Coronavirus

Pan-EM weicht Pandemie

Die Uefa beschließt die Verlegung der Europameisterschaft in den Sommer 2021. Champions und Europa League sind zunächst ausgesetzt.

Der Coupe Henri Delaunay muss bis Sommer 2021 auf einen neuen Europameister warten.

Der Coupe Henri Delaunay muss bis Sommer 2021 auf einen neuen Europameister warten.

Foto: Facundo Arrizabalaga / dpa

Berlin. Die Entscheidung der Europäischen Fußball-Union (Uefa), die Europameisterschaft wegen der Coronavirus-Pandemie vom Sommer 2020 in den Sommer 2021 zu verschieben, ist zweifelsohne die einzig richtige. Am Dienstagnachmittag gab das Exekutivkomitee die Verlegung bekannt, nachdem die nationalen Verbände und die Europäische Klubvereinigung ECA dem Vorschlag der Uefa zugestimmt hatten.

Ursprünglich sollte das paneuropäische Turnier vom 12. Juni bis 12. Juli 2020 ausgetragen werden. Neuer Austragungszeitraum ist nun der 11. Juni bis 11. Juli 2021. Deutschland ist mit München einer von zwölf Gastgebern für die 51 Spiele der 24 Teilnehmer.

Beschlossen wurde auch die Aussetzung aller anderen Uefa-Wettbewerbe. Bis es eine andere Verlautbarung gibt, werden demnach in der Champions und Europa League keine Spiele stattfinden. Auch die Frauen-Wettbewerbe werden ruhen. Die für Ende März angesetzten Länderspiele sollen ebenso wie das Play-off zur EM Anfang Juni ausgetragen werden, sofern es die Corona-Pandemie zulässt.

Uefa-Boss Ceferin spricht von Opfer

Alexander Ceferin, der Uefa-Präsident, begrüßte die Entscheidung. Dabei verzichtete er nicht auf jede Menge Pathos, das bei den Funktionären in der größten Unterhaltungsbranche der Welt in diesen Tagen offenbar unvermeidlich ist.

„Es war wichtig, dass die Uefa als Dachverband des europäischen Fußballs den Prozess anführte und das größte Opfer brachte. Wir stehen am Ruder eines Sports, den eine riesige Anzahl von Menschen leben und atmen und der von diesem unsichtbaren und sich schnell bewegenden Gegner niedergeschlagen wurde“, sagte Ceferin.

Die Verschiebung der EM „ist für die Uefa mit enormen Kosten verbunden, aber wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die lebenswichtige Finanzierung des Breiten- und Frauenfußballs und die Entwicklung des Spiels in unseren 55 Ländern nicht beeinträchtigt wird“, erklärte Ceferin weiter.

Bundestrainer Löw begrüßt die Entscheidung

Bereits am Montag hatte Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Sätze wie „Es geht ums Überleben“ gewählt, um die Gefahren für die DFL und den deutschen Profifußball zu umschreiben. Die DFL hatte am Montag beschlossen, den Spielbetrieb zunächst bis zum 2. April auszusetzen, verbunden mit der Hoffnung, die Saison im Mai und Juni mit Geisterspielen zu Ende bringen zu können. Diese aufgrund der Ereignisse der vergangenen Tage allerdings höchstens vage Hoffnung hat durch die EM-Verschiebung neue Nahrung erhalten.

„Wir alle müssen die Gesundheit und das Leben von Menschen schützen, das gilt selbstverständlich auch für den Fußball. Deshalb ist es völlig richtig und alternativlos, die EM zu verschieben“, sagte Bundestrainer Joachim Löw: „Unsere Nationalspieler hätten natürlich wahnsinnig gerne die EM im Sommer gespielt, was sie sich auch erarbeitet hatten. Jeder Sportler lebt doch für diese großen Spiele, für diese großen Turniere, die ein Land, einen ganzen Kontinent oder bei Weltmeisterschaften die ganze Welt begeistern.“

Auch Fritz Keller sieht keine Alternative zur EM-Entscheidung. „Die Kolleginnen und Kollegen der Uefa, denen wir uns nicht zuletzt als Ausrichter der Europameisterschaft 2024 besonders verbunden fühlen, sind heute ihrer Verantwortung gerecht geworden“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Fans sollen Geld für EM-Tickets erstattet bekommen

Die Uefa versicherte, dass die Kosten für bereits bezahlte Tickets und Reisepakete zurückerstattet werden, sollte den Käufern die Reise zur EM 2021 nicht möglich sein. Inwieweit die Uefa das paneuropäische Turnier im nächsten Jahr unter gleichen Voraussetzungen ausrichten will und kann, blieb zunächst offen.

Das Eröffnungsspiel zwischen Italien und der Türkei war für den 12. Juni in Rom terminiert. Italien gilt als Epizentrum der Coronaviruskrise in Europa. Aufgrund der rasanten Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 hatte die italienische Regierung am 9. März landesweite Sperrmaßnahmen verhängt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO klassifizierte die Verbreitung von Sars-CoV-2 am 11. März als Pandemie. Sechs Tage später reagierte die Uefa.

Fifa will zehn Millionen Dollar spenden

Durch die Verlegung in den Sommer 2021 muss sich die Uefa mit dem Weltverband Fifa arrangieren, der zu dem Zeitpunkt eigentlich die Premiere der millionenschweren Klub-WM feiern will. Dieses Turnier war zuletzt auf 24 Mannschaften aufgestockt worden, ursprünglich sollten acht davon aus Europa kommen. Möglicherweise entsendet die Uefa im Gegenzug für eine Verlegung der Klub-WM aber nun mehr Vereine.

Ceferin dankte der Fifa und ihrem Präsidenten Gianni Infantino, der angekündigt habe, „alles zu tun, damit dieser neue Kalender funktioniert“. Die Klub-WM soll nun später im Jahr 2021 stattfinden, oder sogar auf 2022 oder 2023 verschoben werden.

Zudem kündigte Fifa-Boss Infantino an: „Dank unserer soliden finanziellen Situation ist die Fifa in der Lage, proaktive Solidaritätsmaßnahmen zu unterstützen, die speziell auf die Corona-Krise abzielen. Daher schlage ich konkret eine Zehn-Millionen-Dollar-Spende an den Covid-19- Solidaritätsfonds der WHO vor.“

Uefa muss auch die EM der Frauen verschieben

Zudem muss die Uefa das eigene Final Four der Nations League verschieben, das im Juni 2021 stattfinden soll. Auch für die EM der Frauen in England und die U21-Europameisterschaft werden neue Termine gesucht.

Wie es mit dem Europapokal weitergeht, soll eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Ligen und Klubs festlegen. Das Finale der Champions League sollte bislang am 30. Mai in Istanbul steigen, das Endspiel der Europa League war drei Tage zuvor in Danzig geplant.