Fußball

Corona-Krise im Berliner Amateurfußball: Nichts geht mehr

Die Corona-Krise stellt den Berliner Amateurfußball vor etliche Probleme. Lösungen sind derzeit kaum in Sicht

Ab Montag sollen Freiluft-Sportanlagen zwar wieder öffnen, an Mannschaftstraining ist jedoch noch lange nicht zu denken.

Ab Montag sollen Freiluft-Sportanlagen zwar wieder öffnen, an Mannschaftstraining ist jedoch noch lange nicht zu denken.

Foto: ulmer / picture alliance / Pressebildagentur ULMER

Berlin. Fast wirken sie wie ein kleines Mahnmal: Auf dem Neuköllner Hertzbergplatz drehen sich am Sonntag fünf Rasensprenger im Kreis, schließlich soll dort, wo sonst der Fußball regiert, wenigstens das Gras in Schuss bleiben. Ansonsten bleibt das Bild aus dem Berliner Amateurfußball jedoch trist. Keine Spieler, keine Bälle, keine Partien, kurz: Nichts geht mehr. Der Gegner Covid-19 hat sich längst als unbezwingbar erwiesen, Kontaktsperre und Mannschaftssport lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. „Die Gesundheit ist am wichtigsten“, sagt Selami Erbay, der Vorsitzende des BSV Hürtürkel, der auf dem Hertzbergplatz zu Hause ist. „Aber wie es weitergehen soll, weiß ich auch nicht.“ Den bewegungshungrigen Kindern in den 22 Jugendteams des Klubs kann er derzeit wenig Hoffnung schenken.

Nils Kohlschmidt geht es ähnlich. Er zählt zum Vorstand des FC Empor, trainiert beim Pankower Kiezklub die erste Männermannschaft und arbeitet auch im Nachwuchs. Die Pläne, die Saison womöglich ab Mitte August fortzusetzen, sieht er skeptisch, zumal selbst dann grundsätzliche Fragen offen blieben. „Was, wenn sich ein Spieler mit Corona infiziert“, fragt sich Kohlschmidt: „Muss dann die ganze Mannschaft in Quarantäne? Und was heißt das dann für den Spielplan?“

Immerhin: Die Mitglieder bleiben ihren Klubs offenbar treu – Vereinsaustritte sind eine Ausnahme, auch Rückforderungen von Mitgliedsbeiträgen gibt es kaum. Bei Empor werden selbst die aktuell zur Untätigkeit verdammten Trainer weiterbezahlt. Wie es danach weitergeht, ist jedoch völlig offen.

Ab Montag sollen etliche Freiluft-Sportanlagen wieder öffnen, nutzbar sind sie aber nur im Rahmen der Kontaktbeschränkungen, also bestenfalls zu zweit. An Mannschaftstraining ist nicht zu denken, das Vereinsleben liegt brach. Kohlschmidt merkt schon jetzt: „Die sozialen Kontakte sind eigentlich das, was am meisten fehlt.“

Ein Sponsor ist dem SC Charlottenburg bereits abgesprungen

Gerade ambitionierten Klubs dürfte demnächst aber auch etwas anderes fehlen, nämlich Geld. „Bei uns ist schon ein Sponsor abgesprungen“, erzählt Wolfgang Matthies, stellvertretender Vorsitzender beim Siebtligisten SC Charlottenburg. Neue Unterstützer zu finden, wird „ein Riesenproblem“, befürchtet er, schließlich haben etliche Berliner Betriebe genug mit sich selbst zu tun.

Völlig unklar ist auch, wie es sportlich weitergeht. Der SC Charlottenburg ist in seiner Staffel mit acht Punkten Vorsprung Tabellenführer, träumt vom Aufstieg in die Berlin-Liga. Bei einer virtuellen Abstimmung des Berliner Fußball-Verbands (BFV) stimmte das Gros der knapp 100 teilnehmenden Vereinsvertreter für einen Abbruch der Saison. Bei der Frage, ob die Spielzeit annulliert oder gewertet werden soll – und wenn ja, wie – gingen die Meinungen indes auseinander. Eine Diskussion, die noch länger schwelen wird, demnächst vielleicht flankiert vom Profi-Fußball, der den Betrieb schon im Mai wieder aufnehmen will. Groll hegen die Amateure deshalb nicht. „Das“, meint SCC-Mann Matthies, „würde uns zumindest mal wieder etwas Zerstreuung bringen.“

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