Leichtathletik

Istaf: Ein kleines Stück Normalität im Olympiastadion

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Inga Böddeling
Auch 2000-Meter-Weltrekordlerin Gesa Felicitas Krause geht beim Istaf im September an den Start.

Auch 2000-Meter-Weltrekordlerin Gesa Felicitas Krause geht beim Istaf im September an den Start.

Foto: Raphael Schmitt / picture alliance / Beautiful Sports

Das Berliner Leichtathletik-Meeting Istaf darf im September mit 3500 Zuschauern stattfinden. Zwei Weltrekordler sind am Start.

Berlin. Johannes Vetter klingelte gleich mal durch, als er die Nachrichten aus Berlin erhielt. Dass das Istaf im September mit Zuschauern stattfinden soll, war dem Speerwurf-Weltmeister von 2017 direkt ein Anruf bei Meeting-Direktor Martin Seeber wert. „Feedback wie dieses bestärkt uns, diesen außergewöhnlichen Weg zu gehen“, sagte Seeber der Morgenpost.

3500 Fans dürfen am 13. September ins Berliner Olympiastadion, um das traditionsreiche Leichtathletik-Meeting live mitzuerleben. Das Event wäre die erste sportliche Großveranstaltung seit dem 8. März. Damals hatten sowohl die Füchse Berlin als auch die Eisbären noch ihre Heimspiele vor Zuschauern ausgetragen, ehe die Corona-Pandemie erstmal Schluss machte mit Sport vor Publikum.

Es ist ein ambitioniertes Vorhaben, das Seeber und sein Team da ausgetüftelt haben. „Das Istaf lebt von und mit den Fans. Wir wollen so ein Signal setzen – auch in den schwierigsten Zeiten kein Istaf ohne unsere Zuschauer veranstalten“, sagte Seeber. Schon im April hatte der 55-Jährige im Interview mit der Berliner Morgenpost versichert, dass es kein Geister-Istaf geben wird.

Tickets fürs Istaf werden personalisiert vergeben

Also haben er und sein Team einen detaillierten Plan ausgearbeitet und sich intensiv mit den Berliner Behörden ausgetauscht. „Wir haben sehr früh angefangen, parallel zum Re-Start der Fußball-Bundesliga das Konzept zu entwickeln und die Arbeitsversionen immer wieder mit allen Beteiligten abgestimmt – insbesondere mit unseren Medizinern und dem engagierten Team des Gesundheitsamts Charlottenburg-Wilmersdorf um Leiterin Nicoletta Wischnewski“, erklärte Seeber.

Details zum Hygienekonzept sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Fest steht aber schon jetzt, dass die begrenzten Tickets personalisiert vergeben werden, zudem muss auf den Tribünen genügend Abstand eingehalten werden. „Auch wenn wir nicht alle Wünsche erfüllen können: Ziel war und ist es, so vielen Fans wie möglich einen sicheren Besuch im Stadion zu ermöglichen“, so Seeber. „Die Athleten lieben die einmalige Istaf-Atmosphäre, und die verdanken wir den Fans.“

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Auch wenn es nicht wie in den Vorjahren 45.000 Zuschauer sein werden – zwei Weltklasse-Athleten wollen sich die Wettkampfgelegenheit nach der Absage der Olympischen Spiele nicht nehmen lassen. Stabhochsprung-Weltrekordler Armand Duplantis (Schweden) und Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause haben bereits ihre Teilnahme zugesagt. „Auch die Athletinnen und Athleten haben schwierige Monate hinter sich und brennen darauf, nach der langen Auszeit wieder auf der Bahn zu stehen“, ist sich Seeber sicher. „Sie haben uns bestärkt, auch in diesem Jahr für das Istaf zu kämpfen und mit dem Meeting ein Zeichen zu setzen für die Leichtathletik: Hey, wir sind auch noch da!“

Zweite Corona-Welle würde wohl Absage des Istaf bedeuten

Sollte allerdings die befürchtete zweite Corona-Welle im Herbst heranrollen, wären Seebers Pläne dahin. „Unser Schutz- und Hygienekonzept und unser sportliches Konzept ermöglichen es uns, kurzfristig zu reagieren. Ein komplettes Verbot von Großveranstaltungen würde aber natürlich auch uns betreffen“, sagte der Meeting-Direktor. Was ein großes finanzielles Loch in die Istaf-Kassen reißen würde.

Während sich schon die verkleinerte Variante nicht wirklich rechnen dürfte, würde eine Absage „einen noch wesentlich größeren Schaden verursachen. Uns geht es da nicht anders als vielen anderen: In diesen schwierigen Zeiten haben es alle Sport-Veranstalter, Profi-Klubs und Vereine extrem schwer“, sagte Seeber. Daher ist der Manager von Top Sportmarketing dankbar, dass Partner und Sponsoren trotz Krise ihre Unterstützung zugesagt haben. Ebenso wie das Land Berlin. „Das gibt Rückenwind.“ Und die Chance auf ein kleines Stückchen Normalität im Sport.

( dpa )