Olympia

Olympia verschoben: Die Sportwelt atmet auf

IOC und Ausrichterland Japan verschieben die Olympischen Spiele ins kommende Jahr. Athleten und Funktionäre reagieren erleichtert.

Die olympische Flagge wird erst im kommenden Jahr in Tokio wehen. Sehr zur Freude vieler Athleten und Funktionäre.

Die olympische Flagge wird erst im kommenden Jahr in Tokio wehen. Sehr zur Freude vieler Athleten und Funktionäre.

Foto: Jean-Christophe Bott / dpa

Tokio. Es brauchte noch eine Telefonkonferenz. Um dann doch zur Vernunft zu kommen. Die Olympia-Macher von Tokio haben sich dem Druck in der Coronavirus-Krise gebeugt und lassen die Sportwelt mit der Verschiebung der Sommerspiele auf 2021 aufatmen. Am Dienstagmittag fassten das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die japanischen Gastgeber den längst unausweichlichen Beschluss, die Tokio-Spiele ins nächste Jahr zu verlegen.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sei mit dem Vorschlag des IOC „hundertprozentig“ einverstanden gewesen“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Abe erklärte, er habe vorgeschlagen, die Spiele um ein Jahr zu verschieben, und Präsident Bach hat dem zu „100 Prozent zugestimmt“. Die Sommerspiele sollen auf „ein Datum nach 2020 verlegt werden“, aber nicht später als im Sommer 2021 stattfinden, hieß es.

Trotz der Verschiebung bleibt es bei dem Namen Tokio 2020. Außerdem vereinbarten Abe und Bach, „dass die Olympische Flamme in Japan bleibt“. Als „Leuchtfeuer der Hoffnung für die Welt“ und als „Licht am Ende des Tunnels“ in dieser so schwierigen Lage.

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Mehrere Nationen hatten bereits einen Olympia-Boykott erklärt

„Die nunmehr schnelle und klare Entscheidung zur Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele ist ein richtiger und enorm wichtiger Schritt für den internationalen Sport und die gesamte Weltgemeinschaft“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, sah in der Verschiebung „eine gute Nachricht für den Sport und eine gute Nachricht für die Welt. Es ist die einzig richtige und nachvollziehbare Entscheidung. Wenn es dann 2021 zur Austragung kommt, können wir wieder tolle und großartige Spiele erleben.“

Zudem bestätige es der Weltbevölkerung, dass auch im Sport alles dafür getan wird, „die weltweite Pandemie bestmöglich und baldmöglichst unter Kontrolle zu bringen“, wie DOSB-Chef Hörmann sagte. Neben Hörmann hatten sich in den vergangenen Tagen immer mehr Athleten, Funktionäre und Nationale Olympische Komitees (NOK) gegen den Termin im Sommer 2020 ausgesprochen.

Das IOC kassierte für das vehemente Festhalten am bisherigen Datum scharfe Kritik. Schließlich schreitet die Ausbreitung der Covid-19-Erkrankungen durch das Coronavirus weltweit weiter voran. Eine Ende der Pandemie ist bislang nicht in Sicht. Aus diesem Grund hatte IOC-Mitglied Dick Pound (Kanada) in US-Medien schon am Montagabend erklärt, dass die Spiele verschoben werden.

IOC-Chef Bach gerät durch Hinhalte-Taktik in die Kritik

Pound gilt im IOC als Bachs Gegner, leistete sich in der Vergangenheit immer wieder Auseinandersetzungen mit dem IOC-Präsidenten. Und brachte den deutschen Funktionäre durch sein Vorpreschen in Zugzwang. Der 66-Jährige war schon in den vergangenen Tagen wegen seiner Hinhalte-Taktik international stark in die Kritik geraten.

„Thomas Bach wurde das Heft des Handels längst aus den Händen genommen“, sagte der frühere Sportfunktionär Clemens Prokop. „Ich denke, dieser Vorgang ist vermutlich die größte Niederlage, die Bach in seiner Laufbahn als Funktionär erlebt hat“, meinte Prokop, viele Jahre Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Spätestens aber mit den Erklärungen von den Nationalen Olympischen Komitees aus den USA, Kanada und Großbritannien, auf einen Start in Tokio verzichten zu wollen, war Bachs Taktik dann aber gescheitert. In den USA sitzt der Fernsehsender NBC, der dem IOC für die Übertragung der Spiele bis ins Jahr 2032 fast sechs Milliarden Euro zugesagt hat. Ohne US-Sportler in Tokio wäre dieser Deal wohl geplatzt.

Verschiebung könnte die Verantwortlichen knapp 6 Milliarden Euro kosten

Also blieb Bach am Dienstag nicht mehr viel anderes übrig, als einer Verschiebung zuzustimmen und zu erklären: „Ich hoffe, dass Tokio ein Fest der Menschlichkeit und eines Überstehens der Pandemie sein kann.“ Über den genauen Zeitpunkt der Austragung sei noch nicht diskutiert worden. „Olympische Spiele sind eines der komplexesten Events auf dem Planeten. Das kann nicht in einem Telefongespräch entschieden werden“, betonte der IOC-Chef. „Es gibt so viele Puzzlestücke. Das braucht Zeit.“

Zeit und Geld. Die Verschiebung der Spiele ist ein extrem teurer Vorgang. Experten schätzen, dass auf den Gastgeber Japan und den Veranstalter IOC Kosten von 5,6 bis 5,9 Milliarden Euro zukommen werden. Vor allem logistisch ist es für Veranstalter, Athleten und TV-Sender eine Herkulesaufgabe. Das Hauptproblem dabei sind die Sportstätten. Insgesamt gibt es 43 Arenen oder Anlagen, die für die Spiele 2020 errichtet wurden. Für alle Anlagen müssen die Organisatoren nun neue Verträge aushandeln.

Für viele Athleten geht derweil nun eine Hängepartie und eine Zeit der Ungewissheit zu Ende. „Das war gesellschaftlich unumgänglich. Diese Spiele wären die Hölle für uns gewesen“, sagte der Berliner Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe. Die Entscheidung bedeute für viele Sportler „den Aufschub, für manche das Ende eines Traums“, hieß es in einer Erklärung des Vereins Athleten Deutschland. Sie alle hätten sich mit „unfassbarer Energie und Hingabe“ auf diesen Sommer vorbereitet. Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul bezeichnete die Verschiebung als „richtig für alle Sportler“. Der 22 Jahre alte deutsche „Sportler des Jahres“ von 2019 „hoffe, dass wir alle 2021 die Spiele bekommen, die wir uns erträumen“.