EM-Qualifikation

Deutschland siegt in Unterzahl 3:0 gegen Estland

Nach 14 Minute flog Emre Can mit Rot vom Platz. Neun deutsche Feldspieler spielten aber noch einen letztendlich klaren Sieg heraus.

Gündogan und Kimmich bejubeln das deutsche 1:0.

Gündogan und Kimmich bejubeln das deutsche 1:0.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Es war kein einfacher Weg, den Emre Can nach 14 Minuten zurücklegen musste. Gerade hatte er nach einer Notbremse an Frank Liivak zurecht die Rote Karte gesehen. Jetzt marschierte er kopfschüttelnd fast über den gesamten Platz in Richtung Kabine, während die estnischen Fans pfiffen. Und dass ausgerechnet, nachdem Can gemeinsam mit Ilkay Gündogan schon vor dem Anpfiff eine aufgeregte Debatte ausgelöst hatte.

Da dieser Abend reich an Geschichten sein sollte, war es Gündogan, der dafür sorgte, dass dem Deutschen Fußball-Bund eine tiefgreifende sportliche Debatte erspart bleibt. Seine Duseltore in der 51. und der 57. Minute, beides abgefälschte Schüsse, leiteten den Erfolg ein. Am Ende gewann die Elf von Bundestrainer Joachim Löw bei Außenseiter Estland­ mit 3:0 (0:0).

Rote Karte für Can, DFB-Elf 76 Minuten in Unterzahl

Durch den Sieg ist das DFB-Team der Qualifikation für die EM 2020 einen großen Schritt näher gekommen. Deutschland hat nun wie Tabellenführer Niederlande 15 Punkte, steht aufgrund des verlorenen direkten Vergleichs aber auf Rang zwei. Theoretisch könnte der DFB-Elf im Heimspiel in Mönchengladbach gegen Weißrussland ein Punkt für das EM-Ticket reichen, wenn der Dritte Nordirland gegen Holland verliert.

Im November sollte sich Löws Elf allerdings sportlich steigern. Bis dahin wird die Mannschaft zudem wohl eine neue Integrationsdebatte begleiten. Da Ilkay Gündogan und Emre Can vor dem Anpfiff in den sozialen Medien ein Foto des türkischen Nationalspieler Cenk Tosun geliket hatten. Dies zeigte Tosun, wie er nach seinem Siegtreffer im EM-Qualifikationsspiel gegen Albanien salutierte. Offensichtlich war die Geste als militärischer Gruß gemeint, der Solidarität mit dem türkischen Militär und dessen Offensive in Nordsyrien ausdrücken sollte. Allerdings haben Gündogan und Can den Like mittlerweile gelöscht. Beide­ versicherten, keine politischen Absichten­ gehabt zu haben. „Nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen“, sagte Gündogan. Vor der WM 2018 hatten er und Ex-Nationalspieler Mesut Özil durch ein Foto mit dem türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan bereits heftige Diskussionen ausgelöst.

Auf dem Platz schrieben Gündogan und Can ihre eigenen Geschichten. Gündogan traf erst per Außenrist, weil der Ball von Reus‘ Hacke abgefälscht wurde (51.). Dann nutzte Reus seine Hacke, um Gündogan freizuspielen, der zweite Treffer wurde von einem Esten unhaltbar abgefälscht (57.). Can wiederum sah rasch Rot (der früheste Platzverweis in der deutschen Länderspiel-Historie). Niklas Süle hatte ihn mit einem ungenauen Pass in Bedrängnis gebracht, Can kam mit seiner Grätsche zu spät. Ab der 14. Minute spielte Deutschland in Unterzahl und hatte vor 12.062 Fans sichtlich Probleme. Der 102. der Fifa-Weltrangliste kratzte sogar an der Führung. Einen Schuss von Konstantin Vassiljev entschärfte DFB-Kapitän Manuel Neuer (30.). Der Torhüter sah mit an, wie sich seine Mitspieler schwertaten, Tempo zu entwickeln. Deutschland wirkte ideenlos, fahrig, schläfrig. Vor allem Serge Gnabry wurde vermisst, der aufgrund von Muskelproblemen ausgefallen war.

In zweiten Halbzeit blieb Estland auch nach den beiden Gündogan Toren frech. Liivak kam im deutschen Fünf­meterraum an den Ball und hätte den fast den Anschlusstreffer erzielt (62.).

Bei Deutschland kam Timo Werner für den enttäuschenden Luca Waldschmidt (66.). Werner erhöhte die deutsche­ Führung auf 3:0, als er von Gündogan freigespielt wurde und Torhüter­ Sergei­ Lepmets austanzte (71.).

Kapitän Manuel Neuer sagte: „Nach der Roten Karte war es nicht einfach. Wir mussten dann umstellen und haben etwas Zeit gebraucht. Aber in der zweiten Halbzeit haben­ wir es gut gemacht.“ Niklas Süle: „Die Einstellung hat von Anfang an gestimmt. Aber die Rote Karte hat unserem Spiel geschadet.“ Ilkay Gündogan, auf dessen Stellungnahme alle nach diesem Spiel alle gespannt waren­, zog es vor zu schweigen.