Entscheidung

Russland für vier Jahre von Olympia und WM ausgeschlossen

Demnach dürfen russische Sportler nur als neutrale Athleten ohne Nationalflagge teilnehmen.

Russlands Sportlern droht der Ausschluss von Olympia.

Russlands Sportlern droht der Ausschluss von Olympia.

Foto: Maxim Shemetov / Reuters

Vierjahressperre und doppeltes Olympia-Aus: Russland ist für seine anhaltenden Betrügereien im Dopingskandal historisch hart bestraft worden. Das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) schloss erstmals ein Land wegen Dopingvergehen für vier Jahre weitestgehend vom internationalen Sport aus. Damit darf Russland als Nation unter anderem nicht an den beiden kommenden Olympischen Spielen in Tokio 2020 und Peking 2022 sowie der Fußball-WM 2022 in Katar teilnehmen.

„Das russische Doping hat dem sauberen Sport viel zu lange geschadet. Russland wurde jede Gelegenheit gegeben, reinen Tisch zu machen. Aber stattdessen hat es sich entschieden, weiter zu täuschen und zu leugnen“, sagte WADA-Präsident Craig Reedie: „Daher hat das Exekutivkomitee in der strengstmöglichen Art und Weise reagiert. Gleichzeitig wahrt es allerdings auch die Rechte der russischen Athleten, die beweisen können, dass sie nicht von diesen betrügerischen Handlungen profitiert haben.“ Russische Sportler dürfen als „neutrale Athleten“ an diesen Events teilnehmen, wenn sie zuvor nachgewiesen haben, dass sie nicht Teil des Dopingsystems waren.

Massive Manipulationen an Daten aus Moskauer Kontrolllabor

Grund für die einstimmig abgesegneten Sanktionen sind massive Manipulationen an Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor. Damit sollten laut WADA das Ausmaß des Dopingskandals vertuscht und individuelle Strafen gegen Sportler verhindert werden. Die Ermittler gehen von mindestens 145 russischen Sportlern aus, die so geschützt wurden.

Russland hat nun 21 Tage Zeit, gegen das Urteil vorzugehen. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass das Land die Sanktionen nicht auf sich sitzen lassen wird. Letztlich wird wohl der Internationale Sportgerichtshof CAS die endgültige Entscheidung treffen.

Russische Ant-Doping-Agentur ausgeschlossen

Wann dies passiert, ist unklar - es droht wie schon vor Rio eine Hängepartie, die bis kurz vor der Eröffnungsfeier der Spiele in Tokio andauern könnte. Die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA wird zudem wie schon von 2015 bis 2018 aus der WADA ausgeschlossen. Russland darf in den vier Jahren auch keine Weltmeisterschaften ausrichten oder sich um solche bewerben. Seinen Regierungsvertretern und Sportfunktionären ist der Besuch dieser Veranstaltungen untersagt.

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Bereits vor den Winterspielen in Pyeongchang 2018 hatte es eine ähnliche Konstellation gegeben. Letztlich starteten 168 Sportler als „Olympic Athletes from Russia“, wenige Tage nach den Spielen wurde das russische Olympia-Komitee ROC wieder aufgenommen, obwohl es während der Spiele zwei russische Dopingfälle gab.

Welche konkreten Auswirkungen die am Montag gefällten Sanktionen nun haben, ist noch weitgehend unklar. Sicher ist nur, dass die betroffenen Verbände wenig Handlungsspielraum haben, die Strafen nicht umzusetzen. Die WADA teilte allerdings bereits mit, dass die Fußball-EM 2020 nicht betroffen ist, da es sich um ein „kontinentales Einzelsportereignis“ handele.

Kritik an zu weichen Maßnahmen

Laut eines Berichts der englischen Tageszeitung The Telegraph darf Russland die Qualifikationsspiele zur Fußball-WM 2022 ganz normal als Russland austragen. Nur wenn die Sbornaja sich für die WM-Endrunde in drei Jahren qualifiziert, würden die Sanktionen greifen.

Auch wegen der vielen Ausnahmen gab es schon im Vorfeld der Entscheidung Kritik, die Maßnahmen seien zu weich. Angeführt wurde die Bewegung von der US-Anti-Doping-Agentur USADA mit Armstrong-Jäger Travis Tygart und ausgerechnet der Athletenkommission der WADA. Beide Organisationen sprachen sich für einen Komplett-Ausschluss Russlands aus. Dabei ist fraglich, wie nach der Manipulation überhaupt noch festgestellt werden soll, welcher russische Athlet sauber und welcher belastet ist. Ein Ende des Skandals ist auch nach diesem Montag nicht in Sicht.