30 Jahre Mauerfall

Jürgen Klopp: „Zum Mauerfall gab’s sofort Sekt“

Jürgen Klopp, Henry Maske, Heike Drechsler: Hier erinnern sich prominenten Ex-Sportler daran, wie sie den Mauerfall erlebt haben.

Liverpool-Coach Jürgen Klopp.

Liverpool-Coach Jürgen Klopp.

Foto: Richard Sellers / dpa

Berlin. Der Mauerfall vor 30 Jahren zählt zu den einschneidendsten Momenten der Deutschen Geschichte. Wie und wo man dieses einzigartige Ereignis erlebt hat, vergisst man nicht – das gilt auch für die Sportprominenz.

Jürgen Klopp (Teammanager FC Liverpool):

„... zu Hause vorm Fernseher und habe gleich mit einem Glas Sekt darauf angestoßen. Dann habe ich einen Anruf bekommen von meiner Cousine. Sie war in Berlin, und ich hatte wie immer keine Zeit. Mit Mainz haben wir aber ganz schnell die Brücken in den Osten geschlagen. Viele gute Freunde durfte ich damals kennenlernen. Thomas Linke in Erfurt zum Beispiel oder Bernd Schneider in Jena.“

Berti Vogts (96-maliger Nationalspieler und Nationaltrainer von 1990 bis 1998):

„... in Naples, am Golf von Mexiko, im Urlaub. Wir kamen gerade vom Abendessen und wollten noch eine Flasche Wein aufmachen. Da lief ein Film im Fernsehen, und ich sagte zu meiner Frau: “Guck mal, die Mauer ist offen, super ausgedacht, die Geschichte.’„

Fritz Keller (Präsident des Deutschen Fußball-Bundes):

„Der Mauerfall war für mich ein wirklich internationales Ereignis. Bei einer Weinprobe in Brüssel war ich der einzige Winzer aus Deutschland. Meine Kollegen kamen aus ganz Europa und den USA. Als sich die Nachrichten aus Berlin herumsprachen, kamen alle zu mir und gratulierten mir herzlich. Wir schalteten dann den Fernseher ein und schauten uns gemeinsam diese unglaublichen Bilder an, die niemand je vergessen wird. Immer wieder musste ich Fragen der begeisterten und von der historischen Bedeutung mitgerissenen Winzer beantworten: Ich war mit einem Schlag der Mauerfall-Experte.“

Alfons Hörmann (Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes):

„Ich war damals beruflich unterwegs in einem Hotel in Süddeutschland und habe wie immer am Abend meine Post bearbeitet. Irgendwann saß ich staunend vor dem Bildschirm und konnte nicht glauben, dass ich gerade den Fall der Mauer erlebe. Dies war ein bewegender Moment voller Emotionen.“

Henry Maske (Box-Olympiasieger für die DDR und nach der Wende Weltmeister bei den Profis):

„Ich war mit meinem Trainer Manfred Wolke bei einer Talk-Runde in Potsdam. Kurz zuvor hatte ich den WM-Titel bei den Amateuren gewonnen, deshalb waren wir zu dieser Runde mit 300 Gästen eingeladen. Während der Veranstaltung gab es im Rücken hinter uns eine Reaktion der Küchenkräfte, die ständig tuschelten. Dann hatten wir plötzlich ein neues Thema.“

Reiner Calmund (Ex-Manager bei Bayer Leverkusen und erster „Großeinkäufer“ von DDR-Spielern):

„Ich war zu Hause. Am Montag ging“s dann los. ‘Wir müssen uns um die Spieler kümmern’, hab ich gesagt und den Karnath abkommandiert nach Wien zum berühmten Qualifikationsspiel zwischen Österreich und der DDR. Der sollte die Adressen der Spieler bringen.„

Jürgen Sparwasser (Schütze des „goldenen Tores“ beim denkwürdigen 1:0-Sieg der DDR 1974 bei der WM gegen die BRD):

„Auf der Heimfahrt vom Training habe ich die Nachricht im Autoradio gehört. Eigentlich hätte ich rechts ranfahren müssen, aber das ließ der Verkehr nicht zu. Zu Hause habe ich mit meiner Frau ein Glas Sekt getrunken.“

Joachim Streich (Rekord-Auswahlspieler der DDR):

„Ich war gerade zur Hospitation beim PSV Eindhoven. Am Abend habe ich vom Mauerfall nichts mitbekommen. Am nächsten Vormittag kam Huub Stevens, der uns betreute und PSV-Jugendtrainer war, auf den Trainingsplatz und sagte, die Grenze sei offen. Ich habe ihm geantwortet, er spinne wohl.“

Rene Müller (Torwart-Ikone von Lok Leipzig): „Ich war zu Hause, wollte mich noch in Leipzig in den Trubel stürzen. Doch meine Frau ahnte, dass es turbulent zugehen könnte. Sie sagte: Du bleibst hier, gehst mit deinem Sohn in die Wanne.“

Heike Drechsler (zweimalige Olympiasiegerin im Weitsprung):

„Ich war am 9. November zu Hause, hatte den Fernseher eingeschaltet, sah die Bilder. Plötzlich öffnete sich die Mauer. Da kriege ich heute noch Gänsehaut. Meine beste Freundin rief an, sie war vier Jahre vorher in den Westen gegangen. Wir haben beide am Telefon geheult.“