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Einradhockey - Rasant auf nur einem Rad

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Philip Häfner
Die Einradhockeyspieler Antonia Schwarze und Philipp Gross.

Die Einradhockeyspieler Antonia Schwarze und Philipp Gross.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Der Lichtenberger Philipp Gross gehört zu den besten deutschen Spielern im Einradhockey. Die Sportart ist so rasant wie Eishockey.

Berlin. Mittlerweile hat Philipp Gross beste Kontakte in die Berliner Tennisszene, dabei spielt der 20-Jährige gar nicht selbst. Einen Tennisverein besucht er nur, wenn er wieder einmal eine Ladung ausrangierter Tennisbälle abholt, mit denen er dann seiner wahren Leidenschaft nachgeht: dem Einradhockey. Diese Sportart ähnelt dem Eishockey, bloß dass die Spieler dabei als zusätzliche Schwierigkeit auf dem Einrad sitzen. Gespielt wird auch nicht mit einem Puck, sondern mit plattgespielten Tennisbällen, die deshalb nicht mehr so hoch springen.

Einradhockey ist so rasant wie Eishockey

Das ist allerdings auch die einzige Sache, bei der es beim Einradhockey bewusst mit halber Kraft zugeht. Ansonsten ist das Spiel ähnlich rasant wie die Eisvariante. „Die Topteams sind vielleicht sogar schneller als beim Eishockey“, meint Philipp Gross. Der Lichtenberger spielt für das Team Berlin, eine Kooperation der Freizeitsportgemeinschaft SC Lilienthal sowie des Einrad- und Jongliervereins Circulum. Auch die Berliner gehören seit dieser Saison zum Kreis der besten Mannschaften, in der man sich erstmals für die Finalrunde um die deutsche Meisterschaft qualifizierte. Als Vierter verpasste das Hauptstadtteam dort nur knapp eine Medaille.

Mit Zirkus hat Einradhockey nichts zu tun

Mit Zirkus habe das Ganze nicht zu tun, sagt Gross – trotz der Partnerschaft mit Circulum und dem Fakt, dass sich die erste überlieferte Aufführung dieser Sportart 1925 tatsächlich im Wintergarten-Varieté abspielte. „Das Einrad ist nur das Fortbewegungsmittel. Im Grunde spielen wir Hockey“, sagt er. Körperkontakt ist zwar laut Regelwerk offiziell verboten, doch je schneller das Spiel abläuft, desto weniger lässt er sich vermeiden. „Wenn man so schnell unterwegs ist, kann es schon einmal passieren, dass man sich gegenseitig rammt“, sagt Teamkollegin Antonia Schwarze (20). Noch häufiger sind Schläger, die zwischen die Speichen geraten und unweigerlich zum Absturz führen.

Verletzungen sind dennoch selten: „Der Vorteil beim Einrad ist, dass es keinen Lenker hat, der beim Sturz ansonsten im Weg wäre“, so Schwarze. Jede Mannschaft tritt mit vier Feldspielern und einem Torwart an, der den Ball aber ebenfalls nur mit dem Schläger spielen darf. Die Spielzeit kann variieren, meist beträgt sie jedoch zweimal zwölf Minuten.

Männer und Frauen spielen gemeinsam in einem Team

Zu den weiteren Besonderheiten zählt, dass Männer und Frauen jeden Alters gemeinsam spielen. Antonia Schwarze ist seit acht Jahren dabei, Philipp Gross seit sechs Jahren. „Es macht Spaß, etwas Außergewöhnliches zu tun“, sagt er. Dabei ist die Szene in Deutschland größer, als man zunächst vermuten würde. Knapp 90 Vereine sind mittlerweile im Spielbetrieb gemeldet, die Hochburgen liegen im Ruhrgebiet sowie im Rhein-Main-Gebiet.

Der Schläger wird gern als Stütze benutzt

Von dort stammt auch Philipp Gross. Zunächst lernte er, sicher Einrad zu fahren, erst danach nahm er den Schläger dazu. „Beim ersten Schussversuch fällt man meist direkt wieder herunter, weil man erst einmal üben muss, den Schwung beim Schießen auszubalancieren“, sagt er. Wer vom Rad fällt, darf solange nicht mehr aktiv am Spiel teilnehmen, bis er wieder draufsitzt; wird das Spiel dabei behindert, gibt es einen Freistoß. Um das zu verhindern, benutzen nicht nur Anfänger den Schläger gern auch als Stütze. „Das macht eigentlich jeder, auch weil es hilft, sich noch schneller bewegen zu können“, sagt Gross. „Wer behauptet, dass er sich nicht abstützt, der lügt.“