Sport

Bund unterstützt Profivereine mit 200 Millionen Euro

Die Profiligen in Deutschland können sich auf staatliche Zuschüsse einstellen. Der Bund greift den Klubs unter die Arme.

Weil die Fans nicht in die Hallen dürfen, gibt es auch für die Eisbären Berlin staatliche Hilfe.

Weil die Fans nicht in die Hallen dürfen, gibt es auch für die Eisbären Berlin staatliche Hilfe.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Wer abseits von erster und zweiter Fußball-Bundesliga seinen Sport betreibt, hatte in den vergangenen Monaten mit vielen Problemen zu kämpfen. Vor allem die Vorhersagen über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in den kommenden Monaten waren schwierig, weil Sponsorengelder ebenso wenig kalkulierbar sind wie die Zulassung von Zuschauern zu den Spielen. Das schürte Existenzangst bei vielen Klubs aus dem Handball, dem Basketball oder dem Volleyball, die keine langen Zeiträume mit Geisterspielen überbrücken können.

Doch diese Vereine dürfen nun ein wenig aufatmen. Die Politik greift dem Sport in der Corona-Krise unter die Arme: Im Rahmen des milliardenschweren Konjunkturpakets will der Bund 200 Millionen Euro an die finanziell strapazierten Klubs fließen lassen. Profiligen sollen so unterstützt, Insolvenzen verhindert und traditionsreiche Standorte bewahrt werden. Darauf einigten sich die Arbeitsgruppen der Koalitionsfraktionen am Dienstag.

„Es ist ein existenziell wichtiger Beitrag, um vernünftige Wettbewerbe, einen vernünftigen Spielbetrieb und ein vernünftiges Lizenzverfahren in den kommenden zwölf Monaten zu ermöglichen“, sagte CDU-Sportpolitiker Frank Steffel, der Initiator des Hilfspakets, das am Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden soll: „Es ist ein wahnsinnig wichtiger Beitrag, um Hunderten von Vereinen die Existenz zu retten.“

Wichtige Unterstützung für Eishockey, Basketball und Co.

In erster Linie werden die Klubs der großen Profiligen profitieren, die aufgrund der geltenden Regeln zur Eindämmung der Pandemie fehlende Zuschauereinnahmen zu verzeichnen haben. Dazu zählen etwa die Vereine aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL), der Basketball Bundesliga (BBL) oder der Handball Bundesliga (HBL), aber auch aus der 3. Fußball-Liga und der Frauenfußball-Bundesliga.

„Ich kenne noch nicht alle Details, aber das wird uns bestimmt helfen“, sagt Peter John Lee, der Geschäftsführer des DEL-Klubs Eisbären Berlin. Die Nothilfe sehe vor, dass die ausbleibenden Zuschauereinnahmen in den Monaten April bis Dezember 2020 mit 80 Prozent der Nettoerlöse nach Abzug der Verkaufsgebühren und Mehrwertsteuer erstattet werden. Maximal könne ein Verein eine Zuwendung von 800.000 Euro erhalten, wenn er zuletzt mehr als eine Millionen an Zuschauereinnahmen gehabt habe. „Wenn ein Verein 100.000 Euro Einnahmen gehabt hätte, würde er 80.000 Euro bekommen“, erklärte Steffel, der auch Präsident des Handball-Klubs Füchse Berlin ist. Dies gelte für alle Klubs der ersten und zweiten Ligen plus der dritten Fußball-Ligen sowie in besonderen Fällen für Verbände.

Hilfen würden einige Geisterspiele möglich machen

In Berlin würde vor allem die Eisbären, Alba (Basketball), die BR Volleys (Volleyball) und die Füchse von der Unterstützung partizipieren. „Man könnte dann schon ein paar Geisterspiele machen. Wir wären weniger abhängig davon, gleich wieder mit voller Auslastung bei den Zuschauern zu spielen und könnten die Kapazitäten stufenweise steigern“, so Lee, dessen Klub mit etwa fünf Heimspielen Zuschauereinnahmen von einer Million Euro generiert und somit den Höchstsatz erhalten dürfte. Ursprünglich soll die DEL-Saison Mitte September beginnen. Im Handball wurde der Start bereits auf Anfang Oktober verlegt.

Insbesondere für den Frauensport und auch für den ländlichen Raum seien die Hilfen wichtig. „Es sind ganz, ganz viele kleine Orte, wo die Vereine gerade auch im Frauenbereich eine ganz große Tradition haben“, sagte Steffel. Anspruch auf Hilfen haben allerdings nicht nur die Vereine der großen Profiligen, sondern laut Steffel „die 1. und 2. Ligen aller Sportarten“: „Im Grundsatz betrifft es genauso das Ringen. Wenn die Zuschauereinnahmen wegfallen, gibt es auch hier, wenn die Veranstaltung stattfindet, eine entsprechende Unterstützung.“

Die staatlichen Hilfen werden die wirtschaftlichen Schäden für die Vereine zumindest mildern. Aufatmen dürften sie allerdings erst, wenn wieder Spiele vor Publikum möglich sind. Wann das sein wird, ist angesichts behördlicher Beschränkungen und wieder gestiegener Infektionszahlen unklar.

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