Nachwuchssportler des Monats

Nur eine Lage ist Mira Jeanne Maack zu langweilig

Mit bald 16 Jahren zählt Mira Jeanne Maack schon zu den besten Para-Schwimmerinnen der Welt. Jetzt ist Tokio ihr Ziel.

Mira Jeanne Maack kam als Zehnjährige zum Berliner Schwimmteam.

Mira Jeanne Maack kam als Zehnjährige zum Berliner Schwimmteam.

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin. Das T-Shirt ist mittlerweile fast vier Jahre alt, aber es passt Mira Jeanne Maack immer noch. Es trägt die Unterschriften aller Mitglieder des deutschen Schwimmteams bei den Paralympics in Rio de Janeiro 2016. Mira hatte das Hemd damals als jüngste Teilnehmerin beim Nachwuchslehrgang der Nationalmannschaft bekommen. In diesem Jahr könnte sie es selbst sein, die auf einem T-Shirt unterschreiben darf. Mit nicht ganz 16 Jahren – ihren Geburtstag feiert sie nächste Woche – zählt die junge Berlinerin schon jetzt zu den Besten der Welt.

Miras großer Traum ist ein Start bei den Paralympics in Tokio. „Sie hat eine große Chance sich zu qualifizieren“, meint ihr Trainer Matthias Ulm vom Berliner Schwimmteam. Für die Europameisterschaften der Erwachsenen im Mai auf Madeira ist sie ohnehin schon gesetzt. „Sie hat ein, zwei Jahre früher den Anschluss an die internationale Klasse geschafft, als gedacht“, sagt Ulm. Denn eigentlich waren erst die Paralympischen Spiele 2024 das Hauptziel gewesen.

Vier deutsche Rekorde bei den deutschen Kurzbahnmeisterschaften

Im vergangenen Jahr belegte die Sportlerin aus Oberschöneweide bei ihrer ersten WM-Teilnahme auf Anhieb Platz sechs über 100 Meter Rücken und Platz sieben über 400 Meter Freistil, ersteres sogar mit deutschem Rekord. „Es war ein unglaubliches Gefühl, als Jüngste im Team ein solches Ergebnis zu erreichen“, sagt sie, „das hat mich sehr stolz gemacht.“ National ist sie in ihrer Altersklasse ohnehin nicht zu schlagen: Bei den deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Remscheid gewann sie gleich fünf Mal Gold, vier Mal davon mit deutschem Rekord. Für diese Leistung wurde sie nun als Berliner Nachwuchssportlerin des Monats Januar ausgezeichnet.

Die Erfolge in verschiedenen Schwimmstilen sind kein Zufall. „Vielseitigkeit ist eines unserer erklärten Ausbildungsziele“, sagt Coach Matthias Ulm. Mira selbst meint: „Nur eine Lage wäre mir doch ein bisschen zu langweilig.“ Mit dem Schwimmen begann sie einst auf ärztlichen Rat. Mit sieben Jahren stellte sie sich dann das erste Mal beim Berliner Schwimmteam vor, doch damals passte es noch nicht. Als Zehnjährige kam sie dann erneut und startete in einer der weltweit erfolgreichsten Mannschaften im paralympischen Schwimmen durch.

Berlins Sportlerin des Jahres ist ihr großes Vorbild

„Sie gibt im Training und im Wettkampf immer Vollgas. So wie es sein muss, wenn man an die Spitze will. Mira bringt von ihrer Einstellung her alles mit. Sie ist die perfekte Leistungssportlerin“, so ihr Trainer. Eine andere Para-Schwimmerin des Teams ist gerade erst zu Berlins Sportlerin des Jahres gewählt worden: Weltmeisterin Elena Krawzow. „Ich finde das klasse, dass unsere Leistungen so gewürdigt werden. Das motiviert mich, dass ich in Zukunft vielleicht ähnliches erreichen kann“, sagt Mira Jeanne Maack.

Beide sind allerdings in unterschiedlichen Trainingsgruppen. Dennoch ist Krawzow ein Vorbild von ihr, noch mehr aber die Amerikanerin Jessica Long, die schon als Zwölfjährige bei Paralympics startete und dort insgesamt 23 Medaillen holte. „An ihr beeindruckt mich vor allem, wie selbstbewusst sie mit ihrer Behinderung umgeht“, sagt Mira. Auch sie spricht offen über ihre Beeinträchtigungen: einen Klumpfuß sowie eine angeborene Hüftgelenksverrenkung, wegen der sie nicht richtig laufen kann. „Es ist mir egal, was die Leute denken“, sagt sie. Im Wasser merkt sie ihre Behinderung ohnehin kaum. „Dort fühle ich mich frei“, sagt Mira.

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und Stimmabgabe unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler