Coronavirus

Coronavirus: Zwei Geisterderbys in der Bundesliga

Das Rheinderby am Mittwoch und das Revierderby am Sonnabend werden ohne Fans ausgetragen, weitere Konsequenzen drohen.

Der Borussiapark wird seine Tore am Mittwoch nicht für Zuschauer öffnen.

Der Borussiapark wird seine Tore am Mittwoch nicht für Zuschauer öffnen.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Berlin. Das erste Geisterspiel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga, die komplette Einstellung des Spielbetriebs in Italien, die Ausbreitung des Coronavirus hat immense Folgen für den nationalen und internationalen Sport. Nach der Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern offensiver abzusagen, wächst auch der Druck auf die Deutsche Fußball Liga.

Warum sollen auch Sport-Großveranstaltungen vorerst nicht mehr stattfinden?

Für Minister Spahn ist es das oberste Ziel, die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen. „Denn je langsamer sich das Virus verbreitet, desto besser kann unser Gesundheitssystem damit umgehen“, sagte er. Auch der Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, schloss sich Spahns Empfehlung an und sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Man kann nicht Fußballspiele mit 35.000 Besuchern stattfinden lassen, als wäre nichts geschehen.“

Wie reagiert der Sport auf die Empfehlung des Gesundheitsministers?

Geschäftsführer Christian Seifert von der Deutschen Fußball Liga (DFL) bat darum, einen „angemessenen Weg zu finden zwischen berechtigter Vorsorge und übertriebener Vorsicht“. Daher kommt nun auch das erste Geisterspiel der Liga-Geschichte. Das rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch (18.30 Uhr, Sky) wird ohne Publikum ausgetragen. Diese Entscheidung gab die Stadt Mönchengladbach am Dienstag bekannt.

Das Rheinderby sollte ursprünglich am 9. Februar angepfiffen werden, wurde aber wegen des Sturmtiefs „Sabine“ verschoben. „Wir bedauern es sehr, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist, folgen aber selbstverständlich den Vorgaben des Landes, das sich diese Entscheidung sicher nicht leicht gemacht hat“, sagte Mönchengladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners (CDU).

Es wird erwartet, dass am kommenden Wochenende auch der komplette 26. Spieltag in der Bundesliga ohne Zuschauer stattfinden soll. Wie die Stadt Dortmund am Dienstag mitteilte, wird auch das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 ein Geisterspiel, weil die örtlichen Gesundheitsbehörden Großveranstaltungen nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit erlauben wollen. Schon das Champions-League-Spiel der Dortmunder am Mittwoch (21 Uhr, Sky) bei Paris Saint-Germain findet vor leeren Rängen statt. Auch die Königsklassen-Partie des FC Barcelona gegen den SSC Neapel am nächsten Mittwoch wird ohne Publikum ausgetragen.

Im Handball hat die Epidemie ebenfalls Auswirkungen. Bundesligist SC Magdeburg hat bei der Spielleitung eine Verlegung des Heimspiels gegen den TBV Lemgo vom 22. März auf einen späteren Zeitpunkt beantragt, wie der SCM mitteilte. Die Stadt Magdeburg untersagte wegen der Ausbreitung des Coronavirus am Montagabend bis auf Weiteres alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern. Handball-Bundesligist SC DHfK Leipzig erwartet deshalb eine ligaweite Lösung. Leipzigs Trainer André Haber sprach sich gegen Spiele vor leeren Rängen aus. „Handball ist ein Sport, der von Nähe lebt“, sagte er. Im Zweifel sollte man die Spiele lieber verschieben und mit Zuschauern nachholen.

Welche Maßnahmen haben die Klubs und Dachorganisationen bereits ergriffen?

Die Stars des FC Bayern München sollen auf Empfehlung der medizinischen Abteilung des Klubs wie viele andere deutsche Sportprofis bis auf Weiteres keine Autogramme mehr schreiben und auch nicht für Fotos oder Selfies mit den Fans zur Verfügung stehen. RB Leipzig verhängte Reisestopps für Spieler, Scouts und weitere Mitarbeiter. Uefa, Ligen und Vereine empfahlen den Sportlern, auf den Handschlag vor und nach Spielen zu verzichten. Im Champions-League-Spiel in Paris wird es keine Mixed Zone geben. In manchen Arenen wurden Fans zusätzliche Desinfektionsmittel angeboten.

