Tennis

Daviscup: Deutsches Doppel macht Boris Becker glücklich

Deutschland bezwang beim Daviscup Argentinien 3:0 und benötigt nur noch einen Matchgewinn zum Gruppensieg. Das Doppel war ein Krimi.

Siegten nach über drei Stunden in einem dramatischen Doppel: Die French-Open-Sieger Kevin Krawietz (r) und Andreas Mies (l).

Siegten nach über drei Stunden in einem dramatischen Doppel: Die French-Open-Sieger Kevin Krawietz (r) und Andreas Mies (l).

Foto: Manu Fernandez / dpa

Madrid. Das deutsche Daviscup-Team hat beim neuen Finalturnier in Madrid einen Auftakt nach Maß hingelegt und das Viertelfinale dicht vor Augen. Die Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) bezwang Argentinien in ihrer ersten Partie in Gruppe C am Mittwoch 3:0, schon vor dem abschließenden Doppel hatte Deutschland uneinholbar vorn gelegen.

Damit reicht an diesem Donnerstag (ab 11 Uhr/DAZN) gegen Chile bereits ein Matchgewinn zum Gruppensieg und dem damit verbundenen Einzug in die K.o.-Runde. Die Argentinier hatten am Dienstag ihre Auftaktbegegnung gegen Chile 3:0 gewonnen.

Jan-Lennard Struff (Warstein) überraschte mit dem 6:3, 7:6 (10:8) gegen den favorisierten Diego Schwartzman, zuvor hatte Routinier Philipp Kohlschreiber seine Mannschaft mit einem Kraftakt beim 1:6, 6:3, 6:4 gegen Guido Pella in Führung gebracht.

Boris Becker applaudierte in der Box

Die French-Open-Sieger Kevin Krawietz und Andreas Mies (Coburg/Köln) legten am Abend in einem überaus dramatischen Spiel mit einem nervenstarken 6:7 (4:7), 7:6 (7:2), 7:6 (20:18) gegen Maximo Gonzalez/Leonardo Mayer nach. Nach 3:18 Stunden verwandelten Krawietz und Mies bei ihrem Daviscup-Debüt erst ihren achten Matchball.

Die eiskalten Debütanten Kevin Krawietz und Andreas Mies lagen sich nach der erfolgreichen Nervenschlacht erschöpft in den Armen, in der Box applaudierte Boris Becker mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

„Ich bin so müde und fertig, aber wir sind so glücklich, dass wir den dritten Punkt für Deutschland holen konnten“, sagte Mies, nachdem im Doppel mit Krawietz in einem Krimi über 3:18 Stunden der achte Matchball gegen Maximo Gonzalez/Leonardo Mayer saß.

Jan-Lennard Struff will Erster werden

Jan-Lennard Struff wollte sich auf dem grandiosen Auftakt jedoch nicht ausruhen. „Dass wir Argentinien vorzeitig geschlagen haben, ist super“, sagte die deutsche Nummer eins, betonte aber: „Wir wollen Erster werden.“

Argentinien ist das stärkste Team der Gruppe, wir haben einen guten Job gemacht“, sagte Struff, warnte aber: „Auch gegen Chile wird es schwierig.“ Am Mittwoch bewies die Auswahl des Deutschen Tennis Bundes (DTB) aber, dass mit ihr in Madrid auch ohne Spitzenspieler Alexander Zverev zu rechnen ist.

Dieser hatte seine Teilnahme nach harscher Kritik am neuen Format kategorisch ausgeschlossen und bestreitet derzeit Showmatches mit Roger Federer in Lateinamerika. „Natürlich wären wir mit ihm stärker“, sagte Struff, verwies aber auf den „guten Teamspirit, egal, wer spielt“.

Auswärtsspiel für Deutsche in halbvoller Halle

Die 84. Teilnahme an dem traditionsreichen Mannschaftswettbewerb ist für das deutsche Team eine besondere - Fußball-Profi Gerard Piqué vom FC Barcelona hatte mit seiner Investmentfirma Kosmos die Rechte am Daviscup für die kommenden 25 Jahre für angeblich drei Milliarden Dollar erworben und das Format völlig umgekrempelt.

Statt in vier über das Jahr verteilten Runden kämpfen 18 Nationen in dem einwöchigen Finalturnier bis Sonntag um die „hässlichste Salatschüssel der Welt“. Die Sieger der sechs Dreier-Gruppen sowie die beiden besten Zweiten qualifizieren sich für das Viertelfinale.

Mit knapp 1500 Zuschauern war Court 2 am Mittwoch zwar nur gut zur Hälfte gefüllt - der Großteil an lautstarken argentinischen Fans verbreitete aber Daviscup-Atmosphäre. „Es ist klar, dass sich ein Heimspiel in Deutschland anders anfühlt“, sagte Kohlschreiber, wie gegen Argentinien werde man auch gegen Chile „auswärts spielen“. Struff sprach gar von einer „Weltklasse-Stimmung“, fand es aber „schade, dass ein paar Plätze leer geblieben sind“.