Olympia

Olympia-Verlegung: Der Widerstand bröckelt

Nach den ersten Absagen von Athleten senden IOC und Ausrichterland Japan erste Signale zu einer Verschiebung der Olympischen Spiele.

Die Corona-Krise hat zur Absage zahlreicher Sport-Großveranstaltungen geführt, nur Olympia weigert sich bislang noch.

Die Corona-Krise hat zur Absage zahlreicher Sport-Großveranstaltungen geführt, nur Olympia weigert sich bislang noch.

Foto: Jae C. Hong / dpa

Berlin. Mittlerweile scheint die Realität dann doch durchzusickern. Bis hin zu denjenigen, die sich bislang strikt gegen eine Verschiebung der Olympischen Spiele im Sommer in Tokio (24. Juli bis zum 9. August) gewehrt haben. Nachdem sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Sonntag zunächst noch eine Frist von vier Wochen eingeräumt hatte, um über weitere Schritte zu beraten, folgten am Montag die ersten Signale aus dem Gastgeberland.

„Es ist schwierig, Spiele unter diesen Umständen abzuhalten, wir müssen über eine Verschiebung entscheiden, wobei die Gesundheit der Athleten oberste Priorität hat“, sagte Japans Premierminister Shinzo Abe. Einer, der mindestens genauso resolut an einer Austragung festgehalten hatte wie IOC-Präsident Thomas Bach.

Kanada und Australien schicken keine Athleten zu Sommspielen in diesem Jahr

Doch auch das japanische Organisationskomitee hat angesichts der Corona-Pandemie eingesehen, dass eine planmäßige Durchführung der Sommerspiele nicht mehr vertretbar ist. „Wir sind nicht so blöd, die Olympischen Spiele wie geplant auszutragen“, sagte Cheforganisator Yoshiro Mori. Der Weg ist also bereitet für eine Verschiebung in den Herbst 2020, den Sommer 2021 oder 2022.

Denn selbst Bach hat erkannt: „Menschenleben haben Vorrang vor allem, auch vor der Austragung der Spiele.“ Ein Faktor, der den Sportfunktionär zu dieser Einsicht gebracht haben dürfte, ist der freiwillige Verzicht des gesamten kanadischen Teams. „Es geht nicht nur um die Gesundheit der Sportler, es geht um die Gesundheit der Menschheit“, hieß es in einem Statement des kanadischen Nationalen Olympischen Komitees. „Im Schatten von Covid-19 und der damit verbundenen Risiken ist es für unsere Sportler, für die Gesundheit und die Sicherheit ihrer Familien und aller Kanadier nicht angebracht, sich auf diese Olympischen Spiele vorzubereiten.“

DOSB plädiert für Verlegung auf Sommer 2021

Dem Beispiel der Kanadier folgten kurze Zeit später auch die Australier. Das dortige Olympia-Komitee entschied, seine Athleten auf Sommerspiele in 2021 einzuschwören. Ein Szenario, das immer wahrscheinlicher wird. Nachdem sich auch der Leichtathletikverband, der im kommenden Sommer seine Weltmeisterschaften ausrichten wollte, bereit erklärte, sein Großereignis auf 2022 zu verschieben.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unterstützt die Verlegung auf das kommende Jahr. Für Präsident Alfons Hörmann sei das „ein längst überfälliger Schritt“. Der 59-Jährige kritisierte die bisherige Hängepartie und hofft nun auf ein deutlich souveräneres Auftreten der Verantwortlichen. „Die öffentliche Wahrnehmung des IOC und des gesamten Sports wird nun ganz entscheidend davon geprägt, wie in den nächsten vier Wochen die weiteren Schritte offen kommuniziert und konsequent umgesetzt werden“, sagte der DOSB-Präsident.

Bei Verschiebung würden Extrakosten von 5,7 Milliarden Euro entstehen

Dass das IOC in der Olympia-Diskussion wahrlich keine gute Figur abgegeben hat, ist unbestritten. „Diese Hinhaltetaktik des IOC produziert einen massiven Vertrauensverlust und zeigt auch ein eklatantes Führungsversagen“, monierte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, bei hr-info. Grund für das Zögern des IOC dürften wohl auch die Kosten sein, die bei einer Verschiebung entstehen würden.

Glaubt man diversen Experten, müsste Japan dann noch einmal bis zu 5,7 Milliarden Euro berappen. Die würden zu den 20 bis 30 Milliarden hinzukommen, die das Ausrichterland bereits in sein Prestige-Projekt investiert hat. Die Extrakosten aber wären eine weitere wichtige Investition – in die Gesundheit.

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