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Wer folgt beim FC Bayern auf Niko Kovac?

Nach der Trennung von Trainer Niko Kovac übernimmt zunächst Assistent Hansi Flick. Als Nachfolger werden jedoch andere gehandelt.

Der Berliner Niko Kovac blieb trotz des Double-Gewinns 2018 in München umstritten. Seinen Rücktritt bot er selbst an.

Der Berliner Niko Kovac blieb trotz des Double-Gewinns 2018 in München umstritten. Seinen Rücktritt bot er selbst an.

Foto: Uwe Anspach / dpa

München. Dann also doch. Die höchste Bundesliga-Niederlage seit mehr als zehn Jahren war offenbar zu viel, der Rekordmeister zieht die Reißleine. Am Sonntagabend gab der FC Bayern die Trennung von Trainer Niko Kovac bekannt, dem die 1:5-Pleite bei seinem Ex-Klub Eintracht Frankfurt zum Verhängnis wurde. „Die Leistungen unserer Mannschaft in den vergangenen Wochen und auch die Resultate haben uns gezeigt, dass Handlungsbedarf bestand“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einer Pressemitteilung.

Der 48 Jahre alte Berliner hatte den Job im Sommer 2018 übernommen. Die Entscheidung sei „in gegenseitigem Einvernehmen“ gefallen, teilte der Klub mit. Bis auf Weiteres wird Co-Trainer Hansi Flick (54) die Mannschaft betreuen.

„Uli Hoeneß, Hasan Salihamidzic und ich haben mit Niko am Sonntag ein offenes und seriöses Gespräch geführt mit dem einvernehmlichen Ergebnis, dass Niko nicht mehr Trainer des FC Bayern ist.“ Kovac hatte schon direkt nach dem Spiel wenig Zuversicht für eine dauerhafte Weiterbeschäftigung gezeigt.

Kovac bietet Rücktritt an

„Ich denke, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung für den Klub ist“, sagte er nun: „Die Ergebnisse und auch die Art und Weise, wie wir zuletzt gespielt haben, haben mich zu diesem Entschluss kommen lassen.“ Seinen Rücktritt hatte er selbst angeboten.

Schon in seiner ersten Saison als Münchner Cheftrainer war der frühere Hertha- und Bayern-Profi in die Kritik geraten, mit dem Gewinn des Doubles verdiente er sich aber eine vorläufige Weiterbeschäftigung.

Nun aber ist der Kredit verpufft, dabei hatte es am Sonntagmittag noch den Anschein gemacht, als würden es die Bayern weiter mit Kovac versuchen, der seine erste Krise im Herbst 2018 auf beeindruckende Art und Weise gemeistert hatte. Seit Sonntag ist jedoch klar: An eine erneute Wende zum Besseren hat an der Säbener Straße vor dem anstehenden Spitzenspiel gegen Dortmund am Sonnabend niemand mehr geglaubt.

Team hadert mit Taktik und Training

Dafür, dass Verteidiger Jerome Boateng in Frankfurt bereits nach acht Minuten vom Platz geflogen war, konnte Kovac freilich nichts. Dennoch darf ein FC Bayern nach eigenem Selbstverständnis „nicht so untergehen“ wie beim 1:5, das war auch ihm klar.

Für ihn persönlich war es die höchste Niederlage als Bundesliga-Trainer, für die Münchner die deftigste Liga-Pleite seit April 2009, dem 1:5 in Wolfsburg. Trainer Jürgen Klinsmann verlor drei Wochen später seinen Job. Auch damals gärte es im Team, weil man mit Trainingsinhalten und Taktikausrichtung nicht zufrieden war.

Zehn Jahre später heißt es hinter vorgehaltener Hand, Kovac habe zu viel Wert auf die Defensive gelegt. Trotzdem kassierte es bereits 16 Gegentreffer, einen mehr als Aufsteiger Union.

Torhüter Neuer: „Nicht akzeptabel“

Torhüter und Kapitän Manuel Neuer, der sich an das letzte Zu-Null-Spiel am 21. September (4:0 gegen Köln) wohl nur dunkel erinnert, konnte seinen Unmut seit Wochen kaum in diplomatische Aussagen verpacken. Die letzten Auftritte seien „nicht Bayern-like“ gewesen, betonte er.

„Es ist nicht akzeptabel, dass wir so ein Spiel in der Höhe verlieren“, sagte er in Frankfurt und schob einen Satz hinterher, der Kovac indirekt als Schuldigen bloßstellt: „Das ist kein riesiges Wunder. Das hat sich angebahnt.“

Nun also soll Flick retten, was zu retten ist. Seit Saisonbeginn als Co-Trainer an Kovacs Seite genießt er hohes Ansehen bei den Stars – nicht zuletzt, weil er die Nationalelf als Assistent von Joachim Löw zum WM-Titel 2014 führte.

Wird’s wieder ein Holländer?

Andererseits: Als Cheftrainer arbeitete Flick zuletzt 2005 in Hoffenheim, in der Dritten Liga. Als neue Trainer sind daher andere im Visier. Erik ten Hag (49) zum Beispiel, mit Ajax Amsterdam erfolgreich und mit Säbener-Stallgeruch ausgestattet. Von 2013 an trainierte er zwei Jahre Bayerns zweite Mannschaft.

„Ich weiß, wie das Geschäft läuft“, hatte Kovac in Frankfurt gesagt, „ich gebe aber nicht auf. Einfach kann jeder.“ Zuletzt hatte er sich in Pressekonferenzen allerdings zu sehr darin verrannt, mehr Respekt für sich und die Arbeit der Trainer einzufordern. Durch seine wiederholten Hinweise, das Team müsse nur den Plan des Trainers umsetzen, verlor er Rückhalt in der Kabine. Und schließlich seinen Job.