Handball-EM

Handball: Rückendeckung für Bundestrainer Prokop

Die Verbandsführung spricht dem 41-Jährigen Christian Prokop bei der Handball-EM nach dem Sieg gegen Österreich das Vertrauen aus.

DHB-Trainer Christian Prokop.

DHB-Trainer Christian Prokop.

Wien. Es brodelte in Christian Prokop, das konnte man dem Handball-Bundestrainer ansehen. Seine Mannschaft hatte am Montagabend in der Wiener Stadthalle souverän mit 34:22 gegen EM-Gastgeber Österreich gewonnen, er hatte gejubelt und die Sprechchöre der Zuschauer zur Kenntnis genommen, die lautstark Torhüter Johannes Bitter feierten. Als sich ihm dann Kameras und Mikrofone entgegenstreckten, konnte Prokop seine Wut aber kaum verbergen. „Ich finde es völlig überflüssig, wenn ich das ehrlich sagen darf“, sagte der 41-Jährige und meinte damit die Trainerdebatte, die in den Stunden zuvor aufgekeimt war. „Da ist man schon nachdenklich und unruhig“, sagte er. „Es ist keine schöne Situation.“

Handballer heute gegen Tschechien

Es brodelte auch in Bob Hanning, das konnte man dem Vizepräsidenten des Deutschen Handballbunds (DHB) ansehen. Er hatte am Montagabend erleichtert den Einzug ins Spiel um Platz fünf in Stockholm/Schweden (Samstag, 16 Uhr) zur Kenntnis genommen, der die letzte Gruppenpartie am Mittwoch gegen Tschechien (20.30 Uhr/ZDF) zu einem besseren Testspiel werden lässt. Im Anschluss sagte Hanning dann mit ernstem Blick: „Es gibt kein Problem zwischen Team und Trainer. Ich habe den Trainer nie öffentlich infrage gestellt.“

Ultimatum oder Motivationsrede?

Es war eine verworrene Situation im winterlichen Wien, denn eigentlich war es doch Hanning, der einer Trainerdiskussion neuen Schub verliehen hatte, nachdem er sie eigentlich hatte beenden wollen. Einen Tag vor dem Spiel gegen die Österreicher hatte er folgenden Satz gesprochen: „Montagabend wird sich zeigen: Was macht diese Mannschaft mit ihrem Trainer? Österreich in Österreich ist der beste Gegner, um diese Frage zu überprüfen.“ Es sollte eine Motivation sein, um die EM anständig zu Ende zu bringen und danach selbstbewusst ins Olympia-Qualifikationsturnier ab dem 17. April in Berlin zu gehen. Wer außer Deutschland an diesem Turnier teilnehmen darf, steht noch nicht fest. Die ersten beiden von vier Teams fahren zu den Sommerspielen in Tokio.

Verstanden wurde Hannings Satz allseits als Ultimatum. War das deutsche Team doch mehr schlecht als recht durch die Vorrunde gestolpert, hatte die knappe Niederlage gegen Kroatien in der Hauptrunde jegliche Halbfinal-Träume beendet. Und dann war da noch jene Auszeit im Auftaktspiel gegen die Niederlande, in der Prokop seinen Rechtsaußen Timo Kastening nach dessen Namen gefragt hatte. Viele Eindrücke, die Erinnerungen an die EM 2018 hervorriefen, Prokops erstem und enttäuschenden Turnier als Bundestrainer, nach dessen Ende er lange um seinen Job zittern musste.

Hanning sah sich missverstanden. Er habe den lastenden Druck auf Mannschaft und Trainer gemeint. Was sich gesprochen allerdings anders anhörte. Zumal zeitgleich mehrere Ex-Nationalspieler Kritik an den Auftritten der deutschen Handballer geübt hatten. Am deutlichsten wurde Daniel Stephan, Welthandballer 1998 und langjähriger Regisseur des Nationalteams. „In der Vorrunde und in den letzten 15 Minuten gegen Kroatien brauchten wir einen starken Trainer und starke Führungsspieler, beides hatten wir nicht“, sagte der gebürtige Duisburger. Prokop sei „nicht der Richtige, er hat zu wenig Erfahrung, die drei Bundesliga-Jahre in Leipzig sind nicht genug“, führte der Olympiazweite von 2004 weiter aus. Seit der WM 2019 sei Deutschland „keinen Schritt nach vorne gekommen“.

„Mit Christian in Richtung Olympia“

Es brodelte auch in Abwehrchef Hendrik Pekeler, in Kapitän Uwe Gensheimer und in Torhüter Johannes Bitter, die nach freudigen Worten über den Österreich-Sieg mit ernster Miene betonten, dass es „auf der Trainerposition keine Veränderung braucht“ (Pekeler), „die Mannschaft intakt ist“ (Gensheimer) und jeder „den Handball nicht wirklich verstanden hat, der nach den Spielen hier irgendwas infrage stellt“ (Bitter). Es mag auch in Axel Kromer gebrodelt haben, doch anmerken ließ sich der DHB-Sportvorstand nichts, als er am Dienstag versuchte, die Debatte zu beenden: „Intern gab es nie eine Diskussion darüber, mit welchem Trainer wir künftig die Nationalmannschaft prägen wollen. Wir werden mit Christian in Richtung Olympia gehen.“