Handball-EM

Deutsche Handballer zittern sich in die EM-Hauptrunde

Die deutschen Handballer haben bei der EM die Hauptrunde erreicht. Überzeugen konnte die DHB-Auswahl beim 28:27 gegen Lettland erneut nicht.

Hendrik Pekeler (l) und Jannik Kohlbacher bejubeln den Einzug des DHB-Teams in die Hauptrunde.

Hendrik Pekeler (l) und Jannik Kohlbacher bejubeln den Einzug des DHB-Teams in die Hauptrunde.

Foto: AFP

Trondheim. Wie groß muss er ausfallen, der Jubel nach dem Einzug in die Hauptrunde der Handball-EM? So euphorisch, wie die Norweger am Vortag an gleicher Stelle nach dem Erfolg über Frankreich reagiert hatten? Mit Umarmungen und einer Vielzahl verschiedener Jubelgesten? Die deutschen Spieler reagierten nüchtern, sie beließen es nach dem 28:27 (16:11) gegen EM-Neuling Lettland bei gedämpfter Euphorie, sie klatschten sich ab und applaudierten kurz Richtung Publikum. Das war’s.

Deutschland überzeugt nicht, aber steht in der Hauptrunde

Zu Feiern gab es ohnehin nicht viel. Es war ein Pflichtsieg, den sie da gerade im norwegischen Trondheim abhakten. Ein alles anderer als überzeugender, aber trotzdem wichtiger, weil mit ihm die Gewissheit einherging, es in die Hauptrunde geschafft zu haben, in der es ab Donnerstag um Punkte geht. Aber es war eben auch ein Erfolg, der eigentlich hätte Selbstvertrauen geben sollen für die kommenden Aufgaben. „Das lief nicht so, wie wir und das vorgestellt hatten“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer. „Da gibt es nicht viel schön zu reden“, stimmte Paul Drux zu. „Das müssen wir schnell wieder aus dem Kopf bekommen“, meinte Julius Kühn. Patrick Wiencek fasst es passend zusammen: „Das positivste an dem Tag ist, dass wir weiter sind.“

Gegen wen es in der Hauptrunde im österreichischen Wien gehen wird? Zunächst gegen Weißrussland, am Samstag dann gegen Kroatien, die zwei weiteren Gegner stehen am Dienstag fest. Es gab jedoch Fragen, die beantwortet werden konnten: Wie würde das Team von Bundestrainer Christian Prokop die 26:33-Schmach gegen Titelverteidiger Spanien von Samstag verdaut haben? Würde sich die Leistung der deutschen Torhüter Andreas Wolff und Johannes Bitter wieder bessern, würde Linksaußen Uwe Gensheimer sich Selbstvertrauen erarbeiten?

Die Spanien-Pleite war definitiv nicht verarbeitet, nervös begann das deutsche Team. Bitter stand lange im Tor, im Laufe der zweiten Halbzeit kam Wolff. Beide konnten erneut nicht überzeugen. Bitter parierte in der ersten Halbzeit zwar einen wichtigen Siebenmeter, fand aber erneut nicht zur erhofften Topform. Wolff bekam sechs Bälle aufs Tor, sechsmal fischte er die Kugel hinter sich aus dem Netz. „In der zweiten Halbzeit haben wir nicht viel Hilfe von den Torleuten bekommen“, stellte Prokop fest. Und Gensheimer? Der spielte zunächst verhalten, in der 16. Minute verzögerte er einen Gegenstoß und überließ Tobias Reichmann den nachfolgenden Siebenmeter. Erst in der Schlussphase war der 33-Jährige wieder stark.

Immerhin, es gab Lichtblicke: Julius Kühn beispielsweise, der Mann mit dem Dampfhammer-Arm. Immer wieder hämmerte der 26-Jährige die Kugel aus dem linken Rückraum ins Tor, am Ende war er mit acht Toren bester Schütze. Oder Timo Kastening (24), der unbeschwert aufspielender EM-Neuling, der mutig vier Gegenstöße von der rechten Außenseite versenkte. Nach Anlaufschwierigkeiten schien die Partie in der 43. Minute beim 24:17 schließlich entschieden. Doch die Letten, die zuvor jeweils deutlich gegen Spanien und die Niederlande verloren hatten, brachten das deutsche Team noch einmal ins Schwitzen. „Das hatte sich richtig gut angefühlt bis dahin“, berichtete Drux. „Dann kam der Bruch.“

Spiel gegen Lettland bis zum Schluss spannend

Und wie er kam. Deutschland leistete sich etliche leichte Fehler im Angriff, die Deckung stand nicht mehr stabil, was den Vorsprung zehn Minuten vor Schluss beim 25:22 auf drei Tore, in der letzten Minute gar auf ein Tor schmelzen ließ. Als das Weiterkommen nach vielen Sekunden des Zitterns schließlich fest stand, fiel Prokop „ein großer Stein vom Herzen“. Der Bundestrainer versuchte, das Positive zu sehen. „Ich bin zufrieden, dass wir mit der Hauptrunde ein psychologisch so wichtige Ziel erreicht haben“, meinte der 41-Jährige. Seine Hoffnungen für die kommende Turnierphase: „Dass wir Steigerungspotenzial haben. Noch sind wir nicht bereit für Kroatien. Aber nach dem nächsten Spiel sieht das bestimmt anders aus.“

Sicher ist aber, dass die Ausgangslage als Vorrunden-Gruppenzweiter eine Herausforderung wird. Rechtsaußen Tobias Reichmann wusste: „Jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel.“