Boxen

Mit Huck und Hanning in den Berliner Boxherbst

Auch ohne das Team Sauerland stehen ab Sonnabend zahlreiche Box-Duelle im Kampf um Titel und Gürtel in der Hauptstadt an.

Marco Huck verteidigte seinen WM-Titel im Cruisergewicht 13 Mal.

Marco Huck verteidigte seinen WM-Titel im Cruisergewicht 13 Mal.

Foto: Michael Weber / picture alliance / imageBROKER

Berlin. Nach dem quälend langen, am Ende mit der emotionslosen Trennung von Trainer Ulli Wegner sogar ins Peinliche abgeglittenen Rückzug des Team Sauerland aus Berlin, bleibt nicht einmal eine kleine Lücke zurück. Die letzte erwähnenswerte Veranstaltung in oder in der Nähe der Hauptstadt war die Titelverteidigung von WBA-Champion Tyron Zeuge (Berlin) im Supermittelgewicht gegen den Nigerianer Isaac Ekpo am 25. März 2017 in Potsdam. Danach herrschte beim lange bestgeführten Profiboxstall Deutschlands - vielleicht sogar Europas - an seinem Stammsitz Tristesse.

Die Faustkampfszene der Stadt blieb und bleibt davon unbeeindruckt, dafür umso aktiver, wenn auch nicht auf WM-Niveau. Damit konnte zuletzt auch das Team Sauerland nicht mehr aufwarten. Nach dem Ende des Engagements der ARD im Dezember 2014 schien sich mit dem Einstieg von Sat.1 eine neue Chance aufzutun.

Doch flossen zu öffentlich-rechtlichen Zeiten Beträge um die 15 Millionen Euro pro Jahr zur Finanzierung von Kampfabenden, war es plötzlich weniger als die Hälfte. Weder der Sport noch die TV-Quoten überzeugten die Sat.1-Verantwortlichen, und das Team Sauerland wurde, im übertragenen Sinn, Ende 2017 ausgezählt. In der ganzen Zeit gab es in Berlin Dutzende von Kleinringveranstaltungen, bei denen sich lokale Kämpfer präsentierten.

Die TV-Quoten bringen bisher nicht den erwünschten Erfolg

Als zu Beginn des Jahres 2018 Sport1 die Sat.1-Stelle einnahm, war erneut von einer „auf Dauer“ angelegten Partnerschaft die Rede. Zwanzig Veranstaltungen sollten jedes Jahr über die Bühne gehen, von vier Millionen Euro TV-Geld (200.000 pro Event) war die Rede. Diese konnte Team Sauerland nicht realisieren, 2019 waren es bislang acht in Deutschland. Zudem waren die erreichten Quoten mangels attraktiver Kämpfe bestenfalls mäßig.

Gegenüber der „Berliner Zeitung“ äußerte sich kürzlich Daniel von Busse, Mitglied der Geschäftsleitung von Sport1: „Gerade bei langlaufenden Verträgen können während der Vertragslaufzeit Anpassungen notwendig werden. Dies gilt natürlich auch für den Vertrag mit dem Boxpromoter Sauerland. Zu Einzelheiten der Lizenzvereinbarungen werden wir uns aber öffentlich nicht äußern.“ An der Partnerschaft „auf Dauer“ darf man Zweifel hegen. Egal wie es endet, die Berliner Profiszene hat das Thema Team Sauerland zu den Akten gelegt.

Duell zwischen Hanning und Liebenberg im Internet-Livestream

Der Startschuss in den Boxherbst 2019 fällt am Sonnabend im Maritim Hotel (Stauffenbergstraße) mit der Titelverteidigung von Halbschwergewichtler Nick Hanning gegen Ryno Liebenberg. Zwischen dem 33 Jahre alten Berliner und dem zwei Jahre älteren Südafrikaner geht es um den WBC-International-Titel, den sich Lokalmatador Hanning in Berlin am 9. Februar 2019 gegen Ryan Ford aus Edmonton (Kanada) erkämpft hatte. Hanning und Liebenberg standen sich im Juli in Wiesbaden schon einmal gegenüber. Mit dem Urteil „Unentschieden“ war Hanning aber nicht zufrieden. „Da gibt es etwas geradezurücken. Und das werde ich tun“, zeigt sich der Titelverteidiger optimistisch. Die Revanche wird am Sonnabend ab 23 Uhr auf sport-im-osten.de live und kostenlos gezeigt.

Gleich dreimal um Europameister-Gürtel geht es am 23. November in der Arena in Treptow. Im Mittelpunkt stehen die Ex-Sauerland-Aushängeschilder Tyron Zeuge und Jack Culcay. Beide ehemaligen Weltmeister hatten sich im Unfrieden von ihren Arbeitgeber getrennt und dem Berliner Agon-Team angeschlossen. Supermittelgewichtler Zeuge (27) verteidigt seinen Europameistertitel gegen den Duisburger Yusuf Kanguel (35), Halbmittelgewichtler Culcay (33) trifft auf den Kölner Jama Saidi (26).

Ex-Weltmeister Huck ersteigert das Veranstaltungsrecht für 480.000 Euro

Das dritte EM-Duell bestreiten Agon-Kämpfer Björn Schicke und der Spanier Adasat Rodriguez (26) im Mittelgewicht. Für den 32 Jahre alten Berliner, der seine Boxkarriere zwischenzeitlich für zehn Jahre unterbrochen hatte und von Ex-Weltmeister Graciano Rocchigiani wieder an größere Aufgaben herangeführt wurde, ist der EM-Kampf „die bisher größte Chance meiner Karriere“. Helfen, diese zu nutzen, kann ihm Jack Culcay, der den Boxer von der Insel Teneriffa bereits einmal besiegen konnte.

Ebenfalls im November boxen mit Enrico Kölling (29) und Stefan Härtel (31) zwei ehemalige Sauerland-Athleten aus Berlin. Kölling trifft in Koblenz auf den von Ulli Wegner trainierten Frankfurter Leon Bunn (27). Härtel bekommt den 32 Jahre alten Münchner Robin Krasniqi vor die Fäuste, gegen den er sich im Mai diesen Jahres in Magdeburg die Europameisterschaft im Halbschwergewicht sichern konnte. Der genaue Termin und der Kampfort stehen noch nicht fest.

Nicht zuletzt hat sich auch Ex-Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck zurückgemeldet. Der 34-Jährige, von 2004 bis 2014 im Team Sauerland, ersteigerte für 480.000 Euro das Veranstaltungsrecht um den vakanten EM-Titel im Schwergewicht. Dabei wird er, möglicherweise in Berlin, auf den gleichalten Engländer Joe Joyce treffen, 2016 Gewinner der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. „Ich fühle mich gut und will noch einmal angreifen. Joyce ist ein starker Gegner, den ich respektiere. Ich denke aber, ich kann ihn schlagen“, sieht sich Huck, der zwischen Dezember 2009 und August 2013 seinen Cruisergewichts-WM-Titel 13 Mal verteidigt hat, auf der Zielgeraden seiner Karriere in einer guten Position.