Goldene Sportpyramide

Franziska van Almsick für ihr Lebenswerk geehrt

Franziska van Almsick, der erste gesamtdeutsche Sportstar nach der Wiedervereinigung, wird mit der Goldenen Sportpyramide ausgezeichnet.

Franziska van Almsick freut sich in Berlin über die Goldene Sportpyramide.

Franziska van Almsick freut sich in Berlin über die Goldene Sportpyramide.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Dem Olympia-Gold jagte Franziska van Almsick im Becken vergeblich und teils tragisch hinterher. Doch das Stück Gold, das sie am Donnerstag so stolz in ihren Händen hielt, machte diese Enttäuschung ein klein wenig wett. „Das rundet meine sportliche Karriere ab, die nie so wirklich rund zu sein schien“, sagte die zweimalige Schwimm-Weltmeisterin bei ihrer Auszeichnung mit der Goldenen Sportpyramide in Berlin: „Erst heute, mit 41 Jahren, ist mir bewusst, was ich alles erreicht habe.“

Van Almsick mit Goldener Sportpyramide geehrt

30 Jahre nach dem Mauerfall wurde van Almsick für ihr Lebenswerk als „erster gesamtdeutscher Sportstar“ geehrt. Sie sei ein „Fixstern des deutschen Schwimmens“ und „eines der größten Idole des deutschen Sports“, schwärmte Bundesinnenminister Horst Seehofer in seiner Laudatio.

Innenminister Seehofer schwärmt in Laudatio über van Almsick

Worte wie diese „gehen heute mehr wie Öl runter als noch vor 20 Jahren“, sagte van Almsick. Sie würde „alles nochmal so machen“ in ihrer Karriere, die so schillernd und aufregend gewesen war. „Ich hatte viele Höhen, musste aber auch durch viele Tiefen gehen.“

Als 14-Jährige begeisterte van Almsick bei Olympia 1992

Als 14-Jährige begeisterte die Schwimmerin bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona mit vier Medaillen und herzerfrischenden Auftritten. Die „Berliner Göre“ kam in Ost und West gleichermaßen gut an und wurde so zu einem Symbol der Wiedervereinigung.

Die Popularität hatte für van Almsick ihren Preis

Doch die Popularität hatte ihren Preis, der Teenager konnte kein Teenager-Leben führen. „Ich fühle mich beobachtet, ich bin kein normaler Mensch mehr“, klagte sie damals. Und wer so hochgelobt wird, kann auch tief fallen. Nachdem van Almsick bei den Sommerspielen 2000 in Sydney kein einziges Einzelfinale erreichte, wurde sie in Boulevard-Medien verspottet („Franzi van Speck“).

Die EM 2002 in Berlin wurde zu „Van-Almsick“-Festspielen

Zwei Jahre später war sie plötzlich wieder „Franzi wunderbar“. Die EM in ihrer Heimatstadt Berlin wurde mit fünf Titeln und dem umjubelten Weltrekord über 200 Meter Freistil zu „Van-Almsick“-Festspielen.

Van Almsick kämpft mit den Tränen

Als van Almsick am Donnerstag all diese Bilder ihrer Karriere auf der Leinwand im Allianz Forum am Brandenburger Tor sieht, kämpft sie mit den Tränen. „Es ist komisch, wenn einen die Vergangenheit einholt“, sagt sie: „Ich bin aber auch froh, dass ich mich ein wenig verändert habe, dass ich nicht mehr ganz so verrückt, so laut und wild bin.“ Auch Fotos von ihren Frisuren- und Modesünden wolle sie „lieber beiseite“ legen.

Van Almsick erhöht Preisgeld auf 75.000 Euro

Auch heute noch kann van Almsick mit ihrer Ausstrahlung mühelos jeden Raum einnehmen, den sie betritt. Die zweifache Mutter nutzt diese Fähigkeit für ihr großes gesellschaftliches Engagement. Das Preisgeld für die Sportpyramide verdreifachte van Almsick aus eigener Tasche auf 75.000 Euro, das Geld kommt der Förderung von Sporttalenten zugute.

Van Almsick in die Hall of Fame aufgenommen

Dass sie ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Mauerfalls ausgezeichnet wird, sei „ein guter Zeitpunkt“, so „FvA“. Sie weiß, dass die politische Wende ihre Karriere extrem beeinflusst hat. Im Becken selbst habe es aber „keine Rolle gespielt, ob ich aus dem Osten oder Westen kam.“

Die Ex-Schwimmerin wurde genau wie die dreimalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Gunda Niemann-Stirnemann, der zehnmalige Paralympicssieger Martin Braxenthaler und der Sportfunktionär Walther Tröger in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.