Basketball

Die Euroleague will Alba Berlin gar nicht mehr loslassen

Alba Berlin schlägt sich gut in der Basketball-Euroleague. Geht es nach der Liga und Alba, soll der Klub bald dauerhaft dort spielen.

Jordi Bertomeu ist stärkster Fürsprecher für eine dauerhafte Teilnahme Alba Berlins an der Basketball-Euroleague, deren Präsident der Spanier ist.

Jordi Bertomeu ist stärkster Fürsprecher für eine dauerhafte Teilnahme Alba Berlins an der Basketball-Euroleague, deren Präsident der Spanier ist.

Foto: Maksim Blinov / picture alliance / Maksim Blinov/Sputnik/dpa

Berlin. Wenn Jordi Bertomeu in die deutsche Hauptstadt kommt, gibt es für Alba Berlin oft etwas zu feiern. So war es im vergangenen April, als der Präsident der Basketball-Euroleague Augenzeuge des mitreißenden 95:92 im zweiten Eurocup-Finale gegen Valencia wurde, gemeinsam mit 14.500 austickenden Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena. So war es auch am Donnerstag beim 69:62 in der Euroleague gegen Litauens Meister Zalgiris Kaunas. Doch mehr noch als dieser schwer erkämpfte Sieg erfreute die Berliner Verantwortlichen die Aussage des Spaniers zu einer möglichen Dauerpräsenz in der Basketball-Königsklasse des Kontinents: „Alba ist einer unserer Top-Kandidaten.“

Bertomeu ist ein Fan von Alba Berlin

Nun ist das insofern nicht neu, als sich Bertomeu schon häufig als Berlin-Fan geoutet hat. Diesmal wurden seine Worte jedoch unterfüttert durch frische Eindrücke, den vorangegangenen Besuch an der Basis. In der vereinseigenen Sporthalle in der Knaackstraße schaute der Funktionär samt seiner Entourage dem Unterricht mit Kindern einer Schwerpunktschule zu, mit einem Lehrer, einer vom Klub bezahlten Trainerin und 40 herumwuselnden Kids. „Es war eine gute Gelegenheit“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, „dass sie das, was sie schon von uns wussten, mal in der Praxis zu sehen bekommen.“ Ein kurzer, aber doch tief gehender Eindruck davon, wie Alba Woche für Woche mit 10.000 Kindern Basketball spielt.

„Wir erkennen unsere Euroleague-Werte in den Werten der deutschen Teams“, sagte Bertomeu. Er schwärmt auch vom finanzkräftigen Bayern München und von Köln, das Ende Mai 2020 mit der 18.000 Zuschauerplätze bietenden Lanxess Arena Veranstaltungsort des Final Four der Euroleague ist. „In nur elf Tagen waren alle Tickets verkauft, 22 Prozent davon an deutsche Zuschauer – das begeistert uns sehr.“ Die Strukturen in Deutschland, Organisation, Infrastruktur, alles scheint perfekt für die Euroleague. Bei Alba kommt hinzu, dass Bertomeu sehen kann, wie man auch ohne riesiges Budget das Produkt Basketball entwickeln kann, mit neuen Konzepten und Ideen. Ohne Subventionen zu erhalten oder einen starken Fußballklub im Rücken zu haben. Aus eigener Kraft, aus eigenem Antrieb.

Alba Berlin will spielen, „wo das höchste Niveau ist“

In Berlin hoffen sie mehr denn je, fester Bestandteil der Euroleague zu werden. Die Vorzeichen stehen günstig. Bisher haben elf der 18 daran teilnehmenden Klubs eine A-Lizenz, was gleichzusetzen ist mit einem Dauerspielrecht. 16 sollen es innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre werden. Bayern München und ASVEL Villeurbanne bekommen in Bälde die Plätze zwölf und 13, das ist bereits beschlossen. Damit die Euroleague eine gewisse Durchlässigkeit behält, steigen die Finalisten des (zweitklassigen) Eurocups in die höchste Liga auf. So bleiben drei freie Lizenzen, um eine davon bewirbt sich Alba. „Wir wollen da spielen, wo das höchste Niveau ist“, sagt Baldi.

Und Bertomeu will, dass der für Sponsoring und TV-Verträge lukrative deutsche Markt mit zwei Teams vertreten bleibt – wie es jetzt gerade ist. Es gibt zwar Konkurrenz aus Russland, dem ehemaligen Jugoslawien (Ljubljana, Belgrad, Podgorica), wo Basketball traditionell stark ist, aus Frankreich, sogar Großbritannien, wo es noch nie ein Topteam gegeben hat. Der Euroleague-Boss stellt allerdings klar: „Wir wollen Alba in unserer Gruppe haben. Ich bin zuversichtlich, dass wir für die Zukunft gute Nachrichten haben werden.“ Nicht nach dieser Saison, vermutlich auch nicht im Jahr darauf, aber früher oder später. „Wir arbeiten daran“, sagte Bertomeu.

Dauerspielrecht bedeutet auch Planungssicherheit

Was das für Alba neben der sportlichen Aufwertung bedeuten würde? „Es geht um Planungssicherheit“, sagt Baldi. Sein Klub hänge nun mal von den eigenen Aktivitäten am Markt ab. Wenn man Werbepartnern dort das Premiumprodukt Euroleague anbieten könne, „wäre das eine sehr, sehr große Hilfe“. Übrigens auch bei der Rekrutierung von neuen Spielern. Oder bei dem Versuch, die eigenen Talente an sich zu binden.

So weit ist es nach dem Besuch von Jordi Bertomeu noch nicht, noch gibt es keinen Grund zum Feiern. Aber er kommt ja wieder. Und vielleicht wäre es nicht schlecht, dafür schon mal ein paar Flaschen Sekt kaltzustellen.

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