Ironman-WM

Nils Frommhold in Hawaii: Die Lust nach dem Frust

Der Berliner Nils Frommhold will nach drei frustrierenden Jahren bei der Ironman-WM in Hawaii wieder unter den Top Ten landen.

Nils Frommhold aus Berlin will in Hawaii endlich wieder zeigen, was er kann.

Nils Frommhold aus Berlin will in Hawaii endlich wieder zeigen, was er kann.

Foto: GEPA pictures/ Walter Lugervia www.imago-images.de / imago images / GEPA pictures

Berlin. Der Titelverteidiger hat Pech. Patrick Lange muss beim wichtigsten Wettkampf des Jahres ohne seinen Trainer auskommen. Denn Faris Al-Sultan erhielt kein Visum für die USA, um Lange bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii beizustehen – Spekulationen zufolge wegen seines Namens. Dabei geht es um die Mutter alle Triathlons, bei der ganz Kona für ein paar Tage in helle Aufregung gerät.

Nils Frommhold ist froh, dass sein Coach auf Big Island dabei sein kann. Gar nicht so sehr wegen der sportlichen Aspekte. An den 3,86 Kilometern, die schwimmend in den Wellen des Pazifiks zu meistern sind, an den 180,2 Kilometern, die auf dem Rad gegen heiße Winde zu bewältigen sind, und an den 42,195 Kilometern, die laufend mitten durch Lavafelder zu bezwingen sind, lässt sich vorbereitend in den letzten Tagen vor dem Rennen eh nichts mehr tun.

Aber Kona befindet sich eben im Ausnahmezustand, die ganze Triathlonwelt versammelt sich. Einer wie Wolfram Bott entfaltet dort eine angenehme Wirkung. „Es tut mit gut, dass mein Coach mit vor Ort ist, weil er eine gewisse Ruhe ausstrahlt, einen runterholt“, erzählt Frommhold. Mit sich selbst eins sein, den Kopf frei haben, das ist ganz wichtig in Hawaii. Der Berliner Profi weiß das genau, zum vierten Mal ist er bei der Ironman-WM dabei, wenn am Sonnabend der Startschuss fällt (ab 18.15 Uhr, ARD).

Extreme Strapazen warten auf die Athleten

Vieles ist ein wenig anders diesmal. Neue Unterkunft, neue Strategie in der Vorbereitung. „Ein bisschen Tapetenwechsel“, so der 33-Jährige. Aber in manchen Belangen kehrte der Berliner, der in Freiburg lebt, auch zu bewährten Dingen zurück. Zum Beispiel zum Trainer, mit dem er die Zusammenarbeit zwischenzeitlich ruhen ließ, um neue Ansätze zu verfolgen. Oder zum Trainingslager in Florida, in dem er sich auch 2014 vor seiner Hawaii-Premiere präpariert hatte und dann auf Anhieb Sechster in Kona wurde.

Vielleicht ist das wieder drin. Ein Platz unter den besten zehn Athleten. „Ich will solide durchkommen, das zeigen, wozu ich in der Lage bin“, sagt der Berliner, dessen Eltern in Hawaii an der Strecke stehen. „Das Schöne ist, dass ich so selbstbewusst sein kann, dass ich automatisch in den Top Ten bin, wenn ich das schaffe. Ich muss bei mir bleiben, acht Stunden an meine Chance glauben.“ Was nicht leicht ist bei den unglaublichen Strapazen, der extremen Luftfeuchtigkeit, der Hitze.

Familie muss in der Vorbereitung zurückstehen

Die Bedingungen im Trainingslager in Florida waren fast noch härter. Die drei Wochen dort konnte er trotzdem gut durchziehen. „Meine Parameter, die ich selbst kontrollieren kann, zeigen die richtige Tendenz“, erzählt Frommhold, der für die unmittelbare Vorbereitung auf die Familie verzichtete und sie daheim ließ. „Ich muss mein Sportlerleben leben, um konkurrenzfähig zu sein.“ Das Mehr an Schlaf, die uneingeschränkte Konzentration auf den Sport haben sich ausgezahlt.

Ob er den gesamten Weg nach Hawaii noch einmal genauso anpacken würde wie diesmal, weiß Frommhold aber nicht. Zum ersten Mal absolvierte er lediglich ein Rennen über die Ironman-Distanz vor Hawaii, das war im April. „Seitdem war mein großes Ziel, fit in Hawaii an der Startlinie zu stehen und alles herauszuholen“, sagt er. Die lange Zeit mit Mitteldistanzen zu überbrücken, fiel ihm aber nicht leicht. Er bekam keine komplett sauberen Rennen hin, weil der nahe Fokus fehlte. Was als Idee angedacht war, um Kräfte für Hawaii zu sparen, führte in einen Zwiespalt. Es führte auch dazu, dass Training von anfangs mehr Intensität wieder auf höhere Umfänge anzupassen. Dafür ist der Hunger nach Erfolg auf der Langdistanz hoch wie nie zu dieser Jahreszeit.

Brownlee neuer Herausforderer der deutschen Stars

Erst das Rennen selbst kann die Antwort geben, wie gut die neue Strategie wirklich war. Die Form passt jetzt jedenfalls, der Körper macht alles mit. In den vergangenen Jahren hatten ihn Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, 2016 und 2018 keinen Start in Kona zugelassen. 2017 musste er beim Laufen abbrechen. Diese Bilanz hat ihn in eine Position gebracht, in der viele jetzt nicht auf ihn achten. „Bei allen Sponsoren, bei denen ich bin, gibt es Athleten, auf die mehr gesetzt wird als auf mich“, weiß Frommhold. Doch er kennt Hawaii, hat schon viel erlebt dort, weiß die Tücken der Strecke einzuordnen – und will sich nach frustrierenden Jahren endlich wieder so präsentieren, wie er es von sich erwartet. „Unterschätzen sollte man mich nicht“, sagt er daher.

Favoriten sind andere, Kollegen aus der Heimat. Seit 2014 kommen die Sieger in Hawaii aus Deutschland, Sebastian Kienle, zweimal Jan Frodeno und zuletzt zweimal Patrick Lange gewannen am Alii Drive. Nun ist erstmals auch Alistair Brownlee, der Olympiasieger von 2012 und 2016 aus Großbritannien, dabei in Hawaii. „Der ist jemand, der ein bisschen mit dem Messer zwischen den Zähnen die Rennen gestaltet“, so Frommhold. Brownlee wird für eine neue Dimension an Power in den ersten ein bis drei Stunden sorgen. Auf seine Tempowechsel, auf intensive Verschärfungen hat sich Frommhold speziell vorbereitet. Auf die Notwendigkeit, ab und zu über die eigenen Grenzen zu gehen. Und darauf, sich durch ein wildes Rennen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.