Basketball

It’s Showtime! Was Sie zur NBA-Saison wissen müssen

Vor dem Saisonstart der NBA ist nichts mehr wie es war: Über neue Superstar-Duos, einen Ausnahme-Rookie und die Rolle der Deutschen.

Hollywoods neues Traumpaar: LeBron James (l.) und sein Lakers-Teamkollege Anthony Davis.

Hollywoods neues Traumpaar: LeBron James (l.) und sein Lakers-Teamkollege Anthony Davis.

Foto: Jeff Chiu / picture alliance/AP Photo

Los Angeles/Berlin. So viel Hype gab’s lange nicht mehr vor einer NBA-Saison – und das will etwas heißen. Superlative gehören in der Liga des großen Basketball-Spektakels ja zur Grundausstattung, „schneller, höher, weiter“ steht hier auf der Tagesordnung. Einen derart aufsehenerregenden Sommer wie in diesem Jahr gab es aber wohl noch nie. Einerseits kauften die Klub-Besitzer in Los Angeles, Brooklyn und Houston ein Superstar-Duo nach dem nächsten zusammen, zum anderen bekommt die NBA mit Rookie Zion Williams eine derart imposante Attraktion, dass der gesamten Sportmarkt elektrisiert ist. Doch der Reihe nach.

Bei der Frage nach den Titelfavoriten zeigen in diesem Jahr alle Finger nach Los Angeles, auch die von Dirk Nowitzki. „Die Lakers sind mit LeBron James und Anthony Davis unheimlich stark“, sagt der zurückgetretene Ausnahme-Basketballer, „aber die Clippers sind auch super besetzt.“ Tatsächlich hat Hollywood plötzlich zwei neue Traum-Duos auf einmal: James und Zugang Davis bei den Lakers sowie Champion Kawhi Leonard und Scoring-Maschine Paul George bei den Clippers. Eine Konstellation, die der Stadt der Engel ein Giganten-Duell beschert, das rund um den Globus für Schnappatmung sorgt. Gleich zum Liga-Start in der Nacht zu Mittwoch kommt es zum ersten Kräftemessen (4.30 Uhr, DAZN).

Trotz Verletzung: Topstar Durant bekommt 164 Millionen Dollar

„King“ James (34), dem besten Spieler seiner Generation, wurde mit Davis (26, zuvor New Orleans Pelicans) endlich jener kongeniale Partner an die Seite gestellt, mit dem er nach einem frustrierenden ersten Jahr in Los Angeles wieder nach der NBA-Krone greifen kann. Die Clippers brauchen sich vor diesem Star-Aufgebot allerdings nicht zu verstecken. Leonard (28) führte die Toronto Raptors im Vorjahr zur Meisterschaft, war dabei der alles überragende Akteur. In George (29, zuvor Oklahoma City Thunder) hat er nun den zweitbesten Werfer der Vorsaison neben sich. Experten sehen die Clippers im direkten Vergleich knapp vorn.

Aber auch jenseits von L.A. ist die NBA-Landschaft kaum wiederzuerkennen. Da wäre zum Beispiel Vorjahresfinalist Golden State, in den vergangenen fünf Jahren dreimal Meister, der herbe Verluste hinnehmen musste. Dreier-Experte Klay Thompson fällt mit einem Kreuzbandriss lange aus, und neben Routinier Andre Iguodala (35) verließ auch Ausnahme-Werfer Kevin Durant (31) die Bay Area. Er geht künftig für die Brooklyn Nets auf Korbjagd, Seite an Seite mit Spielmacher Kyrie Irving (27), der den Boston Celtics den Rücken kehrte. Dass Durant zunächst noch einen langwierigen Achillessehnenriss auskurieren muss? War den Nets reichlich egal. Sie sicherten ihm trotzdem ein Gehalt von 164 Millionen Dollar für vier Spielzeiten zu.

Schwierige Situation für Nationalspieler Schröder

Weil sich auch Titelkandidat Houston Rockets nicht lumpen lassen wollte, angelten sich die Texaner Russel Westbrook (30) von den Oklahoma City Thunder. Gemeinsam mit dem bärtigen James Harden (30) verfügt das Team nun ebenfalls über zwei Spieler, die kaum zu stoppen sind. Point Guard Chris Paul musste dafür weichen. Er soll künftig die Geschicke bei Westbrooks altem Team in Oklahoma City lenken. Ein Tausch, der Deutschlands NBA-Star Dennis Schröder (26) nicht recht gefallen dürfte.

Der Braunschweiger hat schon prickelndere Karrierephasen erlebt. Die WM in China verkam mit dem frühen WM-Aus der DBB-Auswahl zur großen Enttäuschung, zudem wurde ihm mit Paul (34) einer der besten Spielmacher aller Zeiten vor die Nase gesetzt. Wie die Arbeitsaufteilung der beiden aussehen wird, ist noch unklar, Trades gelten als nicht unwahrscheinlich. Schröder gibt sich verhalten. „Mal schauen, was für uns möglich ist.“

Gute Chancen für Berlins Moritz Wagner

Für Schröders Landsmänner in der Liga dürften sich die Dinge hingegen eher zum Besseren verändern – zumindest individuell. Der Berliner Moritz Wagner gehört zwar nicht mehr zur Glamour-Truppe der Lakers, darf sich bei den Washington Wizards jedoch berechtige Hoffnungen auf mehr Spielzeit machen. „Ich bin niemandem in L.A. böse“, sagt der 22 Jahre Alba-Zögling, „sondern dankbar, dass ich jetzt die Chance kriege, mich zu beweisen.“ Nationalmannschaftskollege Daniel Theis (27) dürfte ebenfalls mehr spielen als zuvor, dafür sind seine Boston Celtics nach diversen Abgängen jedoch kein Titelkandidat mehr. Auch Maximilian Kleber (27) kann nach Nowitzkis Abschied in Dallas eine größere Rolle übernehmen.

Für das ganz große Spektakel werden allerdings andere sorgen – neben James, Leonard und Co. vor allem Zion Williamson. Der erst 19 Jahre alte Rookie wird schon jetzt als der nächste große Superstar gefeiert, allein schon wegen seiner atemberaubenden Athletik. Mit einem Mix aus bulliger Statur (2,01 Meter, 129 Kilogramm) und fast übermenschlicher Sprungkraft deutete er in der Preseason an, dass er die NBA im Sturm erobern kann. Allerdings wird er wegen einer Knieverletzung zum Auftakt wohl fehlen.

Basketball-Ikone Michael Jordan scheint von dem Nummer-eins-Pick vollends überzeugt. Seine Schuhfirma machte das Ausnahmetalent unlängst zum neuen Aushängeschild. Zum Einstieg bekam der Teenager einen Ausrüstervertrag, der ihm über zehn Millionen Dollar pro Jahr einbringt. Und jetzt: Showtime!