren schon so viel mehr als eine Sportlerin.

Schon im Mai nahm Osaka in Minneapolis an einer Demonstration in Folge des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd teil, und nachdem im August sieben Schüsse eines Polizisten den Schwarzen Jacob Blake in den Rücken getroffen hatten, boykottierte sie aus Protest ihr Halbfinal-Match beim Vorbereitungsturnier in New York. Aber genug war das noch lange nicht.

„Es ist ziemlich traurig, dass sieben Masken nicht genug sind für die Anzahl der Namen“, sagte Osaka, die selbst schon leidvolle Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung machen musste. So verstieß der Großvater ihre Mutter, da diese einen Haitianer geheiratet hatte. Als Naomi drei Jahre alt war, zog die Familie deshalb in die USA.

Mentor Kobe Bryant hatte ihr große Zukunft prophezeit

Mittlerweile ist ihre Bühne die Welt. Und da ist Osaka auf bestem Weg, nach dem Ende der Ära von Roger Federer und Rafael Nadal der nächste globale Superstar zu werden. Schon jetzt ist sie die bestbezahlte Sportlerin des Planeten - was auch ihrem Engagement abseits des Courts und ihrem schrägen Humor zuzuschreiben ist.

So legte sie sich nach ihrem Triumph von New York in aller Seelenruhe auf den Platz und blickte in den Himmel. „Alle brechen immer sofort nach dem Matchball zusammen, aber ich dachte mir: Du könntest dich dabei ja verletzen“, scherzte sie. Aber sie wollte „schon immer sehen, was die großen Spieler gesehen haben, als sie auf dem Boden lagen“.

Woran sie in diesem Moment dachte, verriet Osaka nicht - vielleicht ja an ihren Mentor Kobe Bryant, wie nach allen Siegen in New York zog sie auch nach dem Titelgewinn das Trikot der verstorbenen Basketball-Legende an. „Er glaubte, dass ich Großes erreichen kann, hoffentlich werde ich das irgendwann schaffen“, erzählte Osaka: „Ich hoffe, dass ich ihn stolz machen kann.“ Das dürfte ihr schon jetzt gelungen sein.