Fussball

Das bringt das Fußballjahr 2020

Fußball-Experte Marcel Reif über Flicks Zukunft beim FC Bayern, Klopps Titelchancen mit Liverpool und ein Vorrunden-Aus der DFB-Elf.

Dass Jürgen Klopp (M.) den Champions-League-Triumph mit dem FC Liverpool wiederholen kann, hält Marcel Reif für unwahrscheinlich.

Dass Jürgen Klopp (M.) den Champions-League-Triumph mit dem FC Liverpool wiederholen kann, hält Marcel Reif für unwahrscheinlich.

Foto: David Ramos / Getty Images

München. Was für ein Fußballjahr, was da hinter uns liegt! Jürgen Klopp gewinnt mit dem FC Liverpool 2019 den Henkelpott, Niko Kovac mit Bayern das Double. Der unantastbare Klopp hat seinen Vertrag verlängert, Kovac wurde entlassen. Bundestrainer Joachim Löw hat sich mit einem knallharten Umbruch selbst neu erfunden, sein ehemaliger Assistent Hansi Flick die Bayern wiederbelebt. In München verabschiedete sich Uli Hoeneß, in Berlin tauchte Jürgen Klinsmann wieder auf.

Und 2020? Was kommt? Wer muss gehen? In der Berliner Morgenpost nimmt Sport1-Experte Marcel Reif Stellung zu zehn Thesen – vom Meisterkampf über Oliver Kahns neuen Job bis zur EM 2020.

Flick erreicht mehr als Kovac: „Die Bayern spielen wieder beherzt Fußball und da dürfte es auch mal ein Titel weniger sein. Denn: Flick bringt einige Spieler und damit den Klub weiter, als es Kovac gelungen ist. Damit schafft er eine Ruhe, in der man endlich einmal nicht getrieben wird und Entscheidungen treffen kann, die Sinn machen. Dafür werden ihm die Bosse sehr dankbar sein. So ist völlig offen, ob man dann den nächsten Schritt mit ihm oder mit einem anderen Trainer macht.“

Hoeneß hält die Füße still und lässt Kahn mal machen: „Ich glaube, dass Uli Hoeneß weniger impulsiv ist, als ihn viele sehen, weil er Dinge berechnend und mit Kalkül äußert. Er weiß, dass er Kahn in dessen neuer Rolle als Vorstandsmitglied helfen muss. Nur dann, wenn Hoeneß das Gefühl hat, es läuft in die völlig verkehrte Richtung, wird er Pflöcke einschlagen. Er hat aber weitestgehend verstanden, dass seine Zeit und sein System vorbei sind.“

Unter Projekttrainer Klinsmann rockt Hertha BSC bis nach Europa: „Das wäre ein bisschen viel verlangt, denn so schnell kannst du diesen Kader nicht verändern. In dieser verschnarchten Gemengelage hat er den Wecker klingeln lassen, das macht er prima. Niko Kovac wäre sicher ein geeigneter Kandidat als neuer Trainer, Klinsmann könnte dann eine Art sportlichen Supervisor geben für das große Ganze.“

Der eine Dino (Werder Bremen) steigt ab, der andere (HSV) wieder auf: „Werder ist der gefährdetste Klub dieser Saison. Sie haben nicht das Instrumentarium und den Kader für den Abstiegskampf, aber damit kommen sie nicht klar. Was sie spielerisch eigentlich können, müsste jedoch reichen. Der HSV tut wieder viel dafür, dass es erneut nicht reicht für den Aufstieg. Wieder ist da diese Brüchigkeit, ist es ein wackliges Gebilde.“

Freiburg mit Kulttrainer Streich packt die Europa League: „Nicht ausgeschlossen, sie haben eine reelle Chance. Niemand verlangt das, sie selbst am wenigsten. Sie rufen ihr Ding ab. Mit den Mitteln, die sie haben, holen sie das Optimum raus. Es hängt von den anderen Mannschaften ab, die besser besetzt sind, aber ihr Potenzial nicht abrufen.“

Schalke und Gladbach stürzen ab: „Für mich sind sie allesamt keine Meisterkandidaten, da fehlt die Konstanz in den Leistungen, die Selbstverständlichkeit, zu punkten. Allerdings können beide durchaus die Champions-League-Plätze erreichen.“

„Da kann ich nicht widersprechen. Sie sind der einzige Klub, den ich mit Bayern und Dortmund auf einem Niveau sehe. Leipzig hat eine beängstigende Konstanz. Julian Nagelsmann hat eine gesunde Arroganz, was ich positiv finde. Er absorbiert eine Menge und nimmt seine Jungs mit. Die merken: Mit dem Trainer können wir etwas Irres erreichen.“

Werner schnappt Lewandowski die Torjägerkanone weg: „Da kann er sich noch so viel anstrengen, aber Lewandowski ist zu gut. Weil das Spiel der Bayern noch mehr auf ihren Mittelstürmer zugeschnitten ist.“

Liverpool wird englischer Meister, verteidigt den Champions-League-Titel und Klopp wird von der Queen zum Ritter geschlagen: „Letzteres kann er gar nicht mehr verhindern. Es sei denn, ihm reicht es, dass er über den Fluss Mersey laufen kann. Im Ernst: Auch der Wille und die Ressourcen sind – permanent getrieben von Klopp – endlich. Beide Titel wären eine Sensation und übermenschlich. Die Liga können sie kaum noch vergeigen, in der Königsklasse ist die Konkurrenz zu groß.“

Löw und das DFB-Team scheitern wieder in der Vorrunde: „Nicht unmöglich angesichts der Gegner Frankreich und Portugal. Aber ich bin optimistisch, dass sie ganz weit kommen. Sie treten nicht als Favorit an, alle Vorrunden-Spiele in München zu haben, ist jedoch mehr Druck als Bonus. Für mich ist es relativ offen, wer Europameister wird. Stand jetzt tippe ich auf England, Frankreich oder Spanien.“