Wer darf Spiele mit großen Zuschauerzahlen verbieten?

Im Falle einer Gefährdung von Spielern und Zuschauern können nur die lokalen Gesundheitsbehörden eine solche Entscheidung treffen, weil dabei neben Aspekten der Infektionsvorbeugung auch solche des gesamten öffentlichen Lebens zu berücksichtigen sind. Die Dachorganisationen des Sports sind nicht berechtigt, eine Partie abzusagen, weil sie nicht als Veranstalter fungieren. „Wir werden die möglichen Risiken beachten, aber nicht gleich in Panik verfallen und das öffentliche Leben außer Kraft setzen“, sagte Manager Kaweh Niroomand von den Berlin Volleys, der auch Sprecher der Profiklubs der Hauptstadt ist.

Gibt es noch andere Möglichkeiten außer Verschiebungen oder Geisterspiele?

Handball-Bundesligist Eulen Ludwigshafen muss nach Aussage von Trainer Ben Matschke wegen des Coronavirus vor dem ausverkauften Heimspiel gegen den THW Kiel die Personalien aller Zuschauer erfassen. Das Gesundheitsamt habe entsprechende Restriktionen für das Spiel am Donnerstag (19.3.) erlassen. „Bevor die Zuschauer die Halle betreten, müssen wir über jeden Bescheid wissen“, sagte Matschke. Eine solche Maßnahme dürfte für die meisten Vereine nur schwer zu bewältigen sein - und könnte auch Datenschützer auf den Plan rufen.

Wie kurzfristig können Behörden oder Veranstalter eingreifen?

Das kann bis zur Öffnung der Stadion- oder Hallentore wenige Stunden vor dem Anpfiff geschehen, wie die jüngsten Beispiele gezeigt haben. Sowohl das Fußball-Bundesligaspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am 9. Februar als auch die Europa-League-Partie von Eintracht Frankfurt bei RB Salzburg am 28. Februar wurden wegen Sturmwarnungen jeweils am geplanten Spieltag abgesagt.

Was würden Absagen und Verlegungen mit Blick auf die Spielpläne bedeuten?

Es würde ein Terminchaos drohen, denn Ausweichtermine sind in der Schlussphase einer Saison rar. Im Fußball würde es besonders eng werden, wenn Vereine beteiligt wären, die noch im DFB-Pokal und den Europapokal-Wettbewerben mitmischen. Das sind Bayern München in der Champions League und Bayer Leverkusen sowie Eintracht Frankfurt in der Europa League.

Die DFL hat bereits betont, die Saison wie geplant bis Mitte Mai zu Ende bringen zu wollen. Im Eishockey, wo in dieser Woche das Pre-Playoff beginnt, droht hingegen bereits das Ende der Saison. „Es ist nicht auszuschließen, dass am Dienstag-Nachmittag die Saison vorzeitig beendet wird und München dann als Hauptrunden-Erster neuer Deutscher Meister ist“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Gastner von den Nürnberg Ice Tigers der „Bild“.

Wer darf bei Geisterspielen dabei sein?

Zuerst: Auch ein Spiel ohne Zuschauer kann nur von den lokalen Gesundheitsbehörden angeordnet werden. Eine solche Entscheidung würde den gastgebenden Verein praktisch das Heimrecht kosten und diesen zugleich um Einnahmen aus dem Ticketverkauf bringen. Sollte es dazu kommen, würden neben den beteiligten Mannschaften noch Betreuer, Ballkinder, Arena-Personal und Journalisten dabei sein.

Wer entschädigt die Fans?

Solche Forderungen müssten sich an die betroffenen Vereine als Veranstalter der Spiele richten. So hat sich Borussia Dortmund gegen mögliche Spielabsagen mit einer Ausfallversicherung abgesichert - und dürfte damit im Profifußball nicht allein sein.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengefasst. Darüber hinaus berichten wir in einem Newsblog laufend über die aktuellsten Entwicklungen bei der Ausbreitung und Eindämmung des Coronavirus in Berlin. Die überregionalen News zu Covid-19 können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.