Deutsche Meisterschaften

Berlins beste Synchronschwimmerin greift in Schöneberg an

Michelle Zimmer will bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin beweisen, dass man auch ohne Sportförderung Medaillen holen kann.

Trotz Rückschlägen guter Dinge: Synchronschwimmerin Michelle Zimmer.

Trotz Rückschlägen guter Dinge: Synchronschwimmerin Michelle Zimmer.

Foto: David Heerde

Berlin.  Die Weltmeisterschaften hatte gerade erst angefangen, da entschied sich Michelle Zimmer zu einem radikalen Schritt. Sie löschte die Instagram-App auf ihrem Smartphone. Nur so konnte sie der Bilderflut aus Südkorea entkommen. Wann immer sie im vergangenen Juli ihr Handy in die Hand nahm, poppte dort ein neues Foto einer Disziplinkollegin auf, das diese von der Schwimm-WM in Gwangju (Südkorea) gepostet hatte – und jedes Bild war wie ein weiterer Stich ins Herz.

„Dass ich bei der WM nicht dabei sein konnte, hat mich schon sehr mitgenommen. Das war der emotionale Tiefpunkt“, sagt die 22-Jährige. Immerhin war Zimmer bis vor kurzem selbst noch eine Kandidatin für internationale Einsätze. Doch inzwischen hat Berlins beste Synchronschwimmerin mit der Nationalmannschaft abgeschlossen, weil sie sich eine Karriere im Becken nicht länger leisten konnte.

In fast allen Disziplinen Medaillenchancen

Zwei Mal startete sie bei Europameisterschaften, 2017 auch bei der WM. Zimmers großes Ziel waren die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Dafür hatte sie sich extra dem Münchener Olympiaprojekt der beiden Synchronschwimmerinnen Marlene Bojer und Daniela Reinhardt angeschlossen. Allerdings war sie in diesem Trio lediglich Reserve, konnte aufgrund der Entfernung zudem nur selten mit ihren Partnerinnen trainieren – und das in einer Sportart, in der es auf perfekte Synchronität ankommt.

„Wir haben leider keine optimale Lösung gefunden“, sagt sie. Zimmer verließ das Projekt und verlor dadurch gleichzeitig jegliche Förderung. „Ohne Förderung konnte ich mir den Sport aber nicht mehr leisten. Weder Solo noch im Team der Nationalmannschaft“, sagt sie.

Im Januar trat sie aus eigener Entscheidung aus dem Kader aus, seitdem trainiert sie nur noch im Verein und widmet sich vermehrt ihrem Studium. Bei den deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende in der Schöneberger Schwimmsporthalle (Sonnabend ab 13 Uhr, Sonntag ab 9.15 Uhr) hat sie dennoch in fast allen Disziplinen Medaillenchancen.

„Technisch und bei den Kraftwerten habe ich zuletzt ein bisschen abgebaut, aber die Leidenschaft ist immer noch da“, sagt sie. In der Gruppe und in der Kombination hat der gastgebende SC Wedding 1929 – Berlins einziger Sportverein mit einer Synchronschwimm-Abteilung – sogar Gold im Visier.

Fördergelder durch Leistungssportreform gekürzt

Es wäre wohl eine Genugtuung für Michelle Zimmer. An ihrem Beispiel zeigt sich ein grundsätzliches Problem des Synchronschwimmens und vieler anderer Randsportarten. Im Zuge der Leistungssportreform werden die Zuschüsse für weniger medaillenträchtige Sportarten gekürzt, die sich dadurch erst Recht schwer tun.

„Wo die Förderung fehlt, mangelt es an Leistung, und wo die Leistung fehlt, gibt es auch keine Förderung“, sagt sie: „Das ist ein Teufelskreis, aus dem man nur schwer wieder herauskommt.“