American Football

Das fehlende Teil des Puzzles: Brady wechselt nach Tampa

Star-Quarterback Tom Brady sucht eine neue Herausforderung. Die Bedingungen bei den Tampa Bay Buccaneers scheinen zu stimmen.

Quarterback-Star Tom Brady wechselt wohl nach Tampa.

Quarterback-Star Tom Brady wechselt wohl nach Tampa.

Foto: David J. Phillip / dpa

Berlin. Lange Wartezeiten müssen Fans der Tampa Bay Buccaneers normalerweise nicht in Kauf nehmen, wenn sie Dauerkarten für die Spiele ihrer Mannschaft erwerben wollen. Doch am späten Dienstagabend war alles anders. Die Hotline ächzte unter dem hohen Anruferaufkommen. Innerhalb weniger Minuten waren knapp 3000 Anfragen eingegangen, dabei steht nicht einmal der Spielplan für die kommende Saison fest. Das ist auch nicht so wichtig angesichts der Ankündigung, dass Tom Brady 2020 der Quarterback der Tampa Bay Buccaneers sein wird. Jener Brady, der in den vergangenen 20 Jahren für die New England Patriots gespielt und mit ihnen sechs Mal den Super Bowl gewonnen hatte. Jener Brady, den nicht wenige Menschen in den USA für den besten Quarterback des American Football aller Zeiten halten und der zu den erfolgreichsten Sportlern des Landes gehört.

Die Nachricht, dass es Brady nach Tampa zieht, folgte nur wenige Stunden, nachdem er bekannt gegeben hatte, nicht mehr für die Patriots spielen zu wollen. Sein Vertrag war ausgelaufen. Damit endete eine der erfolgreichsten Dynastien in der Geschichte des US-Sports. New Englands zwei Jahrzehnte währende Dominanz steht auf einer Stufe mit den Erfolgen der Montreal Canadiens, die in den 1950er Jahren zehn Mal infolge das Eishockey-Finale um den Stanley Cup erreichten oder die der Basketballer der Boston Celtics aus den Sechzigern.

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Verhältnis zum Trainer kühlte ab

Brady’s Wechsel ist einer der spektakulärsten in der Geschichte des US-Sports, zu vergleichen vielleicht mit dem der Eishockey-Legende Wayne Gretzky, den es Ende der Achtziger von Edmonton nach Los Angeles zog. Im Alter von bald 43 Jahren sucht Brady noch mal nach einer neuen Herausforderung. Obwohl sich Robert Kraft, der Besitzer der Patriots, bis zuletzt für einen Verbleib des Spielmachers einsetzte, hatte sich angedeutet, dass Brady seine Karriere woanders beenden würde. Das Verhältnis zwischen ihm und Trainer Bill Belichick (67), der mit Brady das erfolgreichste Trainer-Quarterback-Duo der Geschichte bildete, war in den vergangenen Jahren merklich abgekühlt.

Unter anderem, weil Brady sich stets geweigert hatte, einen Nachfolger aufzubauen. New England verlängerte zwar mehrfach seinen Vertrag, aber nie um die von Brady gewünschte Laufzeit, sondern meistens nur um ein oder zwei Jahre. Am Ende überwog bei dem Quarterback wohl die Angst, das prominenteste Opfer des berühmten „Patriot-Way“ zu werden. New England ist berüchtigt dafür, selbst seine erfolgreichsten und verdientesten Spieler kaltherzig vor die Tür zu setzen, wenn es sportliche und wirtschaftliche Gründe dafür gibt. Auch die in Fachkreisen oft geäußerte Behauptung, Brady und Belichick könnten nur zusammen gewinnen, dürfte eine Rolle gespielt haben. Aus dem Umfeld beider Männer sickerte durch, da sei der Wunsch, es nach zwanzig Jahren ohne den anderen schaffen zu wollen.

In Tampa bieten die Buccaneers viel Qualität

Nun also Tampa. Nach außen mag die Entscheidung für diese Mannschaft überraschend wirken. Die Buccaneers haben das Play-off seit der Saison 2007 nicht mehr erreicht, Tampa zählt zu den kleineren Märkten in der National Football League (NFL) und rangiert in Sachen Zuschauerinteresse regelmäßig auf den hinteren Plätzen. Über eine Kultur des Gewinnens, wie sie Brady aus New England kennt, verfügt das Unternehmen aus Florida nicht. Nur einmal, in der Saison 2002, gewannen die Bucs den Super Bowl. Für viele Experten war Tampa in der vergangenen Saison, die man mit sieben Siegen und neun Niederlagen abschloss, aber nur einen überdurchschnittlichen Quarterback von einer erfolgreichen Spielzeit entfernt.

Das lag daran, dass ihr Spielmacher Jameis Winston (26) einen absurden Rekord aufstellte. Seine 30 Touchdown-Pässe sind zwar ein überdurchschnittlicher Wert, seine 30 Interceptions aber auch. Das sind jene Pässe, die beim Gegner landen. 30 Touchdowns und 30 Interceptions in einer Saison konnte bis dahin noch niemand vorweisen. Zahlen, die belegen, was schon länger über Winston behauptet wurde: das er mental den Anforderungen der NFL nicht gewachsen ist.

Das Endspiel in Tampa ist ein besonderer Reiz

Brady spielt da in einer ganz anderen Liga. Durch ihn erhoffen sich die Buccaneers einen sprunghaften Qualitätsanstieg. Die Mannschaft ist auf nahezu allen Positionen hervorragend aufgestellt. In der Verteidigung sorgen Shaquil Barrett und Devin White für Kopfzerbrechen bei den Gegnern, in der Offensive verfügt Brady über all jene Anspielstationen, die er in seinen letzten Jahren in New England immer vermisst hatte.

Mike Evans und Chris Godwin zählen zu den besten Passempfängern der Liga, dazu kommen die Tight Ends O.J. Howard und Cameron Brate als weitere Optionen. Nicht zu vergessen der bisweilen schrullig wirkende Trainer Bruce Arians (67), der ähnlich wie Belichick zur älteren Generation gehört, aber anders als der grummelige Belichick als spielernaher Trainer gilt und statt auf Sicherheit lieber auf Risiko setzt. Wenn es zwischen ihm und Brady passt, könnten sich die Buccaneers schnell zu einem Geheimfavoriten auf den Super Bowl entwickeln.

Dazu passt, dass das Endspiel der kommenden Saison in Tampa Bay stattfindet. Bisher ist es noch keiner Mannschaft gelungen, einen Super Bowl im eigenen Stadion zu spielen. Für Brady wäre das ein weiterer Meilenstein seiner Karriere. Und der erste, den er nicht im Trikot der New England Patriots erreicht.