Eisschnelllauf

Verbands-Krise überschattet die Eisschnelllauf-WM

Claudia Pechstein und Co. reisen als Außenseiter nach Salt Lake City. Im Zentrum steht die Diskussion um Pechsteins Lebensgefährten.

Claudia Pechstein startet bei ihrer 19. Einzelstrecken-WM.

Claudia Pechstein startet bei ihrer 19. Einzelstrecken-WM.

Foto: Sergei Grits / dpa

Berlin. Die Serie schlechter Nachrichten riss für die deutschen Eisschnellläufer nicht ab. Die Probleme in der Verbandsführung sind noch immer nicht gelöst, und nun verzögerte sich nach dem mäßigen Weltcup in Calgary auch noch die Weiterreise nach Salt Lake City. Zunächst um Stunden, dann um einen ganzen Tag.

Ein technischer Defekt hatte den geplanten Abflug von Kanada in die USA, wo am Donnerstag mit der Einzelstrecken-WM der Saisonhöhepunkt beginnt, unmöglich gemacht. Erst nach einer weiteren, unfreiwilligen Nacht in Calgary ging es für die Delegation der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) am Montag weiter.

Patrick Beckert einziger Hoffnungsträger für eine Medaille

Die Beeinträchtigungen für den wichtigen Wettkampf auf dem schnellsten Eis der Welt dürften sich aber in Grenzen gehalten haben. Auch Athleten anderer Nationen waren betroffen, und ohnehin ist die Erwartungshaltung im deutschen Lager gedämpft. Nach einer Weltcup-Saison ohne Podestplatzierungen sind Medaillen unwahrscheinlich.

Die Liste der Hoffnungsträger ist kurz. Die besten Aussichten dürfte Langstreckenspezialist Patrick Beckert (Erfurt) haben, der WM-Vierte des Vorjahres, der sich über 10.000 Meter etwas ausrechnet. Wieder dabei ist natürlich auch Claudia Pechstein.

Die fünfmalige Olympiasiegerin, die eine Woche nach den Titelkämpfen 48 Jahre alt wird, startet zum 19. Mal bei einer Einzelstrecken-WM. Ihr Fokus liegt auf den 5000 Metern. Und womöglich wird die Berlinerin die Bühne nutzen, um Werbung für ihren Lebensgefährten Matthias Große zu betreiben.

Athleten sehen Pechsteins Lebensgefährten kritisch

Der umstrittene Unternehmer will Präsident der kriselnden DESG werden, er wirbt mit neuen Sponsoren und frischem Geld, das der chronisch klamme Verband dringend benötigt. Nach der Saison plant die DESG eine außerordentliche Mitgliederversammlung, dort soll die Entscheidung fallen, wer den Verband in die ungewisse Zukunft führt.

Großes Chancen gelten als gut, auch wenn längst nicht jeder überzeugt ist. Athletensprecher Moritz Geisreiter etwa zweifelt an Großes Eignung. „Ich halte Matthias Große noch immer nicht für einen geeigneten DESG-Präsidenten“, so Geisreiter.

Er sehe wegen der Nähe zu Pechstein die Gefahr eines „Interessenkonflikts“, sollte Große für den ganzen Verband sprechen. Die Causa Große, davon ist auszugehen, wird die DESG und die Eisschnellläufer auch im fernen Salt Lake City beschäftigen.