Triathlon

Historisch: Ironman-Gold für Frodeno und Haug

Jan Frodeno und Anne Haug gewinnen den Ironman auf Hawaii und schreiben deutsche Triathlon-Geschichte.

Jan Frodeno läuft als Erster durch das Ziel. Seine Freude über den Triumph ist ihm anzusehen.

Jan Frodeno läuft als Erster durch das Ziel. Seine Freude über den Triumph ist ihm anzusehen.

Foto: Marco Garcia / dpa

Kailua-Kona. Um Mitternacht herrschte einfach nur noch Partystimmung auf dem Ali’i Drive. Und mittendrin Jan Frodeno mit T-Shirt und blumiger Bermuda-Shorts und Anne Haug im Trägerhemd und Jeansrock. Sie empfingen die Letzten des 41. Ironman auf Hawaii. Eine Ehrensache, eine Tradition. Und auch ein Moment großer Emotionen.

Als ein Amerikaner mit zwei Beinprothesen und Armbehinderung mit letzter Kraft, aber überglücklich ins Ziel kam, klatschte auch Frodeno mit größtem Respekt. Und auch der Letzte, der 80 Jahre alte Al Tarkington, ebenfalls aus den USA, bekam den Finisher-Kranz aus den Händen des Champions.

Ihren historischen Doppelschlag hatten Frodeno und Haug da schon ausgiebig gefeiert, den Champagner in die hawaiianische Mittagsluft gespritzt. Das Ausmaß ihrer Erfolge war dem Duo spätestens in diesem unbeschwerten Moment bewusst geworden. „Einfach fantastisch“ fühlte sich Haug nach dem ersten deutschen Zweifach-Triumph im Südsee-Paradies, Frodeno sprach vom „vielleicht schönsten Sieg“ seiner Karriere.

Der ausgelassene Jubel und die ansteckende Freude waren zweifellos berechtigt, schließlich sorgten der Superstar der Szene und die üblicherweise zurückhaltende Außenseiterin für den erfolgreichsten Tag der deutschen Triathlon-Geschichte. „Das war der Tag, den ich meine gesamte Karriere lang gesucht habe“, sagte Frodeno, der bereits 2015 und 2016 gesiegt hatte - natürlich nicht nur wegen des unerwarteten Paukenschlags von Haug.

Frodenos Schuhe sind ein gut gehüteter Prototyp

Mit einem perfekten Rennen hatte der 38-Jährige jene schwarz-rot-goldene Erfolgsserie fortgesetzt, die Haug inspiriert hatte. „Ich dachte, dass wir Frauen das sicherlich auch können, und ich wollte es den Jungs nachmachen“, sagte sie. Frodenos Triumph besaß trotzdem noch eine andere Qualität. Nicht nur, weil er ein ganz besonderes Paar Laufschuhe auf dem abschließenden Marathon trug. Eines, das noch gar nicht zu kaufen ist und erst im kommenden Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio auf den Markt kommen soll.

Als erster Deutscher krönte sich Frodeno auch zum dreimaligen Weltmeister. Ganz nebenbei krallte sich der Kölner in 7:51:13 Stunden zudem noch den Streckenrekord des entthronten Titelverteidigers Patrick Lange, dessen vorzeitiger K.o. wegen Schwindelgefühlen etwas in den Hintergrund rückte.

„Ich brauche verdammt viel Glück, um noch einmal in dieser Form am Start zu stehen“, sagte Frodeno, der im Vorjahr noch verletzungsbedingt gefehlt hatte und in den Sozialen Medien sein Jubelbild deshalb mit den Worten kommentierte: „Noch immer da, nie gegangen!“

Vorjahressieger Lange hatte schon in der Nacht Fieber

Das wird der Kölner auch nach diesem „fantastischen Rennen“ nicht tun - und das dürfte seine Konkurrenten ziemlich ernüchtern. „Jan war wieder in einer eigenen Welt. Ich habe keine Ahnung, wo er die Abkürzung genommen hat“, würdigte der drittplatzierte Sebastian Kienle, der 2014 die deutsche Serie mit seinem Sieg eröffnet hatte. Der zuletzt zweimal erfolgreiche Lange gratulierte Frodeno zu einer „unglaublichen Leistung“.

Die konnte der Vorjahressieger selbst dieses Mal nicht zeigen. Der 33-Jährige hatte nach rund einem Drittel der Radstrecke aufgeben müssen. Laut seinem Management war ihm schwarz vor Augen geworden. Schon in der Nacht vor dem Rennen hatte Lange leichtes Fieber bekommen. Nach dem Schwimmen habe er jedoch gespürt, „dass mit seinem Körper etwas nicht stimmt“, hieß es in einer Mitteilung seines Managements.

Haug zählt nun zu den Großen der Triathlon-Szene

Während Lange sein Vorhaben, zum dritten Mal in Folge den Titel zu holen, tief enttäuscht abbrechen musste, lieferte Anne Haug über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen beeindruckend ab. Vor allem im abschließenden Marathon glänzte die 36-Jährige, die im Vorjahr als Dritte schon ein vielversprechendes WM-Debüt hingelegt hatte. „Wie in Trance“, sagte Haug, sei sie über den Asphalt geflogen: „Der gesamte Lauf war großartig.“

Haug bedankte sich bei ihrem Trainer Dan Lorang, der auch Frodeno betreut, und nannte bescheiden „viel Glück“ als weiteren Garanten für den Coup. Ob die zuletzt vier Mal erfolgreiche Schweizerin Daniela Ryf in Bestform gegen Haug die Oberhand behalten hätte, sei allerdings dahingestellt.

Die Deutsche vollzog am Sonnabend nämlich den nächsten Schritt einer atemberaubenden Entwicklung. Schon mit dem deutschen Rekord beim Ironman in Dänemark Mitte August ließ Haug aufhorchen, weitere WM-Siege sind seit Sonnabend keine Utopie. Und verstecken kann sie sich nach einem Sieg mit der drittbesten Zeit, die jemals auf Hawaii erzielt wurde (8:40:10 Stunden), ohnehin nicht mehr.