Formel E

Maximilian Günther fährt mit Emotion zum Erfolg

Maximilian Günther ist die neue deutsche Hoffnung in der Formel E und greift nicht nur an diesem Wochenende in Mexiko mit BMW an.

Maximilian Günther feierte in Chile den ersten Formel-E-Sieg seiner Karriere.

Maximilian Günther feierte in Chile den ersten Formel-E-Sieg seiner Karriere.

Foto: Handout / Getty Images

Berlin/Mexiko-Stadt. Es ist wohl der Traum jedes Motorsportfans, einmal im Cockpit eines solchen Rennwagens Platz zu nehmen. In der Formel E wird diese Sehnsucht neuerdings zumindest teilweise gestillt. Eine neue Kamera, die an der Innenseite des Helms angebracht ist – das sogenannte „Driver’s Eye“ – ermöglicht es den Zuschauern, das Renngeschehen live aus der Perspektive des Fahrers zu verfolgen. Beim vergangenen Rennen in Santiago de Chile kam die Technologie erstmals zum Einsatz. Als Maximilian Günther die Ziellinie überquerte, gab es aus seinem Cockpit allerdings nicht viel zu sehen.

Vor dem Deutschen fuhr niemand mehr. Und Günther feierte damit in Santiago seinen ersten Erfolg in der Elektrorennserie – als jüngster Sieger aller Zeiten. Auch am Sonnabend beim Rennen in Mexiko-Stadt (23 Uhr, live bei Eurosport und zdfsport.de) zählt der 22-Jährige wieder zu den Favoriten. Der dortige E-Prix zählt zu den Höhepunkten im Formel-E-Kalender und brachte schon im vergangenen Jahr viel Dramatik mit sich.

In der vergangenen Saison ließ ihn sein Auto zu oft im Stich

Damals hatte Lucas di Grassi (Brasilien) dem Deutschen Pascal Wehrlein wenige Meter vor der Ziellinie noch den Sieg entrissen. Günther will es in diesem Jahr besser machen. Auch er kennt das Gefühl, eine vermeintliche Spitzenplatzierung noch zu verlieren. Beim Rennen in Saudi-Arabien war er im Dezember als Zweiter ins Ziel gekommen, dann aber aufgrund eines unerlaubten Überholmanövers während der Safety-Car-Phase nachträglich mit einer Zeitstrafe belegt, durch die er am Ende bis auf Rang elf zurückfiel.

„Das war sehr ärgerlich“, sagt er. Mit dem Sieg in Santiago gab er jedoch direkt die passende Antwort. Durch den Erfolg ist Günther momentan bester Deutscher in der Formel E und hat sich als Gesamt-Vierter in den Kreis der Titelanwärter hineingefahren. Bereits im vergangenen Jahr hatte er als jüngster Fahrer im Feld sein Potenzial aufblitzen lassen, doch allzu oft ließ ihn sein Auto beim meist unterlegenen Dragon-Team im Stich. Seine fahrerischen Qualitäten waren schon vorher unbestritten. Doch erst nach seinem Wechsel zu BMW verfügt er nun auch über den passenden Wagen, um in der Formel E ganz vorn mitzufahren.

Erstmals sind alle vier deutschen Premiumhersteller in der Formel E dabei

„Für mich ist das ein großer Schritt, in das BMW-Werksteam aufzusteigen. Es ist ein viel größeres Team und alles läuft dort sehr professionell“, sagt Günther. Für ihn schließt sich damit ein Kreis, nachdem er bei den Münchnern 2011 seine ersten Schritte im Formelsport unternahm. Später fuhr er dann auch für den Berliner Rennstall Mücke Motorsport. „Emotional macht es für mich schon einen Unterschied, ob ich im Dragon oder im BMW sitze. Es macht mich stolz, dass ich als Bayer BMW vertreten darf“, sagt er.

Günther stammt aus Oberstdorf, wo die meisten zum Wintersport gehen. Zur Vierschanzentournee war er zum Jahreswechsel wieder einmal dort zu Besuch und angesichts der grünen Wiesen froh, dass er sich stattdessen für den nachhaltigen Motorsport entschieden hat. In der Formel E sind in dieser Saison mit BMW, Audi, Mercedes und Porsche erstmals alle vier deutschen Premiumhersteller in einer Serie vertreten.

„Die Formel E ist die bislang größte Herausforderung meiner Karriere“, sagt Günther. In einem Interview bezeichnete er das Fahrerfeld kürzlich sogar als „das stärkste der Welt“. Dank der neuartigen Helmkamera ist der Zuschauer beim Kampf um die Plätze neuerdings mittendrin. Auch wenn Günther sicher nichts dagegen hätte, wenn sie auch in Mexiko aus seiner Perspektive nicht viel zu sehen bekämen.