Eisschnelllauf

Pechstein legt im Streit gegen Eisschnelllauf-Verband nach

Claudia Pechstein schießt öffentlich gegen Bundestrainer Erik Bouwman. Verband und Athletensprecher rufen zum Dialog auf.

Claudia Pechstein erzielte zum Weltcup-Auftakt in Minsk über 3000 Meter mit Platz neun das beste deutsche Einzelergebnis.

Claudia Pechstein erzielte zum Weltcup-Auftakt in Minsk über 3000 Meter mit Platz neun das beste deutsche Einzelergebnis.

Foto: Sergei Grits / dpa

Berlin. Claudia Pechstein wählte den Weg der Konfrontation. Schon vor dem zweiten Weltcup der Eisschnellläufer in Tomaszow Mazowiecki (Polen) hatte die fünfmalige Olympiasiegerin zum erneuten Angriff auf das sportliche Führungspersonal der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) ausgeholt. Am Rande der Wettkämpfe nutzte sie die Bühne für weitere Kritik. Der kriselnde Verband kommt nicht zur Ruhe.

„Da ist eine Entschuldigung fällig“, sagte Pechstein in Richtung des niederländischen Bundestrainers Erik Bouwman. Dieser mache seinen Job nicht, „wenn er die Aussage trifft, dass er keinen Bock auf mich hat. Wenn Erik Bouwman keinen Bock auf mich hat, habe ich auch keinen Bock auf ihn. Am Ende müssen wir alle an einem Strang ziehen.“

Pechstein facht Streit mit neuen Aussagen an

Dazu hatte zuletzt bereits eine Gruppe um Athletensprecher Moritz Geisreiter „aus Sorge um das Fortbestehen“ der DESG aufgerufen. Die Initiative zielt unter anderem darauf ab, die öffentliche Wahrnehmung der Sportart wieder positiver zu gestalten und die Situation des Verbands einer transparenten Analyse zu unterziehen. Wichtig dabei sei: Sensible Themen sollten intern besprochen werden, öffentliche persönliche Angriffe „unbedingt der Vergangenheit angehören“. Auch „berechtigt bestehende persönliche Befindlichkeiten und Verletzungen aus der Vergangenheit“ müssten zurückgestellt werden.

Pechstein, die nach dem Zerwürfnis mit Bouwman in Polen trainiert, lobte das Gremium „DESG - gemeinsam retten“, die Initiative sei „ein erster Erfolg, zum Erhalt unseres schwer angeschlagenen Verbandes.“ Selbstverständlich stehe das Team Pechstein für einen Dialog zur Verfügung. Allen Appellen der Reformer kam Pechstein mit ihrem neuerlichen Vorstoß dabei aber nicht nach.

DOSB-Präsident Hörmann fordert schonungslose Analyse

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) betrachtet die Entwicklung im einst ruhmreichen Verband derweil mit großer Sorge. „Es müssen jegliche Egoismen in den Hintergrund stellen. Es muss Bereitschaft da sein, jeden Stein einmal umzudrehen. Nur bei einer schonungslosen Analyse wird es gelingen, Schritt für Schritt in eine bessere Zukunft zu kommen“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Fakt ist: Die sportliche Talfahrt des DESG hat sich zum Saisonstart eher beschleunigt. Beim Weltcup-Auftakt in Minsk hatte Pechstein als Neunte im Massenstart für das beste Einzelergebnis gesorgt, in Polen wurde sie erneut als beste Deutsche des Wochenendes Sechste. Andere Hoffnungsträger wie Sprinter Nico Ihle oder Langstreckenspezialist Patrick Beckert rufen ihr Potenzial noch nicht ab. Podestplätze sind derzeit außer Reichweite.

Pechstein-Lebensgefährte Große will DESG reformieren

DESG-Sportdirektor Matthias Kulik, der neben Bouwman im Zentrum von Pechsteins Kritik steht, reichte der Berlinerin die Hand. „Ich möchte Claudia zu ihrem Erfolg hier gratulieren. Sie gehört bei uns zu den Leistungsträgerinnen“, sagt er mit Blick auf Pechsteins 3000-Meter-Rennen. Er habe Verständnis, dass sie sich „persönlich angegriffen“ gefühlt habe: „Wir müssen schauen, dass wir das Thema in einem persönlichen Gespräch, das wir Claudia anbieten, vom Tisch kriegen. Das ist mir wichtig.“

Mit an Bord im polnischen Team war am Wochenende auch Pechsteins Lebensgefährte Matthias Große, den Pechstein als neuen Verbandspräsidenten ins Spiel gebracht hatte. Große, der nach kritischen Äußerungen aus dem Betreuerstab der Nationalmannschaft gestrichen worden war, erklärte dazu: „Wir brauchen keinen Sozialromantiker, sondern jemanden, der reformiert. Wenn man mit mir sprechen will, bin ich bereit. Und wenn man nicht will, bin ich eben nicht bereit.“