Berliner Champions

Heiß auf Eis: Warum Lukas ein Mann für die Zukunft ist

Eisschnellläufer Lukas Mann kann einen historischen Erfolg für sich verbuchen. Nun kämpft er darum, bei Olympia 2022 dabei zu sein.

Einer, der das deutsche Eisschnelllaufen voranbringen kann: Lukas Mann.

Einer, der das deutsche Eisschnelllaufen voranbringen kann: Lukas Mann.

Foto: FUNKE Foto Services / Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services

Berlin. Auf einmal war die Nervosität wie weggeblasen. Normalerweise war Eisschnellläufer Lukas Mann vor großen Wettkämpfen immer sehr aufgeregt und kaum ansprechbar, doch bei den Junioren-Weltmeisterschaften im vergangenen Februar spürte der Berliner eine innere Ruhe. Kurz vor dem Aufbruch ins Stadion hielt er im Hotelzimmer sogar noch ein kurzes Nickerchen.

Auch als später in der Kabine die Konkurrenten um ihn herumwuselten, ließ sich Lukas Mann von der allgemeinen Hektik nicht anstecken. „In diesem Moment habe ich das erste Mal daran gedacht, dass an diesem Tag etwas Großes möglich ist“, sagt er. Tatsächlich gelang dem 20-Jährigen auf der Freiluftbahn in Baselga di Pine (Italien) ein historischer Erfolg.

Erster deutscher Junioren-Weltmeister über 5000 Meter

Als erster Deutscher gewann er bei der Junioren-WM den Titel über 5000 Meter. Zwar hatte 1993 auch schon der Erfurter René Taubenrauch an gleicher Stätte diese Strecke für sich entschieden. Damals gab es jedoch noch keine Einzelmedaillen, die WM wurde ausschließlich als Vierkampf gelaufen.

Bis dahin war ein vierter Platz im Weltcup sein bestes Ergebnis über diese Distanz gewesen; im Massenstart sowie im Teamsprint war Lukas Mann wenigstens zweimal Zweiter geworden. Nun holte er das erste deutsche Gold bei einer Junioren-WM seit dem Sieg von Anni Friesinger 1996.

„Im Ziel war das ein unbeschreibliches Glücksgefühl“, erzählt der Wilmersdorfer. Während des Wettkampfes habe er zunächst gar nicht realisiert, wie gut er im Rennen liegt. „Erst als es auf den letzten Runden auf den Rängen immer lauter wurde, habe ich begriffen, was da gerade passiert.“

Die Mutter startete 1988 bei den Olympischen Spielen

Der Sieg war eine späte Genugtuung für den Mann vom Berliner SV 1892. Die vorherige Saison war schlecht gelaufen, unter dem neuen Bundestrainer Eric Bouwman gab es immer wieder Rückschläge. „Im Nachhinein bin ich überzeugt, dass gerade das mich geprägt hat“, sagt er. „Ich habe am Anfang so viele Fehler gemacht, aus denen ich aber gelernt und die richtigen Schlüsse gezogen habe. Ohne diese Vorgeschichte wäre ich heute nicht Weltmeister.“ Die Fähigkeit, auch dann noch das Positive zu erkennen, wenn es einmal überhaupt nicht läuft, ist vielleicht seine größte Gabe.

Sein Talent hat Lukas Mann von seiner Mutter geerbt. Anja Mischke war selbst mehrfache deutsche Meisterin im Eisschnelllauf und langjähriges Mitglied der Nationalmannschaft. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary war sie als einzige West-Berlinerin am Start und belegte über 3000 Meter den zwölften und über 1500 Meter den 16. Platz. Seine ersten Versuche auf Kufen unternahm Mann einst im Horst-Dohm-Eisstadion in Wilmersdorf.

Anfangs war er nur mitgegangen, um seinem älteren Bruder Paul Tonat zuzuschauen, der ebenfalls Eisschnellläufer ist. Doch bald wollte er selbst aufs Eis. „Beim Eisschnelllauf kommt es auf viele verschiedene Dinge an, auf Taktik, Technik und Tempo“, sagt er. Vor allem in den Kurven wirken zudem enorme Fliehkräfte auf die Athleten.

„Das ist das geilste Gefühl überhaupt“, meint Lukas Mann. 2016 nahm er an den Olympischen Jugend-Winterspielen in Lillehammer teil; Anfang 2019 mischte er dann bei der Mehrkampf-EM erstmals bei den Erwachsenen mit und wurde als Elfter sogar auf Anhieb bester Deutscher.

Sprung in das Weltcup-Team ist das Ziel

Demnächst steht für ihn nun die erste komplette Saison bei den Erwachsenen an. Am kommenden Wochenende finden in Inzell die deutschen Meisterschaften statt, bei denen auch die Plätze für das Weltcup-Team vergeben werden. Der erste Weltcup des Winters folgt dann nur eine Woche später in Minsk.

Um sich dafür zu qualifizieren, müsste der Schützling von Trainer Sascha Wilhelm bei den nationalen Titelkämpfen unter die besten drei kommen und zugleich die Norm von 6:32 Minuten unterbieten – drei Sekunden schneller als seine bisherige Bestzeit. Er ist jedoch zuversichtlich, dass ihm das auf der bekannt schnellen Anlage von Inzell gelingt.

Bereits im ersten Saisonrennen war Mann mit einem technisch nicht sauberen Lauf schon schneller unterwegs als im vergangenen Jahr zum selben Zeitpunkt. „Das zeigt mir, dass da noch viel Potenzial vorhanden ist“, sagt er. Mittelfristig lautet das Ziel Olympia 2022 in Peking.

Für die Freunde des deutschen Eisschnelllaufs kann der Durchbruch nicht schnell genug gehen, wurden sie in den vergangenen Jahren doch nicht gerade mit Erfolgen verwöhnt. Sie sehnen sich nach besseren Zeiten, und der Erfolg von Lukas Mann hat die Hoffnung geschürt, dass es bald wieder bergauf geht. „Ich mache mir deshalb aber keinen Druck, sondern möchte mich in den nächsten Jahren kontinuierlich verbessern“, sagt er. Immerhin hat er mit dieser Gelassenheit schon einmal gute Erfahrungen gemacht.