Bundesliga

Für den 1. FC Union gilt: Weiter, immer weiter

Der 1. FC Union macht sich trotz der vierten Niederlage in Folge Mut im Kampf um den Klassenerhalt. Dafür gibt es gute Gründe.

Kapitän Christopher Trimmel (r.) versuchte schon nach Schlusspfiff, seine Kollegen um Marvin Friedrich aufzubauen.

Kapitän Christopher Trimmel (r.) versuchte schon nach Schlusspfiff, seine Kollegen um Marvin Friedrich aufzubauen.

Foto: Joachim Sielski / picture alliance / Sielski-Press

Berlin. Am Montag wurde kein Fußball gespielt beim 1. FC Union. Dabei hatte Mittelfeldspieler Christian Gentner tags zuvor, nach der 0:1-Niederlage beim VfL Wolfsburg, noch gesagt, er würde am liebsten „gleich morgen wieder spielen, um das zu korrigieren“. Eine Vorverlegung des nächsten Spieltages war so kurzfristig dann doch nicht auszuhandeln mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL). So bleibt es für die Köpenicker bei vier Bundesliga-Niederlagen in Folge.

Die Mannschaft und die 6000 reiselustigen Union-Fans traten die kurze Rückfahrt aus Niedersachsen also mit dem mulmigen Gefühl an, wegen der Länderspielpause an dieser Bilanz erst mal nichts ändern zu können bis zum nächsten Heimspiel am 19. Oktober gegen den SC Freiburg.

„Einsatz und Leidenschaft sind da, auch die Unterstützung durch die Fans ist großartig“, hatte Gentner noch in Wolfsburg festgestellt. „Wir müssen optimistisch bleiben, auch wenn es nach vier Niederlagen schwierig ist.“

Becker: „Wir haben kein Glück“

Trotz allem Optimismus hatte sich am Montag aber nicht der SC Freiburg im Stadion an der alten Försterei eingefunden. Dafür Sportbusinessleute von der Laureus-Stiftung, die auf einer Pressekonferenz verkündeten, dass ihr „Sport-Oscar“ 2020 in Berlin vergeben wird (siehe Bericht Seite 9).

Trainer Urs Fischer fehlte hingegen beim Spielersatz-Training der Reservisten, weil er auf einer Trainertagung in Mönchengladbach weilte. Verteidiger Marvin Friedrich ließ sich etwas länger vom Physiotherapeuten behandeln. So war es an Sheraldo Becker, die erneute Niederlage zu erklären. Der Niederländer kam ganz in Schwarz: Kapuzenpulli, Hose, Turnschuhe, Brille – alles dunkel gehalten.

Becker musste sich von einem Reporter die Stadionzeitung der Wolfsburger zeigen lassen, auf der Union-Maskottchen Ritter Keule die Hände vorm Gesicht zusammenschlägt. Ob das die Stimmung in Köpenick zusammenfasse? Nach längerem Zögern antwortete der Spieler: „Wir haben eine Menge Chancen herausgespielt, aber leider nicht getroffen.“

Die Statistik spricht für Union

Was soll Becker sagen? Bei Niederlagenserien bleibt jedem Fußballer letztlich nur die Durchhalteparole. Und: Fragen nach Mängeln in der Spielweise oder fehlender Qualität abzuwiegeln.

„Wir haben schlicht kein Glück. In Wolfsburg wären einer oder gar drei Punkte drin gewesen“, behauptete Becker. Tatsächlich liest sich die Statistik mit 14:13 Torschüssen und sechzig Prozent gewonnen Zweikämpfen eindeutig pro Union.

Auch VfL-Trainer Oliver Glasner hatte gelobt, der Gast aus Berlin habe dem neuen Tabellenzweiten der Bundesliga sein Spiel aufgezwungen. Allein: Die Punkte blieben in der Autostadt am Mittellandkanal.

„Es ist ein Stück, das fehlt“, sagte Gentner. Es sei aber ein positiver Punkt, nicht meilenweit von den Gegnern entfernt zu sein, sondern mithalten zu können. „Es fühlt sich nicht an, als hätten wir keine Chance, ohne dass wir uns jetzt etwas vormachen.“

Systemwechsel bringt nicht den gewünschten Erfolg

In ein ähnliches Horn stieß Keven Schlotterbeck. „Wir wissen, dass wir zum ersten Mal in der Bundesliga spielen“, sagte der Verteidiger. „Optimismus ist immer da.“ Union werde noch ein paar Spiele mehr verlieren, doch Wille und Kampfgeist seien bei jedem zu sehen. Und niemals vergessen: „Andere Mannschaften punkten auch nicht.“

Trotzdem ist Union auf den Relegationsrang gerutscht und steht nur aufgrund der weniger schlechten Tordifferenz vor dem 1. FC Köln auf dem ersten Abstiegsplatz. Aber was sollen die Berliner groß anders machen?

Trainer Fischer hatte in Wolfsburg erstmals auf Dreier- respektive Fünferkette umgestellt, je nach Sichtweise, und wie in bisher jedem Pflichtspiel das Personal gewechselt. Gebracht hat es wenig. Trotzdem tue sich der Schweizer laut eigener Aussage leicht, optimistisch zu bleiben, „weil das die Arbeit des Trainers ist“. Fischer baut auch auf den Faktor Fortuna: „Gegen Freiburg hoffe ich, dass wir auch wieder ein bisschen Spielglück haben, dass mal einer reingeht.“

Jetzt geht es zweimal gegen den SC Freiburg

Die Frage, ob das reichen wird in der Bundesliga, ist nun vertagt, auf nach der Pause. Dann geht es zweimal gegen Freiburg, im Heimspiel gegen den Überraschungsvierten und auswärts im DFB-Pokal, dazwischen liegt der nächste Versuch auf den ersten Auswärtssieg im Oberhaus, beim FC Bayern in München. Das Derby am 2. November gegen Hertha wirft auch schon seine Schatten voraus.

Wie bleibt man bis dahin positiv? Zunächst einmal hat sich Union als Stimmungsaufheller am Donnerstag Zweitligist Dynamo Dresden eingeladen zu einem öffentlichen Freundschaftsspiel (14 Uhr, Alte Försterei), samt Businesskongress und Stadionführung. Kapitän Christopher Trimmel könnte zudem Selbstvertrauen bei Österreichs Nationalteam sammeln. Er wurde erstmals seit 2010 wieder eingeladen.

Seine Berliner Kollegen treffen sich an diesem Dienstag in einem Sport- und Freizeitzentrum, zum Squash- und Tennisspielen. Bei der schon länger geplanten Abwechslung könnte Christian Gentner probieren, die jüngste Niederlage zumindest am Schläger zu korrigieren.