Verurteilter Ringer

Iran weist Kritik an Afkaris Todesurteil zurück  

Protestiert neben vielen anderen Ringern gegen das Todesurteil für den Iraner Navid Afkari: Frank Stäbler.

Protestiert neben vielen anderen Ringern gegen das Todesurteil für den Iraner Navid Afkari: Frank Stäbler.

Foto: dpa

Teheran (dpa) – Die iranische Justiz hat die hiesige und internationale Kritik am Todesurteil gegen Ringer Navid Afkari zurückgewiesen.

"Viele mischen sich einfach in Angelegenheiten ein, von denen sie weder genaue Informationen haben noch die notwendige juristische Kompetenz besitzen", sagte Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili. Afkari habe einen Menschen ermordet und das Urteil gegen ihn im Iran laute nicht Todesstrafe, sondern "Ghissas", so der Sprecher laut Nachrichtenportal Alef. "Ghissas" ist im islamischen Recht das Prinzip der Wiedervergeltung, Blutrache oder Auge um Auge.

Laut Ismaili vergessen die Kritiker die Tatsache, dass Afkari einen unschuldigen Menschen ermordet und eine Familie zerstört hat. Außerdem habe Afkari ein umfassendes Geständnis abgelegt und die Details des Mordes auch am Tatort nochmal geschildert, sagte der Sprecher. Er fügte hinzu, dass Afkari noch in Berufung gehen könnte.

Der 27-Jährige, der als Ringer-Talent galt, hat nach Angaben der iranischen Justiz bei einer Demonstration 2018 in der südiranischen Stadt Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet. Sein Geständnis sei durch Folter erzwungen worden, halten Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen entgegnen.

In den letzten Tagen läuft im in- und Ausland die Kampagne "Rettet Navid Afkari". Sogar US-Präsident Donald Trump hat die iranische Führung in einem Tweet aufgefordert, Afkari nicht hinzurichten. Auch der dreimalige deutsche Weltmeister Frank Stäbler setzt sich für Afkari ein. "Die Ringer-Familie und die globale Sport-Gemeinschaft stehen hinter ihm. Wir kämpfen zusammen, um für Navid und seine Familie Gerechtigkeit zu bekommen", so Stäbler auf Instagram.

© dpa-infocom, dpa:200909-99-497216/2