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Tennis-Schönheit Eugenie Bouchard: Absturz nach Höhenflug

Tennis-Schönheit Eugenie Bouchard schien nach dem Erfolg von Auckland auf dem Weg zum Comeback. Doch ihr Aus in Melbourne ist fatal.

Verzweifelt: Eugenie Bouchard verlor ihr drittes Qualifikationsmatch in Melbourne gegen die Italienerin Martina Trevisan.

Verzweifelt: Eugenie Bouchard verlor ihr drittes Qualifikationsmatch in Melbourne gegen die Italienerin Martina Trevisan.

Foto: WILLIAM WEST / AFP

Berlin. Eugenie Bouchard hat bei den Australian Open in Melbourne einen heftigen Rückschlag erlebt. In der dritten Runde der Qualifikation zum ersten Grand Slam Turnier des Jahres unterlag die kanadische Schönheit der weitgehend unbekannten Italienerin Martina Trevisan deutlich mit 4:6 und 3:6.

Gegen die Weltranglisten-154. leistete sich die 25-Jährige gleich 29 Unforced Errors (gegen 13 bei Trevisan). Außerdem konnte sie ihre sonstige Aufschlagstärke nicht ausspielen. So gewann sie lediglich 55 Prozent ihrer Punkte nach erstem Aufschlag, während die Italienerin hier auf gute 76 Prozent kam.

Damit verpasst Bouchard den Einzug ins Hauptfeld der Australian Open. Mit fatalen Folgen. Denn sie wird die 70 Punkte, die sie in Melbourne im letzten Jahr mit dem Einzug in die zweite Runde holte, verlieren - und damit in der Weltrangliste in zwei Wochen nach Ende der Australian Open jenseits der 270er-Marke fallen. So schlecht war sie seit 2012 nicht mehr platziert. In der aktuellen Rangliste ist sie zunächst einmal nur um einen Platz auf Rang 212 zurückgefallen.

Als Bouchard „Stiche in der Brust“ spürte

Dabei hatte die vergangene Woche in Melbourne so gut begonnen. Nach dem Regen war die Sonne gekommen. Das galt für die Stadt, wo der sehnsüchtig erwartete Regen am Mittwoch die durch die Buschbrände verpestete Luft wieder verbesserte. Und das gilt auch für Eugenie Bouchard.

Die kanadische Schönheit hatte die erste Runde der Qualifikation zu den Australian Open (ab 20. Januar) nur mit schweren gesundheitlichen Problemen überstanden.

Beim in jedem Sinne hart erkämpften 4:6, 7:6, 6:1-Sieg gegen die international unbekannte Chinesin You Xiaodi musste sie wegen Atemproblemen mehrere Pausen einlegen. Sie berichtete, dass sie „Stiche in der Lunge“ gespürt habe. Grund: Die grausame Luft in Melbourne.

Melbourne hatte weltweit schlechteste Luft

Über Nacht sei die Luft in Melbourne weltweit am schlechtesten geworden, hatte der zuständige Gesundheitsbehörden-Chef Brett Sutton am Dienstag gesagt. „Das ist eine neue Erfahrung für uns alle“, sagte Turnierdirektor Craig Tiley. Es sah schlimm aus in Melbourne.

Für die Stadt – und für das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres. Doch wie sagte Eugenie Bouchard nach ihrem Match, bei dem selbst ihre chinesische Gegnerin offenbar ebenso beeinträchtigt teilweise von unten (!) aufschlug: „The show must go on!“

Bouchard Youtube

Und genauso war es: Bei strahlendem Sonnenschein besiegte Eugenie Bouchard am Donnerstag in der zweiten Runde der Qualifikation die Australierin Maddison Inglis deutlich mit 6:3 und 6:1. Nun hätte sie nur noch die Italienerin Martina Trevisan besiegen müssen. Dann hätte die 25-Jährige im Hauptfeld der Australian Open gestanden. Wie im vergangenen Jahr. Damals scheiterte sie in der zweiten Runde an Serena Williams. Doch so weit kam es dann doch nicht.

Obwohl sich die Qualen der Qualifikation bislang gelohnt hatten. „Ich hatte das Gefühl, dass sich die Bedingungen während des Matches verschlechtert haben“, sagte Bouchard zu ihrem ersten Match. Aber die schöne Kanadierin hielt durch und zeigte im Folgematch gegen die 60 Weltranglistenplätze hinter ihr platzierte Australierin eine souveräne Leistung.

Erste Siege nach Horrorjahr

Das war bezeichnend für ihren guten Jahresbeginn. Denn nach ihrem starken Auftritt in Auckland war sie nun bereit für die Australian Open (ab 20 Januar). In Neuseeland erreichte die schöne Kanadierin, die nur per Wildcard ins Turnier gekommen war, wie im Vorjahr das Viertelfinale, wo sie am amerikanischen Teenager Amanda Anisimova erst nach hartem Kampf 2:6, 6:3 und 4:6 scheiterte.

