Eiskunstlauf

Berliner EM-Hoffnung Fentz startet inspiriert von Elton John

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Philip Häfner
Paul Fenz während seines Kurzprogramms bei der deutschen Meisterschaft.

Paul Fenz während seines Kurzprogramms bei der deutschen Meisterschaft.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Der Berliner Eiskunstläufer Paul Fentz hat sich nach vielen Rückschlägen zurückgekämpft – und den perfekten Song für seine Kür gefunden

Berlin/Graz. Die Inspiration kam im Kino. Im vergangenen Sommer hatte sich Paul Fentz gerade den Film Rocketman angeschaut, die Biografie von Sänger Elton John. Ein Stück des britischen Musikers ging dem Berliner danach nicht mehr aus dem Kopf. Der Eiskunstläufer besorgte sich den Soundtrack, hörte die CD zu Hause rauf und runter und blieb immer wieder bei demselben Lied hängen.

„Ich stehe immer noch aufrecht“ – in dieser Textzeile aus dem Song „I’m Still Standing“ erkannte Fentz eine Parallele zu seinem eigenen Leben. Der 27-Jährige hatte in der Vergangenheit viel Kritik einstecken müssen, nachdem er immer wieder daran gescheitert war, den vierfachen Toeloop sauber aufs Eis zu bringen. Nach Platz 15 bei der EM 2019 und dem vorzeitigen Ausscheiden bei der WM als 28. nach dem Kurzprogramm sahen sich die Skeptiker bestätigt.

Beinahe hätte der Berliner seine Karriere beendet

Fentz flog aus dem Kader der Deutschen Eislauf-Union (DEU) und quittierte am Jahresende zudem seinen Dienst als Sportsoldat bei der Bundeswehr. Es fehlte nicht viel und er hätte die Schlittschuhe gleich ganz an den Nagel gehängt.

„Aufhören wäre sicher der einfachere Weg gewesen, weil ich mich dadurch der ganzen Diskussion entzogen hätte. Aber der einfachste Weg ist nicht immer der beste“, sagt er. So wollte er seine Karriere jedenfalls nicht beenden. „Ich habe noch etwas vor“, meint Fentz.

Im Dezember holte er in Oberstdorf erneut den deutschen Meistertitel, seinen dritten hintereinander. Sein Auftritt dort war sein bester seit Langem. Endlich einmal zeigte Fentz den vierfachen Toeloop. Dazu gleich zwei Mal den dreifachen Axel, einmal sogar in der zweiten Kür-Hälfte, was weitere Extrapunkte einbrachte.

Fortschritte dank Sportpsychologin

Bei den Europameisterschaften in Graz will er in dieser Woche an die gezeigten Leistungen anknüpfen und einen Platz „mindestens unter den ersten Zehn“ erreichen (Kurzprogramm: Mittwoch, 13 Uhr, One). „Mein Ziel ist es, zwei gute, technisch schwierige Programme zu zeigen“, sagt Fentz, der auch für die WM im März bereits so gut wie sicher qualifiziert ist. Doch gerade bei den internationalen Höhepunkten konnte er sein Potenzial zuletzt nur selten abrufen.

„Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass da auch Fehler von meiner Seite dabei waren“, sagt er. Vor allem sei er körperlich oft nicht fit genug gewesen, um zu diesem späten Zeitpunkt der Saison immer noch seine Bestform abrufen zu können.

Wann immer es wichtig wurde, war die Luft bereits raus. „Es ärgert mich, dass wir das in den letzten Jahren übersehen haben. Aber es ist niemals zu spät, um etwas zu ändern“, so Fentz. Er hat sein Training umgestellt und arbeitet intensiv mit einer Sportpsychologin zusammen. „In dieser Saison bin ich körperlich und mental ganz anders vorbereitet“, sagt er.

Trotz Sportförderung fehlt es an Geld

Das hat auch die DEU anerkannt, die Fentz nach seinem Meistertitel wieder in den Perspektivkader aufgenommen hat. Seitdem wird er wieder gefördert und erhält Sporthilfe. Dennoch ist die Fortsetzung seiner Karriere für Paul Fentz auch eine finanzielle Frage.

Zwar zahlt ihm die Bundeswehr nach seinem Ausscheiden aus der Sportfördergruppe noch für die nächsten anderthalb Jahre 70 Prozent des bisherigen Gehalts, doch große Sprünge kann er sich nicht leisten. Für seinen neuen Choreograph fiel die Wahl auch deshalb auf den Ungarn Adam Solya, weil dieser günstiger war als der Kanadier Mark Pillay, mit dem er bislang zusammenarbeitete.

Als Fentz ihm zum ersten Mal den Song von Elton John vorspielte, das er sich ausgesucht hatte, war Solya sofort einverstanden. „Nun, schau mich nur an, ich bin wieder auf dem aufsteigenden Ast“, heißt es darin. Noch so eine Zeile, mit der sich Paul Fentz identifizieren kann.