Coronavirus

Derby ohne Fans: Berlins Sport wird zur Geisterveranstaltung

Das Derby zwischen Hertha und Union sowie alle weiteren großen Sportevents finden ohne Zuschauer statt. Die Folgen sind schmerzhaft.

Graue Realität: Das gigantische Olympiastadion ohne Zuschauer.

Graue Realität: Das gigantische Olympiastadion ohne Zuschauer.

Foto: nordphoto / Engler / nordphoto

Berlin. Es ist schon ein recht gemeines Spiel, das Weltgeist und Fußballgott da miteinander spielen. Auf Bundesliga-Derbys hatte die Sport-Gemeinde in Berlin schließlich viele Jahre hingefiebert, und jetzt, da das mit Spannung erwartete Rückspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union keine zwei Wochen mehr entfernt ist, wird die Partie im Olympiastadion zum Geisterspiel erklärt. Die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus ist zu groß. Es nützt nichts.

Am Mittwoch beschloss die Berliner Gesundheits- und Innenverwaltung auf dringende Empfehlung der Amtsärzte, Veranstaltungen ab 1000 teilnehmenden Personen bis Ende der Osterferien (19. April) zu untersagen. „Natürlich akzeptieren wir die Entscheidung, ohne Zuschauer zu spielen, und wir halten sie auch für sinnvoll“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz: „Wenn wir damit einen Beitrag leisten können, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, steht eine solche Entscheidung nicht zur Diskussion.“ Über Möglichkeiten und Ablauf von Ticketerstattungen will der Bundesligist Anfang kommender Woche informieren.

Unions Duell gegen den FC Bayern wird doch zum Geisterspiel

Die Kulisse am 21. März in Westend, sie wird skurril anmuten. Wo knapp 75.000 Zuschauer für infernalischen Lärm gesorgt hätten, wird Stille herrschen; wo blau- und rot-weiß gekleidete Fans singen, klatschen und ihre Schals schwenken sollten, dürften lediglich graue Sitzschalen zu sehen sein. Ein Jammer für Spieler, Verantwortliche und Fans, aber verglichen mit einer exponentiellen Corona-Ausbreitung eben das deutlich kleinere Übel. Ein Fakt, der auch den 1. FC Union eingeholt hat.

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Am Dienstag hatten die Köpenicker noch darauf gedrängt, ihr anstehendes Heimspiel gegen den FC Bayern am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky) in einem vollbesetzten Stadion An der Alten Försterei abzuhalten. Doch daraus wird nichts. Am Mittwochvormittag hatte sich das Bezirksamt Treptow-Köpenick auf eine Anordnung des zuständigen Amtsarztes berufen und mitgeteilt, dass die Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden muss. Am Dienstag hatten die örtlichen Behörden noch auf eine Anordnung zum Ausschluss von Zuschauern verzichtet. Union-Präsident Dirk Zingler haderte zwar mit dem schlingernden Prozedere, begrüßte die Entscheidung jedoch.

BR Volleys halten Absage an die Zuschauer für alternativlos

Neben dem Fußball trifft es im Berliner Sport auch die weiteren Top-Klubs wie die Berlin Recycling Volleys. Der deutsche Volleyball-Meister gab am Mittwoch bekannt, dass das Bundesliga-Topspiel am Sonntag gegen Dauer-Rivale VfB Friedrichshafen (16.30 Uhr, Sport1) aufgrund des Coronavirus unter Ausschluss der Zuschauer stattfindet, immerhin aber im Fernsehen verfolgt werden kann. „Die Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung steht über allem“, sagte Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „es ist bedauerlich, aber unvermeidbar, dass es nun ausgerechnet das Spiel des Jahres trifft.“

Für den Pokalsieger, der in der Bundesliga-Hauptrunde alle Spiele für sich entscheiden konnte, war die Absage an die Zuschauer nach den Entwicklungen der vergangenen Tage alternativlos. „Wenn es um das Gemeinwohl geht, muss sich der Sport hintenan stellen.“ Die Volleys teilten zudem mit, dass die über Ticketmaster erstandenen Karten so schnell wie möglich erstattet werden. Für Dauerkartenbesitzer soll es laut den Volleys „eine Form der Kompensation“ geben.

Ob die Corona-Krise Auswirkungen auf den gesamten Liga-Betrieb wie im Eishockey hat, wo am Dienstagabend die Saison nach Ende der Hauptrunde vorzeitig beendet wurde und sich der EHC Eisbären jetzt schon in der Planung für die neue Saison befindet (siehe Seite 21), ist nicht klar.

Alba und die BBL beraten über Vorgehen

Im Basketball berät die Bundesliga an diesem Donnerstag über die Folgen. Dabei ist von einer kompletten Absage der restlichen Saison, über eine temporäre Aussetzung von Spieltagen bis hin zu Geisterspielen alles denkbar. Pokalsieger Alba Berlin wird alle Heimspiele bis zum Ende der Osterferien unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen.

„Die Behörden haben eine klare Entscheidung getroffen, der wir selbstverständlich nachkommen“, sagte Geschäftsführer Marco Baldi. „Wir werden dementsprechend unsere Euroleague-Heimspiele bis zum Ende der Osterferien ohne Zuschauer austragen. Wie es konkret in der Bundesliga weitergeht, werden wir am Donnerstag mit den anderen BBL-Klubs und der Liga besprechen.“ Einzelkarten für die betroffenen Heimspiele werden den Kunden schnellstmöglich erstattet. Auch auf Dauerkartenkunden will Alba in Kürze persönlich zukommen.

Füchse-Präsident Steffel fordert finanzielle Hilfe

Im Handball wollen die Bundesligavereine Anfang der kommenden Woche Klarheit über das weitere Vorgehen haben. Bei den Füchsen betrifft die Berliner Regelung die Heimspiele gegen Pauc Handball (19. März) und Frisch Auf Göppingen (26. März).

„Wir befinden uns aktuell in keiner einfachen Situation. Da wir aber eine große Füchse-Familie sind, werden wir auch hierfür gemeinsame Lösungen finden“, so Geschäftsführer Bob Hanning. Die Füchse werden dafür kommende Woche konkret auf ihre Partner, Zuschauer und Fans zugehen. Fest steht aber, dass die deutsche Nationalmannschaft das Länderspiel gegen die Niederlande am Freitag in Magdeburg vor leeren Rängen bestreiten muss.

Geisterspiele kommen für die meisten Klubs jenseits des Bundesliga-Fußballs über einen längeren Zeitraum kaum infrage, da sie in ihren Etats maßgeblich von den Zuschauereinnahmen abhängig sind, allein schon in Bezug auf die Spielergehälter. Auch deshalb wünscht sich Füchse-Präsident Frank Steffel von der Regierung finanzielle Unterstützung.

„Ich fordere eine schnelle und unbürokratische Erstattung der entgangenen Zuschauereinnahmen. Ansonsten steht uns ein Sterben von Leuchttürmen des Sports bevor“, sagte Steffel.

Selbst im auf TV-Milliarden gebetteten Fußball scheint ein vorzeitiges Saisonende nicht mehr ausgeschlossen, was allerdings eher einer drohenden Wettbewerbsverzerrung geschuldet ist. Wie geht die Liga etwa damit um, wenn ein Profi mit dem Coronavirus infiziert sein sollte und somit eigentlich seine gesamte Mannschaft unter Quarantäne gestellt werden müsste? Um Fragen wie diese zu erörtern, trifft sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) am Montag in Frankfurt zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung.