Bayern München

Miroslav Klose ist Bayerns neuer Motivator

Miroslav Klose hat beim FC Bayern die Arbeit als Co-Trainer aufgenommen – und mit einem Profi gleich eine Extraschicht eingelegt.

Neues Bayern-Trio: Miroslav Klose (l.) steht am Dienstag zum ersten Mal mit Co-Trainer Hermann Gerland (M.) und Chefcoach Hansi Flick (r.) auf dem Trainingsplatz.

Neues Bayern-Trio: Miroslav Klose (l.) steht am Dienstag zum ersten Mal mit Co-Trainer Hermann Gerland (M.) und Chefcoach Hansi Flick (r.) auf dem Trainingsplatz.

Foto: Sven Hoppe / dpa

München. Vorhang auf für Miroslav Klose: Mit einem Lächeln im Gesicht schlüpfte der WM-Rekordtorschütze unter der hochgehobenen Sichtschutzplane am Trainingsgelände des FC Bayern hindurch. Auf dem Weg zur ersten Einheit wechselte der gut gelaunte Klose ein paar Worte mit seinem neuen Chef Hansi Flick, dann legte er mit viel Elan los. Der 42-Jährige passte Bälle zu, motivierte, gab Kommandos, suchte Gespräche. Einen weißen Zettel hielt der neue Co-Trainer der Bayern-Stars stets in der Hand.

„Ich konnte es nicht erwarten, so schnell wie möglich wieder auf den Platz zu kommen“, sagte Klose, der am Dienstag gleich noch eine Extraschicht mit Robert Lewandowski einlegte. „Ich glaube schon, dass mein Fokus ein bisschen auf den Stürmern liegen wird. Aber das werden wir jetzt noch zusammen mit Hansi Flick definieren.“

Klose bleibt erst mal ein Jahr im Amt

Nach zwei erfolgreichen Jahren bei der U17 des deutschen Fußball-Rekordmeisters ist der beförderte Klose im neuen Amt der Wunschkandidat von Flick. Der mit 71 Toren in 137 Partien erfolgreichste Torschütze der deutschen Länderspielgeschichte arbeitet neben dem Bayern-Job seit diesem Sommer an der Fußballlehrer-Lizenz und geht damit zielstrebig „den nächsten Schritt in meiner Laufbahn als Trainer“. Das Engagement bei den Münchner Profis ist zunächst für ein Jahr bis zum 30. Juni 2021 vereinbart.

„Wir freuen uns, im Team so einen Topexperten zu haben, gerade was den internationalen Fußball betrifft“, sagte Flick zum Start ins Mannschaftstraining. „Ich erwarte mir von Miro, dass er seine Erfahrung in das Team mit einbringt, so wie alle im Team. So kenne ich Miro auch, sehr unaufgeregt und ohne irgendwelche Eitelkeiten.“ Möglicherweise wird Klose im August den Teil des Bayern-Teams um Zugang Leroy Sané betreuen, der in München bleibt und nicht mit auf die anvisierte Champions-League-Tour nach Portugal geht.

Besonders die große Erfahrung des früheren Weltklassestürmers könne bei der künftigen Zusammenarbeit „ein enormes Pfund“ sein, sagte Flick. Beide kennen sich schon lange. Vor sechs Jahren feierte der damalige Joachim-Löw-Assistent Flick gemeinsam mit Klose auch den WM-Titel in Rio. „Wir vertrauen uns sowohl fachlich als auch menschlich“, betonte Klose bei seiner Verpflichtung.

Cheftrainer ist das Ziel des ehemaligen Rekordtorjägers

Von 2007 bis 2011 stürmte Klose für die Münchner, nach seinem Karriereende im Jahr 2016 trieb er dann die Trainerlaufbahn voran. Zeitweise gehörte er zum Stab von Bundestrainer Joachim Löw. Dort nahm er „taktische Finesse“ mit, lernte von Löw „ein Gespür für Spieler, für den Zusammenhalt in der Gruppe“, wie er selbst berichtete. Im Sommer 2018 wechselte er zum Bayern-Nachwuchs und weckte mit der Arbeit auch Begehrlichkeiten in der Bundesliga. Dort will er selbst „irgendwann“ einmal Cheftrainer sein.

„Bei Miro gefällt mir persönlich ein Fakt ganz besonders: Er war selbst ein Weltklassestürmer, bei Weltmeisterschaften hat er sogar häufiger getroffen als der Bomber, der legendäre Gerd Müller. Doch trotz seines Namens und seiner erfolgreichen Vita hat Miro den steinigen Weg als Trainer gewählt, sammelt Erfahrung, arbeitet sich hoch“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Ich bin überzeugt davon, dass insbesondere unsere Stürmer von ihm als Trainer profitieren werden.“

Klose will auch von Co-Trainer Gerland lernen

Der bodenständige Klose selbst weist selbst gern darauf hin, dass er bei der Trainer-Laufbahn „nichts überstürzen“ will. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich ein sehr offener, kommunikativer Trainer bin. Und ich möchte dann auch auf die Spieler zugehen“, sagte er am Dienstag.

Schritt für Schritt lautet die Devise, die auch beim Deutschen Fußball-Bund gern gesehen wird. „Als Miro von 2016 bis 2018 unser Trainerteam der Nationalmannschaft unterstützte, merkte man ihm das Interesse, die Leidenschaft und Expertise für den Trainerberuf an“, erinnerte sich DFB-Direktor Oliver Bierhoff. „Es ist klasse, dass mit Miroslav Klose ein Weltmeister den Trainerweg derart akribisch geht und sein Wissen kontinuierlich erweitert.“

Neben Klose steht mit Hermann Gerland ein weiterer Co-Trainer parat. Das Gespann suchte am Dienstag auffallend häufig das Gespräch. „Es ist unheimlich spannend, und ich bin sehr glücklich, dabei zu sein. Wir sind eine gute Truppe, und jeder kann von dem anderen lernen“, sagte Klose.