Nach ihrem Horrorjahr 2019, wo sie zwischen Februar und November gleich 13 (!) Niederlagen am Stück erlitt, ist das Ergebnis von Auckland ihr bestes Ergebnis seit einem Jahr. Und die eigentliche Überraschung des Turniers – trotz des ebenso bemerkenswerten Finalsieges der Tennis-Legende Serena Williams.

„Ich hatte keinerlei Erwartungen“, sagte Bouchard vor dem Turnier. „Und ich will weiterhin keine Erwartungen an meine Ergebnisse haben. Ich habe nur Erwartungen an mich, meine Aktivitäten und wie ich sie auf dem Platz umsetze“, sagte die vor dem Turnier noch auf Platz 262 gerutschte 25-Jährige. Immerhin: Nach Auckland war sie um stolze 51 Plätze auf Rang 211 geklettert.

Es gibt also wieder allerhand gute sportliche Nachrichten von der Kanadierin zu berichten. Nachdem sie ihre zwei Millionen Instagram-Abonnenten zuletzt mit Bildern von einem diabolisch grinsenden Gummi-Weihnachtsmann, beim Shopping von Fernsehern, beim Verspeisen von Fastfood und den üblichen Fitness-Übungen unterhalten hat, macht sie zu Jahresbeginn endlich auch auf dem Platz von sich reden.

Zuletzt hatte sie das im vergangenen Januar gemacht. Mit dem Erreichen des Viertelfinals in Newport Beach – und eben in Auckland, wo sie ebenfalls erst im Viertelfinale an der späteren deutschen Turniersiegerin Julia Görges scheiterte. Immerhin gewann sie dort an der Seite der Amerikanerin Sofia Kenin den Doppel-Wettbewerb – in dem sie übrigens dieses Jahr nicht angetreten ist.

Bouchard ist „die Kirsche auf der Torte“

Das alles hatte Turnierdirektor Karl Budge nicht vergessen: „Wir sind wirklich glücklich, dass Genie zurück nach Auckland kommt. Wir haben uns gefreut, dass sie in diesem Jahr bei uns war. Ich denke, man hat an ihrer Leistung gesehen, dass sie ebenso froh war“, ließ er auf der Homepage des Turniers unter der vollmundigen Überschrift „Kanadischer Superstar kehrt zurück“ verlauten.

Nun ja, den Status des kanadischen Superstars hat Bouchard allerdings längst an den 19-jährigen Jungstar Bianca Andreescu abgegeben, die im September völlig überraschend die US Open gewann. Die Weltranglistenfünfte war für Auckland an Eins gesetzt, musste aber kurzfristig ihre Teilnahme wegen Kniebeschwerden absagen.

Als Bouchard einen Twitter-Fan datete

Beste Gelegenheit also für Bouchard, sich in Auckland den Status des kanadischen Superstars auch auf dem Platz zurückzuerobern. Was ihr nun ohne Zweifel gelungen ist.

In den sozialen Medien ist sie das schon länger unbestritten. Aufsehen erregte sie dabei besonders 2017, als sie gleich dreimal einen Fan datete, gegen den sie auf Twitter eine Wette zum Superbowl-Finale verloren hatte.

Spekulationen über die ungewöhnliche Romanze einer Frau, die sonst in zahlreichen Posts mit der Einsamkeit einer Turnier-Spielerin zwischen Tennisplatz, Fitnessraum und Hotelzimmer spielt, schossen ins Kraut. Wahr war am Ende daran wohl nur, dass „Genie“ es stets schafft, im Gespräch zu bleiben.

Nach Melbourne-Aus alles offen

Melbourne wäre dafür eine gute Gelegenheit gewesen. An die Australian Open hatte sie gute Erinnerungen. 2014 erreichte die damals 19-Jährige dort völlig überraschend das Halbfinale, später krönte sie ihr bestes Jahr mit dem Einzug ins Finale von Wimbledon, gewann ihr bislang einziges WTA-Turnier in Nürnberg und erreichte mit Rang fünf ihre bislang beste Weltranglistenplatzierung.

Lange her. Nun steht sie nach dem Aus von Melbourne wieder am Nullpunkt. Was nun? Als Instagram Story postete Bouchard ein Graffito, das den „Stars“-Wars“-Weisen Yoda an einer Hauswand zeigte: „Ich habe Appetit auf Chicken Nuggets“ steht da geschrieben. Es scheint, als kehre „Genie“ zunächst wieder zu ihren so beliebten Food Posts zurück. Mal sehen, wann es wieder sportliche News von der Schönen gibt!