Leichtathletik

Malaika Mihambo: „Es war der beste Sprung meines Lebens“

Deutsche Leichtathleten holen am letzten Tag der WM Gold und Bronze. Weitspringerin Mihambo glänzt, Speerwerfer Vetter wird Dritter.

Ein Satz mit Ausrufezeichen: Malaika Mihambo holt mit 7,30 Metern überlegen Gold.

Ein Satz mit Ausrufezeichen: Malaika Mihambo holt mit 7,30 Metern überlegen Gold.

Foto: KAI PFAFFENBACH / Reuters

Doha. Malaika Mihambo stand da, bereit für den letzten großen Sprung, da huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Die Weitspringerin schien realisiert zu haben: Sie läuft hier jetzt als Weltmeisterin von Doha an. Die 25-Jährige animierte noch einmal das Publikum, sie zu unterstützen.

Es gehorchte, und Mihambo setzte noch einen 7,16-Meter-Sprung in den Sand des Khalifa-Stadions. Eine fantastische Weite – aber die Athletin der LG Kurpfalz hatte schon vorher mit einem unglaublichen Sprung auf 7,30 Metern als Siegerin festgestanden.

„Es war der beste Sprung meines Lebens. Und vielleicht kommt so einer auch nicht so schnell wieder“, sagte sie und genoss den Moment. Sie riss die Arme hoch, warf Luftküsschen in Richtung der deutschen Fans, und strahlte vor Glück. Dann schnappte sie sich eine Deutschlandfahne und genoss ihre Ehrenrunde. „Ich bin so dankbar“, sagte sie ins Stadion-Mikrofon. Das Publikum war großartig.“

Johannes Vetter war nicht zufrieden

Bei Johannes Vetter wollte die ganz große Euphorie indes nicht ausbrechen. Mit 85,37 Metern hatte der Titelverteidiger im Speerwurf zum Abschluss der Leichtathletik-WM Bronze hinter dem neuen Weltmeister Anderson Peters (86,89) aus Grenada und dem zweitplatzierten Esten Magnus Kirt (86,21) gewonnen und damit die deutsche Bilanz auf insgesamt sechs Medaillen (zweimal Gold, viermal Bronze) aufgebessert.

„Ich habe heute nicht unbedingt Gold verloren, sondern Bronze gewonnen“, sagte der 26-Jährige später. „Es war ein heftiges Jahr.“

Doch man sah: Vetter, der den deutschen Rekord von 94,44 Meter hält, war nicht zufrieden. Immer wieder schüttelte der Offenbacher den Kopf. Er hatte mehr erwartet.

Mihambo springt drittbeste Weite bei einer WM

Ganz anders ging es Malaika Mihambo. Sie krönte ein Jahr, das wie einziger Rausch gewesen war. Sechsmal hatte sie vor der WM bereits die für Weitspringerinnen magische Marke von sieben Metern übersprungen. Als erste Deutsche hatte sie die Diamond League gewonnen.

Mit 7,16 Metern war sie als Nummer eins der Welt in Katars Hauptstadt gereist. „Es ist eine Ehre, Favoritin zu sein“, hatte sie gesagt. Es sei ihr Anspruch, dem auch gerecht zu werden. Und das wurde sie: Mit ihrem Siegsprung auf 7,30 Meter zeigte sie die drittbeste Weite, die je bei einer WM erzielt wurde – nur US-Ikone Jackie Joyner-Kersee sprang bei ihren Titelgewinnen 1987 (7,36) und 1991 (7,32) weiter.

„Ich wusste, dass ich die Beste bin. Das hat der Saisonverlauf gezeigt“, sagte Mihambo. „Aber dass ich so weit vorne liege, das ist unfassbar. Ich bin richtig glücklich. Es hat alles gestimmt.“

Mihambo machte es extrem spannend

Doch bis zum ganz großen Glück hatte sie es spannend gemacht. Erst im dritten Versuch traf sie das Brett nahezu perfekt, landete bei 7,30 Metern. Ihre Konkurrentinnen nahmen sie bereits in den Arm. Mihambo brauchte kein weiteres Mal antreten, doch sie wollte.

Sie legte zweimal nach: 7,09 und 7,16 Meter. Damit hätte sie eigentlich auch noch Silber und Bronze gewonnen. Denn die Zweitplatzierte Maryna Bech-Romantschuk aus der Ukraine kam auf 6,92 Meter, Bronze-Gewinnerin Ese Brume aus Nigeria auf 6,91.

Der Titel von Mihambo bedeutet den dritten WM-Sieg für eine deutsche Weitspringerin. Zuvor war dies nur Heike Drechsler 1993 für die Bundesrepublik und 1983 für die DDR gelungen.

Mihambo spielt Klavier, ruht in sich selbst

Malaika Mihambo ist eine erstaunliche Athletin. Sie ist keine Lautsprecherin, keine, die die Show sucht. Abseits des Sports spielt sie gerne Klavier, engagiert sich sozial. Zuletzt reiste sie durch Indien, meditierte viel. Sie hat einen tiefen Glauben an sich selbst. Sie ruht in sich. Und sie ist sehr zielorientiert. „Das Potenzial für einen 7,20-Meter-Sprung ist da“, hatte sie vor der WM gesagt. In Doha zeigte sie, dass sie sogar noch mehr kann.

Doch dass die Studentin der Umweltwissenschaften noch einmal die Weltelite so aufmischen würde, sah nicht immer so aus. 2017 stand sie kurz davor, ihre Karriere zu beenden. Eine schwere Fußverletzung bremste sie.

Vetter kämpfte mit Verletzungen

Aber sie fand einen Weg aus der Krise. 2018 dann ihr internationaler Durchbruch: Sie wurde in Berlin Europameisterin. „Dass ich versuche, meinen eigenen Weg zu finden und immer offen zu sein – das ist vielleicht das Erfolgsgeheimnis.“

Auch Johannes Vetter hatte sich nach einer schweren Phase zurückgekämpft. Verletzungen warfen ihn fast die gesamte aktuelle Saison zurück: mal war es der Rücken, mal waren es die Adduktoren, mal war es der Fuß.

Trotzdem war er der einzige Deutsche, der die 90 Meter geknackt hatte, startete als Nummer zwei der Welt bei der WM. Doch der ganz große Wurf sollte ihm nicht gelingen. Ganz anders Malaika Mihambo: Ihr Satz hatte ein dickes Ausrufezeichen.