0:3 gegen Frankreich

Deutsche Volleyballer verpassen Olympia-Qualifikation

Der Traum von Tokio ist vorbei. Deutschland verlor am Freitagabend das Finale des Qualifikationsturniers gegen Frankreich 0:3.

Deutschlands György Grozer (M) schmettert den Ball vorbei an Frankreichs Block aus Earvin N·Gapeth (l) und Nicolas Le Goff (r).

Deutschlands György Grozer (M) schmettert den Ball vorbei an Frankreichs Block aus Earvin N·Gapeth (l) und Nicolas Le Goff (r).

Foto: dpa/Andreas Gora

Berlin. Als Vater einer kleinen Tochter steht Christian Fromm eigentlich nicht in dem Verdacht, dass ihm die Zukunft des Planeten egal ist. Auch ihn treibt der Klimawandel um, doch vor dem Finale der Olympiaqualifikation drückte der Außenangreifer der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft ausnahmsweise ein Auge zu. „Kommt alle nach Berlin“, hatte er den Volleyball-Fans der Republik nach dem Erfolg im Halbfinale gegen Bulgarien zugerufen, „egal, ob mit dem Zug oder mit dem Auto.“ Zum Finale sei die CO2-Bilanz ausnahmsweise einmal zweitrangig.

Der Aufruf wirkte. Nach den teilweise mäßigen Zuschauerzahlen in den vergangenen Tagen sorgten 6577 Zuschauer dieses Mal für eine prächtige Kulisse in der Max-Schmeling-Halle. Es war der passende Rahmen für dieses Endspiel um das letzte Olympiaticket. Die richtige Partystimmung wollte sich nach Spielende trotzdem nicht einstellen.

Schrecksekunde für Grozer gleich zu Beginn

Denn die Gastgeber verloren die Partie mit 0:3 (20:25, 20:25, 23:25) und standen somit nach einer insgesamt starken Turnierwoche letztlich doch mit leeren Händen da. Nur der Turniersieger erhielt einen Startplatz in Tokio. Deutschlands Volleyballer dagegen werden die Olympischen Spiele wie vor vier Jahren in Rio de Janeiro nur vor dem Fernseher verfolgen. Auch damals hatte der Heimvorteil in Berlin nicht gereicht, um den großen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Partie hatte gleich mit einer Schrecksekunde für die Gastgeber begonnen. Beim Stand von 1:1 im ersten Satz lag plötzlich Georg Grozer auf dem Boden, Antreiber und Punktegarant der DVV-Auswahl. Diesmal war es jedoch nicht seine Wade, die den deutschen Superstar im bisherigen Turnierverlauf schon einmal geplagt hatte. Vielmehr war Grozer am Netz unglücklich mit Nicolas Le Goff zusammengestoßen, dem französischen Mittelblocker der BR Volleys. Die Halle bangte, doch nach kurzer Behandlung stand Grozer wieder auf.

Der Zwischenfall schien ihn zunächst sogar eher anzustacheln. Der 35-Jährige berappelte sich und war nach mehreren krachenden Angriffsschlägen wieder zurück im Spiel. Die französische Feldabwehr stand allerdings sicher und fischte die meisten deutschen Bälle immer noch irgendwie weg. Es fehlte die letzte Konsequenz im Angriffsspiel und auch die nötige Präzision. Der letzte Ball im ersten Satz war fast schon symptomatisch, als der Berliner Ruben Schott beim Aufschlag anstatt ins Feld nur den Linienrichter traf.

Franzosen im entscheidenden Moment kaltschnäuziger

Frankreich gewann den ersten Satz mit 25:20 und lag auch im zweiten gleich wieder in Führung. Vor dem Spiel hatte Deutschlands Kapitän Lukas Kampa seiner Mannschaft noch mit auf den Weg gegeben, es werde gegen Frankreich darauf ankommen, geduldig zu bleiben. Sich nicht verunsichern, auch wenn die Bälle vier, fünf Mal wieder zurückkommen. Doch gerade in den längeren Ballwechseln waren es zunächst meist die Franzosen, die am Ende kühlen Kopf bewahrten und den Punkt machten.

Zwar keimte nach einem Ass von Lukas Kampa zum 19:22 noch einmal Hoffnung auf, doch auch diesen Satz ging letztlich mit 25:20 an den Gegner. Im Halbfinale gegen Slowenien hatte Frankreich einen 0:2-Rückstand noch drehen können – darauf setzten nun auch die Deutschen. Der bisherige Turnierverlauf hatte gezeigt, dass die Equipe Tricolore durchaus nicht unschlagbar war, die mit nur einem Sieg in der Gruppenphase überhaupt erst die K.o.-Runde erreicht hatte. Tatsächlich führte Deutschland im dritten Abschnitt bereits mit 15:12 und 18:16, doch der Europameister von 2015 ließ sich einfach nicht abschütteln. Bis zum 23:23 war das Spiel ausgeglichen, doch im entscheidenden Moment hatten die Franzosen das bessere Händchen. Earvin Ngapeth verwandelte seinen letzten Aufschlag direkt zum Sieg, da konnte sich Christian Fromm noch so sehr strecken.